18. Bericht der Kommission zur Ermittlung
des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten
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Viertes Kapitel
Bestandsbedarf
7. Investitionen
- Die angemeldeten Investitionsausgaben der ARD betragen für den Planungszeitraum 2013-2016 1.862,2 Mio. €, das ZDF meldet 400,7 Mio. € und das Deutschlandradio 76,8 Mio. €. Alle Anmeldungen werden anerkannt.
7.1 Allgemeines
Tz. 281
Investitionsausgaben betreffen alle bestandsbezogenen finanzbedarfswirksamen Investitionen nach
der modifizierten Planungsmethode. Dazu zählen seit dem 18. Bericht auch die Instandhaltungsaufwendungen.
Darin nicht enthalten sind gesondert angemeldete technische Innovationen und
Projekte, die noch nicht in den Bestand überführt sind. Diese werden im Fünften Kapitel behandelt.
Die Investitionsausgaben ergeben sich wie folgt aus den Anmeldungen der Anstalten:
Die indexierbaren übrigen Aufwendungen ergeben sich wie folgt aus den Anmeldungen der ARDAnstalten:
| Investitionsbedarf des jeweiligen Planungsjahres (ohne Projekte) |
|---|
| ./. Ausgaben für Großinvestitionen |
| ./. Barwerte der Leasinginvestitionen |
| + Abschreibungen auf Großvorhaben |
| + Aufwendungen für Leasingraten |
| = Berücksichtigungsfähige Investitionen |
| + Instandhaltungsaufwendungen |
| = Investitionsausgaben |
Die Anmeldungen zum 18. Bericht enthalten für den Planungszeitraum 2013-2016 weder Ausgaben für neue Großinvestitionen (ab 25 Mio. € Investitionsvolumen) noch neue Leasingfinanzierungen.
Tz. 282
Die Investitionsausgaben der Vergangenheit wurden um die Instandhaltungsaufwendungen erhöht,
um eine uneingeschränkte Vergleichbarkeit zu ermöglichen. Außerdem wurden die zum
16. Bericht vorliegenden Prognosen zu den BIP-Deflatoren durch aktuelle Werte ersetzt (vgl. dazu
Tz. 219).
Tz. 283
Investitionen werden finanzwirksam, soweit diese angemessen und nachhaltig erfolgen. Diese
Voraussetzungen sind erfüllt, wenn in der Planungsperiode eine Kappungsgrenze nicht überschritten
wird. Maßgeblich für die Ermittlung dieser Grenze ist das Investitionsverhalten der Anstalten
in einem Referenzzeitraum von acht Jahren vor dem Basisjahr, welches über die laufende Gebührenperiode
bis in die Planungsperiode projiziert wird. Das Investitionsverhalten wird anhand einer
Reinvestitionsquote und der zeitlichen Entwicklung der Instandhaltungsaufwendungen unter
Berücksichtigung der realen wirtschaftlichen Gesamtentwicklung beurteilt. Die durchschnittliche
Reinvestitionsquote zum Basisjahr 2009 wird aus dem Mittelwert der Quotienten aus berücksichtigungsfähigen
Investitionen und den Abschreibungen im Zeitraum 2002-2009 ermittelt.
Tz. 284
Steigende oder sinkende Investitionsausgaben sind für sich gesehen kein Hinweis auf Wirtschaftlichkeit
und Sparsamkeit. Während steigende Investitionen durch die Kappungsgrenze relativiert
werden, können sinkende Investitionen ein Hinweis auf unterlassene Ersatzbeschaffungen sein.
Dies gilt insbesondere dann, wenn die Instandhaltungsmaßnahmen über die reale gesamtwirtschaftliche
Entwicklung hinaus ansteigen. Das Verhältnis zwischen Investitionen und Abschreibungen kann zur
Bewertung nachhaltiger Substanzerhaltung als Beurteilungsmaßstab herangezogen werden. Unter
gleich bleibenden Bedingungen müsste das Verhältnis bei rd. 100 % liegen. Hinzu käme die reale
Preissteigerung, so dass eine nachhaltige Reinvestitionsquote bei über 100 % läge. Aufgrund technischen
Fortschritts können die Wiederbeschaffungskosten jedoch unter den historischen Anschaffungskosten
liegen, so dass auch eine Reinvestitionsquote unter 100 % noch die Gewähr für eine
nachhaltige Substanzerhaltung bieten kann. Letzteres insbesondere dann, wenn die Entwicklung
der Instandhaltungsaufwendungen ohne Auffälligkeiten verläuft. Die Reinvestitionsquoten der
Anstalten im Referenzzeitraum betragen:
| Jahr | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | Ø 2002-2009 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| ARD | 101,7 | 101,4 | 105,7 | 87,3 | 98,8 | 92,9 | 92,4 | 90,3 | 96,4 |
| ZDF | 73,8 | 66,3 | 73,1 | 72,5 | 87,5 | 119,1 | 156,7 | 126,2 | 94,5 |
| DRadio | 234,3 | 189,0 | 159,4 | 122,9 | 141,3 | 114,6 | 137,6 | 170,6 | 158,7 |
7.2 Die Anmeldungen der Anstalten
Tz. 285
Von den Rundfunkanstalten wurden für die laufende Gebührenperiode und den Planungszeitraum
2013-2016 die nachfolgend aufgeführten bestandsbezogenen Investitionsausgaben angemeldet.
| 2009-2012 (in Mio. €) | 2013-2016 (in Mio. €) | Anstieg (in %) | |
|---|---|---|---|
| ARD | 1.679,7 | 1.862,2 | 10,9 |
| ZDF | 432,7 | 400,7 | -7,4 |
| DRadio | 89,0 | 76,8 | -13,7 |
Die Nachmeldung des ZDF für Brandschutzmaßnahmen in Höhe von 10,0 Mio. € wurde von der Kommission berücksichtigt.
Tz. 286
Bei ARTE werden die Investitionsausgaben aus Wesentlichkeitsgründen nicht gesondert betrachtet,
sondern im Sachaufwand mit behandelt (vgl. Tz. 260). Angabegemäß weist die ARTE Deutschland
TV GmbH als signifikantes Anlagevermögen das Verwaltungsgebäude in Baden-Baden und dessen
Ausstattung, in der Hauptsache EDV-Anlagen und Software, aus. Bei den Investitionsausgaben handelt
es sich regelmäßig um Software-Erweiterungskosten und Hardware-Ersatzbeschaffungen.
7.3 ARD
Tz. 287
Die ARD-Anstalten haben nach ihren Finanzbedarfsanmeldungen insgesamt folgende bestandsbezogene
Investitionsausgaben vorgesehen:
| Investitionen (in Mio. €) | davon Instandhaltung (in Mio. €) | Veränderung (in %) | Kappungsgrenze (in Mio. €) | Veränderung (in %) | |
|---|---|---|---|---|---|
| 2008 Ist | 396,4 | 127,4 | 436,4 | ||
| 2009 Ist | 408,5 | 134,8 | 3,05 | 442,5 | 1,40 |
| 2010 Ist | 376,2 | 120,4 | 7,91 | 445,2 | 0,60 |
| 2011 Plan | 451,2 | 122,7 | 19,94 | 450,7 | 1,25 |
| 2012 Vorschau | 443,8 | 120,5 | -1,64 | 456,4 | 1,25 |
| Summe 2009-2012 | 1.679,7 | 498,4 | 1.794,8 | ||
| Durchschnitt | 2,86 | 1,12 | |||
| 2013 Vorschau | 459,8 | 122,1 | 3,61 | 462,1 | 1,25 |
| 2014 Vorschau | 464,4 | 123,1 | 1,00 | 467,8 | 1,25 |
| 2015 Vorschau | 478,8 | 124,0 | 3,10 | 473,7 | 1,25 |
| 2016 Vorschau | 459,2 | 125,1 | -4,09 | 479,6 | 1,25 |
| Summe 2013-2016 | 1.862,2 | 494,3 | 1.883,2 | ||
| Durchschnitt | 0,86 | 1,25 | |||
| Summe 2009-2016 | 3.541,9 | 992,7 | 3.678,0 | ||
| Durchschnitt | 1,86 | 1,19 |
Tz. 288
Die angemeldeten Investitionen belaufen sich für den Zeitraum 2013-2016 auf 1.862,2 Mio. €. Dies
entspricht einer Erhöhung um 182,5 Mio. € oder 10,9 % gegenüber der laufenden Gebührenperiode
von 1.679,7 Mio. €.
Tz. 289
Die durchschnittliche Reinvestitionsquote zum Basisjahr 2009 beträgt 96,4 % und liegt unterhalb
der 100 %-Marke. Aus dem bisherigen Investitionsverhalten, den Anmeldungen im Planungszeitraum
und der Entwicklung der Instandhaltungsaufwendungen folgert die Kommission, dass die
ARD bestandserhaltend investiert (ausführlich dazu Tz. 284).
Tz. 290
In den Investitionsausgaben für den Zeitraum 2013-2016 sind Abschreibungen auf Großinvestitionen
ab 25 Mio. € in Höhe von 66,8 Mio. € und Leasingraten von 97,4 Mio. € enthalten. Die angemeldeten
Investitionsausgaben von 1.862,2 Mio. € liegen unterhalb der Kappungsgrenze von 1.883,2 Mio. €.
7.4 ZDF
Tz. 291
Die vom ZDF angemeldeten berücksichtigungsfähigen Investitionsausgaben im Bestand ergeben
sich aus der nachfolgenden Übersicht:
| Investitionen (in Mio. €) | davon Instandhaltung (in Mio. €) | Veränderung (in %) | Kappungsgrenze (in Mio. €) | Veränderung (in %) | |
|---|---|---|---|---|---|
| 2008 Ist | 102,4 | 33,3 | 93,0 | ||
| 2009 Ist | 104,7 | 34,3 | 2,25 | 94,3 | 1,40 |
| 2010 Ist | 103,3 | 27,5 | -1,34 | 94,9 | 0,60 |
| 2011 Plan | 112,9 | 38,5 | 9,30 | 96,1 | 1,25 |
| 2012 Vorschau | 111,8 | 26,9 | -0,96 | 97,3 | 1,25 |
| Summe 2009-2012 | 432,7 | 127,2 | 382,5 | ||
| Durchschnitt | 2,22 | 1,12 | |||
| 2013 Vorschau | 101,9 | 27,3 | -8,89 | 98,5 | 1,25 |
| 2014 Vorschau | 105,2 | 27,5 | 3,22 | 99,7 | 1,25 |
| 2015 Vorschau | 99,6 | 27,8 | -5,26 | 100,9 | 1,25 |
| 2016 Vorschau | 94,0 | 28,0 | -5,65 | 102,2 | 1,25 |
| Summe 2013-2016 | 400,7 | 110,6 | 401,3 | ||
| Durchschnitt | -4,25 | 1,25 | |||
| Summe 2009-2016 | 837,6 | 248,1 | 783,8 | ||
| Durchschnitt | -1,06 | 1,19 |
Tz. 292
Die für den Zeitraum 2013-2016 gemeldeten Investitionsausgaben belaufen sich auf 400,7 Mio. €.
Dies entspricht gegenüber der laufenden Gebührenperiode einem Rückgang um 32,0 Mio. € oder
7,4 %.
Tz. 293
Die Investitionen in der laufenden Gebührenperiode 2009-2012 von 432,7 Mio. € liegen deutlich
über der berechneten Kappungsgrenze von 382,5 Mio. €. Ursache ist, dass das ZDF zum 16. Bericht
(vgl. dort Tz. 255) einen Investitionsstau nachgewiesen hatte, worauf die Kommission die damals
angemeldeten Investitionsausgaben in voller Höhe genehmigte. Die Ausgaben lagen um 19 %
über der damaligen Kappungsgrenze. Gleichzeitig hatte die Kommission ein überproportionales
Ansteigen der Instandhaltungsaufwendungen registriert. Von den zusätzlich genehmigten Investitionen
wird das ZDF zum Ende der laufenden Gebührenperiode ausweislich der Anmeldung zum
18. Bericht rd. 63 % realisiert haben und dann die Instandhaltungsaufwendungen wieder deutlich
reduzieren. Die tatsächlich realisierten Investitionen beeinflussen die Höhe der Kappungsgrenze
(vgl. Tz. 283). Die Beseitigung des Investitionsstaus im laufenden Gebührenzeitraum, welche sich im
Referenzzeitraum noch nicht niederschlagen konnte, und deren gebotene Berücksichtigung im Planungszeitraum
bedingt eine Anhebung der maßgeblichen Fortschreibungsbasis 2009 um 7,5 Mio. €.
Tz. 294
Die durchschnittliche Reinvestitionsquote zum Basisjahr 2009 beträgt 94,5 % und liegt deutlich
unterhalb der 100 %- Marke. Das ZDF hat den im 16. Bericht angezeigten Investitionsstau zu 63 %
beseitigt und meldet im Planungszeitraum nur unwesentlich unterhalb der Kappungsgrenze an.
Aufgrund der Anmeldungen im Planungszeitraum, dem Investitionsverhalten im laufenden Gebührenzeitraum
und der Entwicklung der Instandhaltungsaufwendungen folgert die Kommission, das
das ZDF wieder bestandserhaltend investiert (ausführlich dazu Tz. 284).
Tz. 295
Die Investitionsausgaben enthalten im Planungszeitraum unverändert die Abschreibungen für das
Hauptstadtstudio in Höhe von 12,6 Mio. €. Die angemeldeten Investitionen von 400,7 Mio. € liegen
unter der Kappungsgrenze von 401,3 Mio. €.
7.5 Deutschlandradio
Tz. 296
Die vom Deutschlandradio angemeldeten berücksichtigungsfähigen Gesamtinvestitionsausgaben
ergeben sich aus der nachfolgenden Übersicht:
| Investitionen (in Mio. €) | davon Instandhaltung (in Mio. €) | Veränderung (in %) | Kappungsgrenze (in Mio. €) | Veränderung (in %) | |
|---|---|---|---|---|---|
| 2008 Ist | 19,0 | 7,4 | 23,4 | ||
| 2009 Ist | 21,7 | 7,3 | 14,21 | 23,7 | 1,40 |
| 2010 Ist | 23,4 | 7,6 | 7,83 | 23,9 | 0,60 |
| 2011 Plan | 22,7 | 8,7 | -2,99 | 24,1 | 1,25 |
| 2012 Vorschau | 21,2 | 9,1 | -6,61 | 24,4 | 1,25 |
| Summe 2009-2012 | 89,0 | 32,7 | 96,2 | ||
| Durchschnitt | 2,78 | 1,12 | |||
| 2013 Vorschau | 20,6 | 10,2 | -2,83 | 24,7 | 1,25 |
| 2014 Vorschau | 17,8 | 8,7 | -13,59 | 25,1 | 1,25 |
| 2015 Vorschau | 18,0 | 8,8 | 1,12 | 25,4 | 1,25 |
| 2016 Vorschau | 20,4 | 9,0 | 13,33 | 25,7 | 1,25 |
| Summe 2013-2016 | 76,8 | 36,7 | 100,9 | ||
| Durchschnitt | -0,96 | 1,25 | |||
| Summe 2009-2016 | 165,8 | 69,4 | 197,1 | ||
| Durchschnitt | 0,89 | 1,19 |
Tz. 297
Die für den Zeitraum 2013-2016 gemeldeten Investitionsausgaben belaufen sich auf 76,8 Mio. €.
Gegenüber dem laufenden Gebührenzeitraum entspricht dies einem Rückgang von 12,2 Mio. €
oder 13,7 %.
Tz. 298
Die durchschnittliche Reinvestitionsquote beträgt 158,7 %. Dieser hohe Wert ergibt sich im Wesentlichen
aus Gebäudeinvestitionen für Brandschutz und Asbestsanierung in Köln (rd. 45 Mio. €) sowie
Käufen von ursprünglich angemieteten Grundstücken in Berlin (rd. 10 Mio. €). Aus dem bisherigen
Investitionsverhalten, den Anmeldungen im Planungszeitraum und der Entwicklung der Instandhaltungsaufwendungen
folgert die Kommission, dass das Deutschlandradio bestandserhaltend
investiert (ausführlich dazu Tz. 284).
Tz. 299
Die angemeldeten Investitionen von 76,8 Mio. € liegen unterhalb der Kappungsgrenze von
100,9 Mio. €.
7.6 Bewertung durch die Kommission
Tz. 300
Die angemeldeten Investitionen von ARD (1.862,2 Mio. €), ZDF (400,7 Mio. €) und Deutschlandradio
(76,8 Mio. €) erkennt die Kommission an.
