18. Bericht der Kommission zur Ermittlung
des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten
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Drittes Kapitel
Leistungsdaten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten
- Die Sendeleistung der öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme beträgt im Jahr 2010 insgesamt
10,1 Mio. Sendeminuten und verzeichnet damit einen neuen Höchststand seit Beginn der Leistungsdokumentation
im Jahre 1992.
- Die Sendeleistung des Ersten Programms der ARD beläuft sich im Jahr 2010 auf 487.871 Sendeminuten
(ohne Werbung). Darin sind 322.500 Erstsendeminuten enthalten. Damit weist die ARD
einen Erstsendeanteil von 66,1 % auf.
-
Das ZDF zeigt dagegen bei einer geringeren Gesamtsendeleistung (in Höhe von 485.900 Sendeminuten)
einen deutlich höheren Anteil an Erstsendungen. Dieser beträgt rd. 70,3 %, das entspricht
341.664 Erstsendeminuten. Das ZDF zeigt damit die höchste Quote an Erstsendeminuten
seit Beginn der Datenerfassung durch die Kommission.
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Die Sendeleistung der Dritten Programme beträgt insgesamt 4.167.905 Sendeminuten. Der Erstsendeanteil
für 2010 liegt bei 33,1 % und damit so niedrig wie nie zuvor seit 1992.
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Die analogen Spartenkanäle zeigen vereinzelte Wachstumstendenzen. Die Sendezeit beträgt für
das Jahr 2010 rd. 1,9 Mio. Sendeminuten.
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Die digitalen Spartenkanäle weisen bei der Sendeleistung ebenfalls kein nennenswertes Wachstum
auf. Für 2010 lag die Sendeleistung der digitalen Spartenkanäle bei 3,0 Mio. Sendeminuten
und ist damit konstant.
-
Im Bereich Hörfunk ist die Sendeleistung minimal angestiegen, was durch die zusätzliche Sendeleistung
des neuen Hörfunkprogramms DRadio Wissen zu erklären ist. Die Sendeleistung beträgt
32,5 Mio. Sendeminuten. Der Wortanteil hat leicht zugenommen und liegt derzeit bei 39,5 %.
- Das Online-Angebot der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wird geringfügig ausgebaut.
Vorbemerkung
Tz. 47
Der Leistungsbericht dokumentiert die Sendeleistung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.
Die Kommission weist ausdrücklich darauf hin, dass sie damit keine Programmkritik übt. Sie sieht
ihre Aufgabe vornehmlich darin, Transparenz über das Angebot der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten
herzustellen. Der Leistungsbericht basiert auf Informationen, die von den einzelnen
Rundfunkanstalten jeweils zugeliefert werden.
Tz. 48
Der vorliegende Bericht folgt nur noch in wenigen Teilbereichen der alten Methodik der Leistungsdokumentation
aus dem 16. und 17. KEF-Bericht (vgl. etwa 16. Bericht, Tz. 27 und 17. Bericht, Tzn.
47 f.). Die Gründe für die erneute Reduzierung der Leistungsdokumentation sind folgende: Erstens
sind viele der bisher dokumentierten Entwicklungen mittlerweile nahezu konstant, so dass sich
kaum noch nennenswerte Veränderungen dokumentieren lassen. Zweitens hat die Überarbeitung
des IIVF-Methodenheftes dazu geführt, dass die Leistungsdaten auch im Rahmen der Kennzahlenbetrachtungen
systematisch untersucht werden. Hierbei geht es insbesondere darum, Auffälligkeiten,
besondere Problemstellungen und fragwürdige Ergebnisse aufzudecken. Diese Logik soll in
Zukunft auch auf den Leistungsbericht übertragen werden, ohne allerdings die gesamten Datenbestände
aus den Kennzahlenbänden wiederzugeben.
Tz. 49
Damit dokumentiert der vorliegende Leistungsbericht nur noch Sachverhalte, die von allgemeiner
Bedeutung oder besonders auffällig sind (wie etwa deutliche Kosten- oder Sendezeitausweitungen
oder aber unübliche Schwankungen zwischen einzelnen Programmbereichen oder Ressorts etc.).
Darüber hinaus sind die Darstellungen an die Datenbestände aus den Kennzahlen angepasst, so
dass einzelne Daten auch bei ähnlichen Abbildungen unter Umständen nicht direkt mit den Angaben
früherer Berichte vergleichbar sind.
1. Fernsehen
Tz. 50
Das Gesamtangebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zeigt für das Jahr 2010 mit rd. 10,1 Mio.
Gesamtsendeminuten einen Höchststand seit Beginn der Dokumentation im Leistungsbericht 1999.
Nennenswerte Erhöhungen zeigen sich dabei vor allem bei den Dritten Programmen sowie bei den
analogen Spartenkanälen (insbesondere ARTE). Bei den digitalen Programmen lässt sich keine nennenswerte
Veränderung dokumentieren.
Tz. 51
Die Gesamtsendeleistung im Kernbereich (die Hauptprogramme von ARD, ZDF sowie die Dritten
Programme) liegt für das Jahr 2010 bei rd. 5,1 Mio. Sendeminuten. Im Vergleich zu den Vorjahren
lassen sich, abgesehen von den Erhöhungen bei den Dritten Programmen (um 41.300 Sendeminuten
gegenüber 2009), keine nennenswerten Veränderungen erkennen.
Tz. 52
Die analogen Spartenkanäle (KiKa, Phoenix, 3sat, ARTE und BR-alpha) weisen eine Gesamtsendeleistung
von rd. 1,9 Mio. Sendeminuten auf. Die Kosten für die analogen Spartenkanäle werden
seitens der Rundfunkanstalten ausgewiesen. Diese lassen jedoch, wie bereits in früheren Berichten
dargestellt (vgl. 16. Bericht, Tz. 29; 15. Bericht, Tz. 356), keine Rückschlüsse auf die Selbstkosten je
Sendeminute zu.
Tz. 53
Die Gesamtsendeleistung der digitalen Spartenprogramme (EinsPlus, EinsExtra, EinsFestival, ZDFtheaterkanal,
ZDFinfokanal, ZDFdokukanal bzw. ZDFneo) beläuft sich auf rd. 3,0 Mio. Sendeminuten.
Abbildung 7|1: Das Leistungsangebot des öffentlich-rechtlichen Fernsehens / Gesamtsendeminutenentwicklung
Abbildung 7|2: Das Leistungsangebot des öffentlich-rechtlichen Fernsehens / Zusammensetzung 2010
Tz. 54
Die Entwicklung der Erstsendeminuten erweist sich für den angepassten Erhebungszeitraum 2001-
2010 (wobei 2001 = 100 %) gegenüber den im 17. Bericht vorgestellten Feststellungen nahezu
unverändert (vgl. 17. Bericht, Tzn. 54 ff.).
Auffällig ist jedoch die nach wie vor auseinandergehende Entwicklung der Erstsendeminuten zwischen
ARD und ZDF. Während sich die ARD sowohl beim Ersten Programm als auch bei den Dritten
Programmen auf einem bestimmten Erstsendeniveau stabilisiert, zeigt das ZDF in seinem Hauptprogramm
für die letzten Jahre eine kontinuierliche Wachstumstendenz bei den Erstsendeminuten. Im
Jahre 2010 wurde für den Betrachtungszeitraum sogar ein Höchststand erreicht.
Abbildung 8: Entwicklung der Sendeleistung im "Kernbereich" (2001 = 100) / Erstsendeminuten in %
Tz. 55
Die Betrachtung der Anteile der Erstsendeminuten an der gesamten Sendezeit von ARD und ZDF
bestätigt vorangegangene Ausführungen zu Entwicklungstendenzen. Während das Hauptprogramm
des ZDF für das Jahr 2010 mit 70,3 % den höchsten Anteil an Erstsendeminuten seit der
Erhebung der Datenbestände durch die KEF zeigt (1992), liegt das Erste Programm der ARD bei
66,1 % und damit in den üblichen Schwankungsbreiten der vergangenen Jahre. Für die Dritten
Programme hingegen setzt sich der Abwärtstrend weiter fort: Mit einem Erstsendeanteil von
33,1 % wird ein neuer Minimalwert für den Betrachtungszeitraum von 2001-2010 erreicht.
Tz. 56
Die Prioritätensetzung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf der Basis der Erstsendeminuten
und der von den Anstalten gelieferten Kostendaten soll im Sinne der vorangegangenen Berichte
fortgeführt werden, auch wenn diese Darstellungen die reale Ressourcenwidmung aufgrund der
Kostenrechnungssysteme der Anstalten nicht adäquat wiedergeben (vgl. 14. Bericht, Tzn. 455 ff.).
Ziel ist, die Prioritätensetzung als Zusammenhang von Kosten und Sendeleistung zu begreifen.
Bezüglich der Prioritätensetzung lassen sich wichtige Unterscheidungen feststellen. So gibt es
Ressorts oder Programmbereiche, die aufgrund des finanziellen Volumens, der Sendezeit oder aber
der Relation aus beiden als besonders wichtig eingeschätzt werden können. Die folgenden Abbildungen
geben diese Informationen jeweils wieder, wobei das finanzielle Volumen auf der x- und
das Sendevolumen auf der y-Achse abzulesen sind. Die Relationen aus Kosten und Sendezeit lassen
sich anhand der Kreisgröße feststellen. Große Kreise deuten dabei auf hohe Kosten je Sendeminute
hin und kleine Kreise auf geringe Kosten je Sendeminute.
Tz. 57
Für das Erste Programm der ARD ist, bei Betrachtung der kumulierten Selbstkosten im Jahre 2010,
"Sport" das mit Abstand kostenintensivste Ressort. Danach folgen "Fernsehspiel", "Politik und
Gesellschaft" sowie "Unterhaltung" und "Spielfilm". Im Hinblick auf die Kosten je Sendeminute
(abzulesen an der jeweiligen Kreisgröße) zeigt das "Fernsehspiel" die höchsten Werte. Bei Betrachtung
der Anzahl der Erstsendeminuten lässt sich eine deutliche Prioritätensetzung für das Ressort
"Politik und Gesellschaft" erkennen, gefolgt von den Ressorts "Familie", "Unterhaltung", "Sport"
und "Spielfilm", wobei die Erstsendeminuten für die Ressorts ("Politik und Gesellschaft", "Familie"
und "Unterhaltung") z.T. zu deutlich geringeren Selbstkosten bereitgestellt werden.
Abbildung 9: Prioritätensetzung beim Ersten Fernsehprogramm der ARD
Tz. 58
Das ZDF weist in seinem Hauptprogramm bei den Selbstkosten für bestimmte Programmbereiche
eine ähnliche Verteilung auf wie das Erste Programm der ARD. Auch hier liegt der Programmbereich
"Sport" gemessen an den kumulierten Selbstkosten deutlich über allen anderen Ressorts.
Während das Zweite Deutsche Fernsehen 22,4 % der kumulierten Selbstkosten je Erstsendeminute
für das Ressort "Sport" aufbringt, sind es beim Ersten Programm rd. 27,7 %. Dahinter liegen
beispielsweise mit weitem Abstand die Programmbereiche "Kultur", "Film", "Kinder und Jugend"
sowie "Musik". Gemessen an der Sendezeit sind beim ZDF die Ressorts "Aktuelles" "Unterhaltung",
"Politik", "Kultur" und erneut "Sport" von großer Relevanz. Sehr deutlich ist außerdem zu erkennen,
dass es Programmbereiche gibt, bei denen die Erstsendeminuten zu vergleichsweise niedrigen
Selbstkosten produziert werden, wie etwa "Kinder und Jugend", "Kultur", "Politik" und "Aktuelles",
wohingegen die verbleibenden Ressorts zum Teil deutlich höhere Selbstkosten je Sendeminute
aufweisen (wie etwa "Reihen und Serien" oder "Fernsehspiel").
Abbildung 10: Prioritätensetzung beim ZDF-Hauptprogramm
Tz. 59
Die Dritten Fernsehprogramme zeigen das gewohnte und bereits in vorangegangenen Berichten
dargestellte Bild (vgl. etwa 16. Bericht, Tz. 37; 17. Bericht, Tzn. 64 f.). Das Ressort "Politik und
Gesellschaft" überwiegt deutlich sowohl im Hinblick auf die kumulierten Selbstkosten als auch im
Hinblick auf die kumulierten Erstsendeminuten, weshalb für die anderen Programmbereiche eine
Detailbetrachtung vorgenommen wird. Bei den Selbstkosten je Erstsendeminute weist das Ressort
"Politik und Gesellschaft" eher durchschnittliche Werte auf.
In der Detailbetrachtung heben sich sowohl unter Berücksichtigung der Selbstkosten als auch der
Erstsendeminuten vor allem die Programmbereiche "Unterhaltung" und "Kultur und Wissenschaft"
von den anderen Ressorts ab. Alle weiteren Ressorts liegen im Hinblick auf Selbstkosten und Erstsendeminuten
vergleichsweise dicht beieinander. Lediglich die Relation der Selbstkosten je Sendeminute
zeigt größere Unterschiede zwischen den Ressorts. So unterscheidet sich beispielsweise das
Ressort "Fernsehspiel" sehr deutlich von den anderen Programmbereichen.
Abbildung 11|1: Prioritätensetzung bei den dritten Programmen der ARD
Abbildung 11|2: Detailansicht zu Abb. 11|1 (Rahmen)
