17. Bericht der Kommission zur Ermittlung
des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten
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Drittes Kapitel
Leistungsdaten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten
4. Programmqualität
Tz. 101
Erstmals greift die Darstellung der Leistungsdaten auch Maßnahmen zur Ermittlung und Sicherung
der Programmqualität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland auf. Die Kommission
begrüßt die Bemühungen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im Bereich der Qualitätsermittlung
und -dokumentation, da diese langfristig der Sicherung und der Steigerung der öffentlichrechtlichen
Programmqualität und damit insgesamt dem dualen System dienen, und befürwortet
deren Weiterverfolgung. Die Dokumentation der Erhebungsinstrumente zur Programmqualität ist
erstmals Teil des Leistungsberichtes und soll künftig den Entwicklungen in diesem Bereich folgend
in geeigneter Form weitergeführt werden. Insbesondere soll zukünftig auch über Ergebnisse und
Trends berichtet werden.
Die Darstellung beruht auf Informationen, die der Kommission von den Anstalten zur Verfügung
gestellt wurden. Die gelieferten Informationen sind teilweise online und damit auch öffentlich
verfügbar. Ausgangspunkt der Darstellung waren folgende Fragen:
- Wie wird Qualität definiert?
- Welche Qualitätskriterien und -maßstäbe werden angesetzt?
- Welche Verfahren werden zur Ermittlung der Programmqualität angewendet?
- Wer führt die Erhebungen durch und für wen?
- Findet Benchmarking statt und wenn ja in welcher Form?
Tz. 102
Das primäre Ziel der ARD bei der Ermittlung der Programmqualität ist nicht deren metrische Erfassung.
Im Vordergrund stehen einzelne Qualitätsaspekte wie die Darstellung des "public value", die
Qualitätsverbesserung von Sendungen und Programmen und die Programmbewertung für Programmentscheidungen.
Dies spiegelt sich auch in den angewendeten Verfahren wider.
Bei der ARD werden neben Leitbildern einzelner ARD-Anstalten zur Ermittlung der Programmqualität
als Ermittlungsverfahren eingesetzt:
- Programmbegleitung im Diskurs: in internen Redaktionssitzungen und durch die Gremien der Rundfunkanstalten;
- einzelne Evaluationsmaßnahmen: Publikumsbefragungen wie z.B. Sendungs-Checks auf Basis von Zuschauerbewertungen;
- umfassende Sendungs- oder Programm-Controlling-Systeme.
- Quotenmessung durch die GfK im Fernsehen;
- Reichweiten- und Marktanteilmessung durch die Media-Analyse (MA) im Hörfunk;
- detaillierte Sendezeitenstatistiken für Hörfunk- und Fernsehprogramme.
- das ProgrammBewertungsVerfahren (PBV) des SWR1;
- das Programmcontrolling des WDR und des RBB2;
- Qualitätsbeurteilungsverfahren des HR3;
- das BR-Modell mit Indikatoren für Qualität (iQ-Projekt 2: Qualität sichern — Qualität fördern).
- siehe hierzu M. Blumers/W. Klingler: "Fernsehprogramme und ihre Bewertung — Das ProgrammBewertungsVerfahren im SWR", Media Perspektiven 4/2005
- siehe hierzu M. Tebert: "Erfolg durch Qualität — Programmcontrolling beim WDR Fernsehen", Media Perspektiven 2/2000
- siehe hierzu E. Oehmichen/H. Schneider: "Qualitätsanforderungen an Fernseh-Informationssendungen - Erfahrungen und Ergebnisse der Qualitätssteuerung im Hessischen Rundfunk", Media Perspektiven 1/2008
Tz. 103
Als Basis gemeinsamer Programmqualitätskriterien dient dem ZDF ein 2007 entwickeltes Leitbild
mit folgenden fünf Parametern:
- Das ZDF arbeitet für seine Zuschauer und will gemessen an den Möglichkeiten einzelner Genres möglichst viele von ihnen durch verständliche Programme und Anknüpfungen an ihre Erfahrungswelt erreichen.
- Das ZDF strebt an, in seinen Programmen die zeitgemäßen Standards der Gestaltung und Produktion von Fernsehsendungen umsetzen.
- Programme des ZDF sollen innovativ sein.
- Das ZDF will zeigen, was wichtig ist, also die relevanten Themen der gesellschaftlichen und politischen Diskussion im Programm aufgreifen.
- Die Programme des ZDF sollen aus der Haltung der Achtung und Förderung universaler, humaner Grundwerte gestaltet werden.
- Image-Untersuchungen: Erfragung des Senderimages und der Genrekompetenz durch repräsentative Umfragen bei ca. 1.000 Fernsehzuschauern, vier Mal pro Jahr, erhoben durch die ZDF-Medienforschung.
- Programmbewertung durch das Programmbewertungsystem "Program Appreciation Panel" (PAP)1 mit qualitativen Einzelinterviews oder Interviews in kleinen Gruppen von 40-80 Personen durch die ZDF-Medienforschung sowie Analysen zur inhaltlichen Struktur des ZDF-Gesamtangebots und zu den wichtigsten Konkurrenzangeboten zum Vergleich von Genre- und Inhaltsprofilen.
Tz. 104
Die Programmqualität von Deutschlandradio und ARTE wird aktuell nicht durch spezifische Ermittlungsverfahren
erhoben. Die Aktivitäten beschränken sich auf interne Programmkritik durch
Redaktionen und Gremien.
