18. Bericht der Kommission zur Ermittlung
des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten
| 18. Bericht (als PDF - 958KB) |
Elftes Kapitel
Finanz- und Strukturausgleich zwischen den ARD-Anstalten
-
Nach wie vor ist der gegenwärtige Finanzausgleich allein nicht in der Lage, die Lebens- und
Funktionsfähigkeit der kleinen Anstalten sicherzustellen.
-
Aufgrund der Aufforderung der Regierungschefs der Länder, die "Bonner Beschlüsse" zur Entlastung
der im Finanzausgleich nehmenden Anstalten so fortzuentwickeln, "dass den Anforderungen
an eine aufgabengerechte Finanzierung der kleinen Rundfunkanstalten Rechnung getragen
wird", haben sich die Intendantinnen und Intendanten der ARD-Anstalten durch die "Hamburger
Beschlüsse" vom 14./15. September 2009 darauf verständigt, die verbleibende Finanzierungslücke
für RB und SR durch zusätzliche Zahlungen und vertiefte Kooperationen schließen zu wollen.
-
Im Jahr 2010 hat der Anteil der Geld- bzw. geldwerten Leistungen auf der Basis der "Bonner"
und der "Hamburger Beschlüsse" am Gesamtumfang der ARD-internen Leistungen zur Gewährleistung
der auftragsadäquaten Finanzausstattung der kleinen Sender (Finanzausgleich zzgl.
"Bonner" und "Hamburger Beschlüsse") beim SR 17,6 % und bei RB 27,5 % betragen.
-
Die Intendantinnen und Intendanten der ARD haben am 29. November 2010 entschieden, die
"Hamburger" und "Bonner Beschlüsse" bis zum Ende des Jahres 2014 zu verstetigen.
-
Das aufgrund der Vorschläge der Kommission zum Strukturausgleich dem RBB gewährte zinslose
Darlehen wurde laut Schreiben der ARD vom 17. Juni 2011 vereinbarungsgemäß in zwei Tranchen
am 1. Oktober 2009 und am 1. April 2010 ausgezahlt; die Rückzahlung des Darlehens soll ab
dem Jahr 2016 in acht gleich hohen Jahresraten erfolgen.
- Nach Auffassung der Kommission werden im 1. Halbjahr des Jahres 2014 die Auswirkungen des Wechsels zum geräteunabhängigen Beitragsmodell erkennbar sein. Die Landesrundfunkanstalten der ARD werden die derzeitigen Regelungen des Finanzausgleichs einschließlich der weiteren Maßnahmen nach Maßgabe der "Bonner" und "Hamburger Beschlüsse" darauf überprüfen müssen, ob eine Neujustierung bzw. Novellierung der Ausgleichsmechanismen erforderlich sein wird. Entsprechendes gilt für die bisherigen Maßnahmen des Strukturausgleichs.
1. Finanzausgleich
Tz. 594
Zu der Notwendigkeit, den Zwecken und den rechtlichen Grundlagen des Finanzausgleichs zwischen
den ARD-Anstalten hat die Kommission in den zurückliegenden Berichten eingehend Stellung
genommen. An ihren dort vorgenommenen Einschätzungen - insbesondere auch zu der Frage,
ob der Finanzausgleich in seiner gegenwärtigen Form den staatsvertraglichen Zwecken genügen
kann - hat sich nichts geändert. Um Wiederholungen zu vermeiden, wird insoweit auf die früheren
Darlegungen verwiesen (vgl. 14. Bericht, Tzn. 446-452; 15. Bericht, Tzn. 261-268; 16. Bericht, Tzn.
472-482, s.a. 17. Bericht, Tzn. 503-519).
Tz. 595
Seit 2006 beträgt die Finanzausgleichsmasse nach deren stufenweiser Abschmelzung auf der Basis
des Fünften Rundfunkänderungsstaatsvertrags (dazu 16. Bericht, Tz. 477) eins vom Hundert des
ARD-Nettogebührenaufkommens (§ 14 Satz 1 RFinStV). In ihrem 16. Bericht war die Kommission
erneut zu der Feststellung gelangt (Tz. 477), der gegenwärtige Finanzausgleich sei nicht in der
Lage, die Lebens- und Funktionsfähigkeit der kleinen Anstalten sicherzustellen. Die Länder haben
im Elften Rundfunkänderungsstaatsvertrag die Finanzausgleichsmasse nicht aufgestockt. Die
Konferenz der Chefs der Staatskanzleien hat am 14. Februar 2008 aber die ARD aufgefordert, einen
Vorschlag vorzulegen, wie die im 16. KEF-Bericht angesprochenen Fragen des Finanzausgleichs und
der Gebührenzuordnung geregelt werden können (vgl. dazu 17. Bericht, Tz. 504).
Tz. 596
In ihren "Bonner Beschlüssen" vom 30. April 2008 hat die ARD zusätzliche Maßnahmen vereinbart,
die darauf abzielen, die im Finanzausgleich nehmenden Anstalten (RB und SR) zu entlasten.
In ihrer "Gutachtlichen Stellungnahme" vom 16. Mai 2008 hat die Kommission gegen die "Bonner
Beschlüsse" der ARD wegen deren Charakter als einer Zwischenlösung keine Einwände erhoben.
Die Regierungschefs der Länder sind auf ihrer Jahreskonferenz vom 22.-24. Oktober 2008 davon
ausgegangen, die "Bonner Beschlüsse" ergänzten für eine Übergangszeit die geltende Finanzausgleichsregelung.
Sie seien so fortzuentwickeln, dass den Anforderungen an eine aufgabengerechte
Finanzierung der kleinen Rundfunkanstalten Rechnung getragen werde.
Tz. 597
Die ARD hat der Rundfunkkommission der Länder mit Schreiben vom 21. Juni 2011 mitgeteilt,
die "Bonner Beschlüsse" seien zwischenzeitlich vollständig umgesetzt. Auf der Grundlage dieser
Beschlüsse gilt seit dem 1. Januar 2009 zunächst folgender Fernsehvertragsschlüssel (zur vorangehenden
Regelung 17. Bericht, Tz. 507):
| BR | 15,95 |
|---|---|
| HR | 7,40 |
| MDR | 10,85 |
| NDR | 17,60 |
| RB | 0,75 |
| RBB | 6,60 |
| SR | 1,25 |
| SWR | 18,20 |
| WDR | 21,40 |
| Summe | 100,00 |
Die Landesrundfunkanstalten haben dabei einen Schlüsselanteil in Höhe von 0,05 vom Hundert mit durchschnittlich 0,500 Mio. € bewertet.
Tz. 598
Weiterhin seien auch die beschlossenen Veränderungen in der Verteilung der Aufbringung der
Finanzausgleichsmasse innerhalb der ARD (zu den Änderungen vgl. 17. Bericht, Tz. 508) umgesetzt
worden. Demnach gelten seit dem 1. Januar 2009 folgende Aufbringungsanteile und -volumina,
wobei die letzteren bei konstantem Aufbringungsanteil ausschließlich wegen im Zeitablauf eintretender
Änderungen des Nettogebühren-/-beitragsaufkommens variieren:
| Anteil (in %) | Volumen (in Mio. €) | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| ab 1.1.2009 | 2009 Ist | 2010 Ist | 2011 Plan | 2012 vorschau | 2009-2012 | |
| BR | 15,62 | 8,458 | 8,408 | 8,343 | 8,240 | 33,449 |
| HR | 1,95 | 1,054 | 1,048 | 1,040 | 1,027 | 4,169 |
| MDR | 6,83 | 3,700 | 3,678 | 3,650 | 3,604 | 14,632 |
| NDR | 13,10 | 7,091 | 7,050 | 6,995 | 6,909 | 28,045 |
| RB | 0,00 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| RBB | 0,00 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| SR | 0,00 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| SWR | 17,99 | 9,741 | 9,684 | 9,608 | 9,490 | 38,523 |
| WDR | 44,50 | 24,089 | 23,949 | 23,762 | 23,469 | 95,269 |
| Summe | 54,133 | 53,817 | 53,398 | 52,739 | 214,087 | |
Für die Jahre 2013-2016 werden nachfolgend die seit dem 1. Januar 2009 geltenden Aufbringungsanteile beibehalten.
| 2013 Vorschau | 2014 Vorschau | 2015 Vorschau | 2016 Vorschau | 2013-2016 | 2009-2016 | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| BR | 8,249 | 8,338 | 8,366 | 8,403 | 33,356 | 66,805 |
| HR | 1,028 | 1,039 | 1,043 | 1,047 | 4,157 | 8,326 |
| MDR | 3,609 | 3,647 | 3,660 | 3,676 | 14,592 | 29,224 |
| NDR | 6,916 | 6,991 | 7,014 | 7,045 | 27,966 | 56,011 |
| RB | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| RBB | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| SR | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| SWR | 9,500 | 9,603 | 9,634 | 9,678 | 38,415 | 76,938 |
| WDR | 23,495 | 23,747 | 23,826 | 23,934 | 95,002 | 190,271 |
| Summe | 52,797 | 53,365 | 53,543 | 53,783 | 213,488 | 427,575 |
Tz. 599
Die Anteile der Empfängeranstalten an den Finanzausgleichsmittel betragen 46,24 vom Hundert
zugunsten des RB und 53,76 vom Hundert zugunsten des SR (§ 14 Satz 2 RFinStV). Diese Anteile
werden nachfolgend auch für die Jahre 2013-2016 zugrunde gelegt; auch insoweit gilt der Vorbehalt
einer Nachprüfung.
| Anteil (in %) | Volumen (in Mio. €) | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| ab 1.1.2009 | 2009 Ist | 2010 Ist | 2011 Plan | 2012 vorschau | 2009-2012 | |
| RB | 46,24 | 25,031 | 24,885 | 24,691 | 24,387 | 98,994 |
| SR | 53,76 | 29,102 | 28,932 | 28,707 | 28,352 | 115,093 |
| Summe | 100,00 | 54,133 | 53,817 | 53,398 | 52,739 | 214,087 |
| 2013 Vorschau | 2014 Vorschau | 2015 Vorschau | 2016 Vorschau | 2013-2016 | 2009-2016 | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| RB | 24,413 | 24,676 | 24,758 | 24,869 | 98,716 | 197,710 |
| SR | 28,384 | 28,689 | 28,785 | 28,914 | 114,772 | 229,865 |
| Summe | 52,797 | 53,365 | 53,543 | 53,783 | 213,488 | 427,575 |
Tz. 600
| RB | SR | Finanzausgleichsmasse | |
|---|---|---|---|
| 17. Bericht - Summe 2009-2012 | 98,508 | 114,528 | 213,036 |
| Anmeldungen 18. Bericht | |||
| 2009 Ist | 25,031 | 29,102 | 54,133 |
| 2010 Ist | 24,885 | 28,932 | 53,817 |
| 2011 Plan | 24,691 | 28,707 | 53,398 |
| 2012 Vorschau | 24,387 | 28,352 | 52,739 |
| 2009-2012 | 98,994 | 115,093 | 214,087 |
| Differenz zwischen 17. Bericht und Anmeldungen 18. Bericht | + 0,486 | + 0,565 | +1,051 |
Tz. 601
Darüber hinaus sehen die "Bonner Beschlüsse" verschiedene sogenannte Leistungs- und Gegenleistungsausgleichsmaßnahmen
(LGLA) vor, die nach Angaben der ARD nunmehr umgesetzt worden sind.
Tz. 602
So sind bereits bestehende Vereinbarungen bezüglich derartiger Maßnahmen, insbesondere in den
Bereichen Degeto-Tatorte, Tatort RB, Nordwestradio, Wellenkosten/Studio Warschau, Gebührenabteilungen/
Hörspiele und Kooperationen SWR/SR (Gebührenstelle ohne Beauftragtendienst, Revision,
Abspielzentrale, Programmplanungssoftware) verstetigt worden.
Nach Angaben der ARD mit Schreiben vom 24. Juni 2011 werden diese Maßnahmen für leistende
wie empfangende Anstalten wie folgt finanziell quantifiziert:
| Degeto-Tatorte | Tatort RB | Nordwestradio | Wellenkosten/Studio Warschau | Gebührenabt./ Hörspiel | Kooperation SWR/SR | Summe | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| BR | -0,829 | -0,829 | |||||
| HR | +0,915 | +0,915 | |||||
| MDR | -0,564 | -0,564 | |||||
| NDR | -0,915 | -3,100 | -0,181 | -4,196 | |||
| RB | +1,261 | +1,300 | +3,100 | +0,980 | +0,181 | +6,822 | |
| RBB | +0,957 | +0,225 | +1,182 | ||||
| SR | +1,235 | +0,500 | +1,735 | ||||
| SWR | -0,946 | -0,500 | -1,446 | ||||
| WDR | -1,114 | -1,300 | -1,205 | -3,619 |
Tz. 603
Hinzu kommen neue Vereinbarungen, die die Trailerproduktion, den Unterhaltungsanteil des SR,
sonstige Produktionskooperationen sowie weitere Maßnahmen (u.a. Tatort-Unterstützung) und
Barleistungen betreffen.
Nach Angaben der ARD mit Schreiben vom 24. Juni 2011 werden diese Maßnahmen für leistende
wie empfangende Anstalten wie folgt finanziell quantifiziert:
| Werbung im Programm | Anteil Unterhaltung | sonst. Produktionen | Übrige Maßnahmen | Summe | |
|---|---|---|---|---|---|
| BR | -0,136 | -0,075 | -0,211 | ||
| HR | -0,063 | -0,063 | |||
| MDR | -0,092 | -0,092 | |||
| NDR | -0,149 | -0,450 | -0,599 | ||
| RB | -0,006 | -0,006 | |||
| RBB | -0,056 | -0,056 | |||
| SR | +0,839 | +0,500 | +0,500 | +0,600 | +2,439 |
| SWR | -0,155 | -0,500 | -0,075 | -0,730 | |
| WDR | -0,182 | -0,500 | -0,682 |
Tz. 604
Um der von der Konferenz der Regierungschefs vom 22.-24. Oktober 2008 aufgestellten Forderung
nach einer Weiterentwicklung der "Bonner Beschlüsse" (vgl. Tz. 596) nachzukommen, verständigten
sich die Intendantinnen und Intendanten der ARD-Anstalten durch die "Hamburger Beschlüsse"
vom 14./15. September 2009 darauf, die verbleibende Finanzierungslücke für RB und SR schließen
zu wollen.
Zu diesem Zweck erhalten die kleinen Anstalten im Zeitraum 2010-2012 lt. Schreiben der ARD vom
21. Juni 2011 zunächst zusätzliche Zahlungen in Höhe von insgesamt 2,2 Mio. € p.a. (brutto), davon
0,6 Mio. € für den SR und 1,6 Mio. € für RB, welche über die Degeto-Filmbeschaffung und die Sportrechteetats
aufgebracht werden.
Zusätzlich zu diesen finanziellen Zuwendungen wurden vertiefte Kooperationen zwischen RB und
NDR einerseits sowie SR und SWR andererseits vereinbart, die nach Auskunft der ARD im Zeitraum
2010-2012 jährlich RB um 1,0 Mio. € und den SR um 1,4 Mio. € entlasten. Die im Februar 2010 zwischen
RB und NDR unterzeichnete Kooperationsvereinbarung sieht laut Schreiben der ARD vom
24. Juni 2011 u.a. Kooperationen in der Sendertechnik, der Buchhaltung, der Vertragserstellung und
-abrechnung im Honorarbereich, der Revision und der Rundfunkgebührenabteilung vor, wobei es
auch zu einer Übernahme von acht Mitarbeitern des RB durch den NDR komme. Die im Februar 2010
zwischen SR und SWR geschlossene Kooperationsvereinbarung umfasse eine Beteiligung an den Ausstrahlungskosten,
die gemeinsame Beauftragung des Streaming der Online-Angebote, Kooperationen
im IT-Bereich sowie die Übernahme der Kosten der Gebührenabteilung inkl. Beauftragtendienst.
Tz. 605
Auf der Grundlage der vorherigen Angaben kann festgehalten werden, dass im Jahr 2010 der
Anteil der Geld- bzw. geldwerten Leistungen auf der Basis der "Bonner" und der "Hamburger
Beschlüsse" am Gesamtumfang der ARD-internen Leistungen zur Gewährleistung der auftragsadäquaten
Finanzausstattung der kleinen Sender (Finanzausgleich zzgl. "Bonner" und "Hamburger
Beschlüsse") beim SR 17,6 % und bei RB 27,5 % betragen hat.
Tz. 606
Wie die ARD mit Schreiben vom 16. November 2009 gegenüber der Rundfunkkommission der Länder
ausgeführt hat, erfülle die ARD mit den erläuterten Maßnahmen und Beschlüssen die Erwartungen
der Regierungschefs der Länder hinsichtlich einer Fortentwicklung der "Bonner Beschlüsse".
Die Konferenz der Regierungschefs der Länder vom 16. Dezember 2009 hat diese Mitteilung der
ARD zur Kenntnis genommen.
Tz. 607
Die Intendantinnen und Intendanten der ARD haben am 29. November 2010 entschieden, die "Hamburger"
und "Bonner Beschlüsse" zum Finanzausgleich bis zum Ende des Jahres 2014 zu verstetigen.
