16. Bericht der Kommission zur Ermittlung
des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten
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Zwölftes Kapitel
Ausgewählte Bereiche
3. Einzelne Prüfungsschwerpunkte der Kommission zur Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit
3.1 Personalwirtschaftliche Konzepte der Anstalten zur Gewährleistung und Verbesserung ihrer Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit
Tz. 555
Zur Beurteilung, inwieweit die Strukturen der Mitarbeitervergütung bei den Rundfunkanstalten
im Einklang mit den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit stehen, hat die Kommission
in der Vergangenheit Vergleiche des Gehaltsgefüges der Rundfunkanstalten untereinander
sowie darüber hinaus mit denen des Öffentlichen Dienstes und der Medienwirtschaft eingefordert.
Die Anstalten haben daraufhin in Abstimmung mit der Kommission für eine Reihe vergleichbarer
Funktionen (sog. Richtpositionen) bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten
Gehaltsstrukturuntersuchungen sowie außerdem externe Vergleiche des Gehaltsniveaus durchführen lassen, die
damit gewonnenen Vergleiche bei den personalplanerischen Überlegungen und der Umstrukturierung
der Vergütungssysteme genutzt und eine Reihe Kosten senkender Strukturveränderungen im
Gehaltsgefüge vorgenommen.
Die Anstalten haben erklärt, diese Anstrengungen fortsetzen zu wollen, zugleich aber auch deutlich
gemacht, dass inzwischen andere Themen im Personalbereich in den Vordergrund gerückt
seien, und zu diesen exemplarisch berichtet.
Tz. 556
Um sich einen gleichmäßigen und damit aussagekräftigen Überblick über die wesentlichen Aspekte
der Konzepte und Instrumentarien der einzelnen Anstalten zur Verbesserung und Gewährleistung
ihrer Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit im Personalbereich sowie den Stand von deren Realisierung
zu verschaffen, hat die Kommission den Anstalten 2007 einen Fragenkatalog zu folgenden
Themenfeldern vorgelegt:
- Rationalisierungsmaßnahmen zur Reduzierung von Personalaufwand;
- Maßnahmen zur Steigerung von Leistungsbereitschaft und Eigenverantwortung;
- Anpassung von Personalnebenleistungen;
- Flexibilisierung der Arbeitszeit, Nebentätigkeiten;
- Personalplanung;
- Auslagerung von Aufgaben und
- weitere Maßnahmen in der Personalwirtschaft.
Tz. 557
Die Anstalten haben die finanziellen Auswirkungen der von ihnen getroffenen Maßnahmen auf
ihren Finanzbedarf für die Gebührenperiode 2009-2012 mit der Begründung nur knapp oder gar
nicht dargestellt, dass viele Maßnahmen primär zu einem flexibleren Einsatz der Mitarbeiter führen
sollten und deshalb nicht zwingend Kosteneinsparungen bewirkten. Die ARD hat dargelegt, mit
den dargestellten personalwirtschaftlichen Maßnahmen verbundene Einsparungen habe sie in den Anmeldungen zum 16. Bericht bereits berücksichtigt. Die ARD hat im Übrigen erklärt, aus dem Umstand,
dass Anstalten einzelne Maßnahmen nicht explizit aufgeführt hätten, dürfe nicht zwingend
abgeleitet werden, dass es dort nicht zu entsprechenden Maßnahmen gekommen sei.
Die Antworten der Rundfunkanstalten vermitteln vom Stand der Realisierung der Konzepte, Instrumentarien
und Maßnahmen zur Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit im Personalbereich nachfolgendes
Bild:
3.1.1 Rationalisierungsmaßnahmen zur Reduzierung von Personalaufwand
Tz. 558
Durch die Einrichtung von Selbstfahrerstudios - Studios, die technisch vom Moderator oder
Sprecher selbst bedient werden - konnte in den Hörfunkbereichen aller Anstalten Produktionspersonal
eingespart werden. HR, RBB, SR und SWR planen, den Selbstfahrerbetrieb weiter
zu intensivieren; der MDR will dies für eine weitere Hörfunkwelle prüfen. Der WDR setzt den
Selbstfahrerbetrieb für solche Sendestrecken ein, die einen hohen Musikanteil haben und eingeschränkte
journalistische Anforderungen an die Selbstfahrermoderatoren stellen.
Die ARD weist darauf hin, dass sich nicht jede Sendeform für den Selbstfahrerbetrieb eigne. Eine
Ausweitung des Selbstfahrerbetriebs und damit eine Ausschöpfung weiteren Rationalisierungspotenzials
sei nicht mehr nur eine personalwirtschaftliche, sondern vielmehr eine programmliche
Entscheidung über Sendeform und Sendeformat.
Insgesamt geht die Kommission davon aus, dass im Bereich der Selbstfahrerstudios noch Rationalisierungspotenzial
besteht. Die Kommission empfiehlt insoweit ein Benchmarking unter den
Hörfunk produzierenden Anstalten.
Tz. 559
Im Fernsehbereich wurde die Produktion von Nachrichtensendungen bei HR und NDR weitgehend
standardisiert, so dass sie unter Einsatz von Automatisierungssystemen mit stark verringertem
personellem Aufwand gefahren werden können. Neuerdings verfügt auch der WDR über ein
solches Studio.
Auch insoweit hält die Kommission einen verstärkten Erfahrungsaustausch unter den Anstalten
mit dem Ziel einer gemeinsamen Orientierung an den kostengünstigsten Standards für sinnvoll.
Tz. 560
Zurzeit loten die Fernsehbereiche aller Anstalten Einsatzmöglichkeiten von Video-Reportern
bzw. -Journalisten aus. Vorrangiges Ziel ist zwar die Verbesserung von Vielfalt und Aktualität
insbesondere der Regionalberichterstattung, in der Folge sind aber auch Auswirkungen auf die
erforderlichen Kapazitäten für die aktuelle Berichterstattung (Regionalbüros, Korrespondentenbüros,
Kamerateams) zu erwarten.
Die ARD weist auch hier darauf hin, dass sich nicht jedes Format für den Einsatz von Video-Reportern
eigne. So genüge beispielsweise das von Video-Journalisten bereitgestellte Material zwar
den journalistischen Qualitätsansprüchen, nicht aber denen des Layouts. Dies gelte insbesondere
für Beiträge von mehr als 1:30 Minuten Sendelänge, da hier bereits dramaturgische Aspekte des
Bildschnitts und der Vertonung berücksichtigt werden müssten.
Die Kommission geht in diesem Bereich von einem weiteren Rationalisierungspotenzial aus, das
sich insbesondere im Programmaufwand auswirken wird, weil bei den Rundfunkanstalten ganz
überwiegend freie Mitarbeiter/innen als Video-Reporter bzw. Video-Journalisten eingesetzt werden.
Tz. 561
Im Zuge der Digitalisierung sind im Hörfunk Produktionsaufgaben bereits in erheblichem Umfang
von Programmmitarbeitern übernommen worden. NDR, SR, WDR und weitere Anstalten
haben in unterschiedlichem Umfang auch im Fernsehen mit der Digitalisierung der Arbeitsplätze
und damit der verstärkten Vernetzung der Systeme begonnen. Die Umsetzung wird noch einige
Zeit in Anspruch nehmen; es zeichnet sich aber bereits ab, dass ein Teil der Produktionsaufgaben
wie z.B. Schnittaufgaben der Cutter von Programmmitarbeitern übernommen wird. Die ARD
weist darauf hin, dass es sich bei den Produktionsaufgaben teilweise um qualifizierte Tätigkeiten
handele, für deren Erledigung eine fachspezifische Berufsausbildung und eine entsprechende
Berufserfahrung benötigt werde. NDR und SR weisen darauf hin, dass die Auswirkungen der
Digitalisierung im Fernsehen auf den Finanzbedarf nicht absehbar sind.
Die Digitalisierung erfordert zunächst erhebliche Investitionen, die die Anstalten im Rahmen des
Bestands finanzieren. Infolge der mit der Digitalisierung verbundenen elektronischen Bild- und
Tonbearbeitung von der Aufzeichnung bis zur Sendung einschließlich der unterstützenden Informations-
und Archivsysteme ergeben sich weitgehende Möglichkeiten zu grundlegenden Systemveränderungen
und Optimierungen der Arbeitsabläufe in den Rundfunkanstalten. In deren
Folge erwartet die Kommission Rationalisierungs- und Einsparpotenzial. Nach ihrer Einschätzung
sollten auch in einem frühen Stadium der Digitalisierung der Arbeitsplätze im Fernsehen erste
Quantifizierungen der wirtschaftlichen Auswirkungen planbar sein.
Tz. 562
Die technische Entwicklung, insbesondere die Digitalisierung in Hörfunk und Fernsehen, hat eine
weitgehende Veränderung der tontechnischen Abläufe bewirkt und Aufgabenanpassungen bei
den Tontechnikern erforderlich gemacht. Die Mehrheit der Anstalten hat deshalb die Weiterentwicklung
des Berufsbildes unter Einbezug anderer Funktionen realisiert und so bislang getrennt
wahrgenommene Tätigkeitsbereiche zusammengeführt, damit Personalbedarfe reduziert werden.
Bei zwei Anstalten ist die Umsetzung noch nicht abgeschlossen.
Tz. 563
Alle Anstalten haben eine Verschlankung ihrer Hierarchien realisiert oder in der Planung. U.a. haben
jene Anstalten, die eigenständige Technische Direktionen hatten, diese inzwischen aufgelöst
und die Aufgabengebiete mit denen anderer Direktionen zusammengeführt. Wesentliches Ziel
dieser Anpassungen ist die Optimierung der Strukturen und Abläufe aufgrund der technischen
Entwicklungen.
Tz. 564
Bis auf den BR arbeiten die Anstalten mit bimedialen (bild- und tonübergreifend)
bzw. trimedialen (Bild-, Ton- und Online-Bearbeitung) Arbeitsplätzen. Der BR, der über eine von den anderen
Anstalten abweichende Organisationsstruktur verfügt (Einbindung der Produktion in die Hörfunk-
bzw. Fernseh-Direktion), prüft derzeit die Einführung solcher Arbeitsplätze, die Mehrzahl
der Anstalten bereits die Ausweitung der Anwendungen.
In Anbetracht der Erfahrungen anderer Anstalten darf trotz seiner anders geschnittenen Organisationsstruktur
beim BR ein positives Prüfungsergebnis erwartet werden. In der Folge ergäbe sich
nach Amortisation der Investitionen zusätzliches Einsparpotenzial.
Tz. 565
Im Programmbereich werden zur Erhöhung der Flexibilität in erheblichem Umfang freie Mitarbeiter
beschäftigt. Mehrere Anstalten sehen ihr Potenzial zur Substitution fester Mitarbeiter
durch freie Mitarbeiter als weitgehend ausgeschöpft an. Beim ZDF hingegen wird das Konzept
zur Beschäftigung freier Mitarbeiter im Hinblick auf die Erhöhung der Flexibilität, die Berücksichtigung
arbeitsrechtlicher Aspekte sowie eine Honorarabflachung derzeit überprüft. Der MDR
plant unter Berücksichtigung seiner aktuellen Prozess- und Strukturanalysen mittelfristig die
Erarbeitung von Zielstellenplänen.
Soweit sich aus den bei ZDF und MDR laufenden Maßnahmen Möglichkeiten der Kostenreduzierung
ergeben, erwartet die Kommission im Interesse einer Finanzbedarfsminderung eine zügige
Realisierung.
Tz. 566
Alle Anstalten arbeiten im Interesse eines flexiblen Personaleinsatzes mit befristeten
Beschäftigungen. Die tarifvertraglichen Grenzen dafür sind unterschiedlich ausgestaltet. Der MDR bemüht sich
um Aufhebung seiner über den gesetzlichen Rahmen hinausgehenden tarifvertraglichen Schranken,
um einen weitergehenden Einsatz befristeter Beschäftigungsmöglichkeiten zu erreichen.
Tz. 567
Mit Ausnahme des SWR planen alle Anstalten die Fortsetzung des Abbaus von Planstellen wie in
ihren Anmeldungen dargelegt. Aufgrund von derzeit beim MDR laufenden Prozess- und Strukturanalysen
können sich ggf. weitergehende Planstellenminderungen ergeben, deren Realisierung
die Anstalt aber erst mittel- bis langfristig erwartet. Der SWR will frei werdende Planstellen für
die Festanstellung langjährig freier, nicht programmgestaltender Mitarbeiter/innen verwenden.
Alle Anstalten haben ergänzend erklärt, dass sie wie bereits bisher vor Neubesetzung jeder frei
werdenden Planstelle deren Notwendigkeit, Umfang und Stellenwertigkeit eingehend überprüfen
würden.
Die Kommission erachtet nach wie vor die strukturelle wie fallweise Überprüfung der Stellenpläne
zur Beschränkung des fest angestellten Personals auf das für die Aufgabenerfüllung notwendige
Maß für unverzichtbar. Insbesondere, soweit die dauerhafte Notwendigkeit einer Stelle nicht absehbar
ist, sollten sich die Anstalten für befristete Anstellungen entscheiden. Soweit sich aus den Analysen
beim MDR Möglichkeiten der Kostenreduzierung ergeben, wird eine zügige Realisierung im
Interesse einer Finanzbedarfsminderung beginnend bereits in der neuen Gebührenperiode erwartet.
3.1.2 Maßnahmen zur Steigerung von Leistungsbereitschaft und Eigenverantwortung
Tz. 568
Zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit verfolgen die Anstalten übereinstimmend - allerdings mit
unterschiedlichen Schwerpunkten - das Ziel, Leistungsbereitschaft und Eigenverantwortung ihrer
Mitarbeiter auch durch Optimierung ihrer Vergütungs- und Arbeitszeitsysteme zu stärken. Sie verwenden
bzw. entwickeln dazu spezifische personalwirtschaftliche Instrumente:
Tz. 569
Nahezu alle Anstalten bevorzugen zur Stärkung der Leistungsorientierung in unterschiedlicher
Hierarchietiefe die befristete Vergabe von Leitungspositionen. Dies sei von Seiten der Rundfunkanstalten
auch schon in Verhandlungen mit den Tarifpartnern gefordert worden. Eine Verständigung
sei aber bisher nur auf der heute geregelten Basis möglich gewesen. Eine Ausweitung des
betroffenen Personenkreises auf die Ebene der Sachgebietsleitungen plant allein der HR. Das ZDF
sowie ein Großteil der ARD-Anstalten haben zudem die Anwendung folgender Maßnahmen zur
begleitenden Kostendämpfung mitgeteilt:
- bei erstmaliger befristeter Vergabe von außertariflich bzw. übertariflich vergüteten Positionen nur Gewährung einer nicht versorgungsfähigen Zusatzvergütung und
- abgesenkte Eingangsvergütungen für jüngere Leistungsträger.
Die Kommission erachtet unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten die Ausdehnung des Personenkreises, dem neue Aufgaben jedenfalls zunächst nur befristet übertragen werden, auf alle Beschäftigten für sinnvoll, die zumindest für einen Teilbereich Ergebnisverantwortung tragen. Sie geht davon aus, dass die Rundfunkanstalten weiterhin auf entsprechende Vereinbarungen mit den Tarifvertragsparteien hinwirken.
Tz. 570
Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit Mitarbeitern als Instrument der Mitarbeiterführung sind
inzwischen bei nahezu allen Anstalten institutionalisiert. Beim BR werden sie weitgehend auf die
Ebene der Geschäftsführung beschränkt.
Der Grad der Erfüllung solcher Ziel- und Leistungsvereinbarungen hat nur bei einer Anstalt und
dort nur für eine Fallgruppe unmittelbare vertragsbedingte Auswirkungen auf die Vergütung.
Mehrere andere Anstalten hingegen betonen ausdrücklich, dass ihre Ziel- und Leistungsvereinbarungen
keine Auswirkungen auf die Vergütung der Mitarbeiter haben.
Tz. 571
Elemente leistungsorientierter Vergütungsstrukturen gibt es derzeit in unterschiedlicher Ausprägung
und z.T. erst in Ansätzen, z.B. in Form der Gewährung fakultativer Vergütungsstufen,
vorzeitiger Stufensteigerungen, laufender und einmaliger Leistungszulagen sowie der Versagung
von Stufensteigerungen. Das hat seine Ursache auch darin, dass Leistungsbeurteilungen noch
nicht durchgängig Praxis sind.
Tz. 572
Die Rundfunkanstalten wollen ihre Vergütungssysteme künftig mehr als bisher an der individuellen
Leistung ausrichten. Dazu bedarf es nach Ansicht der ARD-Anstalten und des Deutschlandradios
differenzierter und zugleich einfach zu handhabender Systeme, die den einzelnen
Rundfunkanstalten notwendige individuelle Gestaltungsspielräume ließen. Von dieser Position
ausgehend, haben diese Anstalten im Rahmen der Tarifverhandlungen 2005/2006 mit den Gewerkschaften
eine ausdrückliche Vereinbarung getroffen, zu diesem Themenfeld eigenständige
Tarifverhandlungen aufzunehmen. Derzeit würden mit den Gewerkschaften u.a. folgende dafür
notwendige Eckpunkte verhandelt:
- Kriterien für eine objektivierte Leistungsbeurteilung bzw. für objektivierte und systematisierte Verfahrensmechanismen zur Thematisierung von Leistung;
- Weiterentwicklung von Mitarbeiter- bzw. Zielvereinbarungsgesprächen zur Bewertung der erreichten Ziele;
- Einführung von Fakultativstufen durch Reduzierung der allein beschäftigungszeitabhängigen Vergütungsstufensteigerungen bzw. Umwidmung weiterer Stufen in Fakultativstufen;
- leistungsabhängiges Versagen/Verzögern/Vorziehen von Stufenaufrückungen bei den verbleibenden Regelstufen;
- einmalige oder befristete Leistungszulagen oder Prämien als Einstieg in variable leistungsbezogene Vergütungsbestandteile;
- stärkere Einbindung der Führungskräfte in die monetäre Steuerung.
Die ARD-Anstalten wollen der Kommission über Verlauf und Ergebnisse ihrer Verhandlungen weiter berichten.
Das ZDF hat eigenständig Schritte zur stärker leistungsbezogenen Vergütungsstruktur realisiert bzw. in Umsetzung gebracht.
Die Kommission unterstützt die dargestellten Bemühungen der Anstalten ausdrücklich, die individuelle Leistung der Beschäftigten messbar sowie das Maß der Leistungserbringung zum Gegenstand regelmäßiger individueller Zielvereinbarungen und zum Maßstab für die tatsächliche Vergütung zu machen. Sie geht davon aus, dass damit nicht nur Produktivitätszuwächse, sondern auch Kostensenkungen zu erreichen sind. Ferner erwartet sie, dass die Verhandlungen zügig aufgenommen werden und die Anstalten neben der programmlichen Effizienzsteigerung auch das Ziel verfolgen, eine stärkere Einbindung der Mitarbeiterleistung in die bestehenden Gehaltssysteme zu erreichen und - wie auch im Öffentlichen Dienst - bislang leistungsunabhängige Vergütungsbestandteile in leistungsabhängige Vergütungskomponenten umzuwandeln. In Anlehnung an den Öffentlichen Dienst geht es dabei primär um eine leistungsorientierte Bezahlung unter Inanspruchnahme bereits vorhandener Vergütungsinstrumente. Damit soll zugleich eine On-Top-Leistung der Rundfunkanstalten verhindert werden. In diesem Zusammenhang sollten darüber hinaus aber auch Einsparungen möglich sein, auf die in den Verhandlungen mit den Gewerkschaften hingewiesen werden sollte. Die Kommission erwartet insoweit zur nächsten Gebührenanmeldung Darlegungen zu den erreichten Verhandlungsergebnissen.
3.1.3 Anpassung von Personalnebenleistungen
Tz. 573
Zahlreiche Anstalten haben das Weihnachtsgeld, einige auch das Urlaubsgeld auf die monatlichen
Bezüge umgelegt. Dadurch verlieren Weihnachts- und Urlaubsgeld den Charakter einer
jährlichen Sonderzahlung, die im Bedarfsfall zum Gegenstand gesonderter tarifvertraglicher
Vereinbarungen gemacht werden kann.
Drei Anstalten gewähren generell bzw. in Ballungsräumen Fahrtkostenzuschüsse für den ÖPNV,
andere nicht, obwohl durchaus vergleichbare Verhältnisse vorliegen.
Unter Hinweis auf bereits erfolgte Absenkungen bzw. Streichungen von Weihnachts- und Urlaubsgeld
im Öffentlichen Dienst stellt die Kommission fest, dass die Rundfunkanstalten diese Sonderzahlungen auf die Monatsvergütungen umgelegt haben. Die Rundfunkanstalten weisen
aber darauf hin, dass sie zugleich eine wirkungsgleiche Absenkung der Linearraten vorgenommen
hätten und sie sich bei ihren Tarifabschlüssen an dem Gesamtvolumen der im Öffentlichen Dienst
abgeschlossenen Vergütungsverträge orientieren. Die Kommission hält es für notwendig, dass sich
die Anstalten nicht nur bei den Tarifsteigerungen, sondern auch bei Einschnitten am Öffentlichen
Dienst orientieren. Entsprechendes gilt für die Gewährung von Fahrtkostenzuschüssen.
3.1.4 Flexibilität der Arbeitszeit, Nebentätigkeiten
Tz. 574
Zur bedarfsgerechten Flexibilisierung der Arbeitszeit nutzen die Anstalten unterschiedliche
In strumente wie z.B. Gleitzeitregelungen mit kurz- oder längerfristigen Ausgleichzeiträumen
bis hin zu Arbeitszeitkonten, die die Lebensarbeitszeit um bis zu zwei Kalenderjahre verkürzen
können. Lebensarbeitszeitkonten gibt es nur bei wenigen Anstalten.
Tz. 575
Fast alle Rundfunkanstalten nutzen Modelle der Altersteilzeit. Bei vielen Anstalten sind diese Regelungen
Gegenstand von Tarifverträgen. Dabei haben nur zwei Rundfunkanstalten tarifvertragliche
Vereinbarungen geschlossen, die im Hinblick auf die mit der Gewährung von Altersteilzeit
steigenden Personalaufwendungen u.a. einen Gehaltsverzicht der Mitarbeiter vorsehen.
Tz. 576
Nach Auffassung der Kommission liegt die Flexibilisierung der Arbeitszeit im wirtschaftlichen Interesse
der Anstalten. Die unterschiedlichen Modelle der Anstalten legen nahe, den Austausch über
die praktischen Erfahrungen mit dem Ziel einer gemeinsamen Orientierung an der wirtschaftlichsten
und im Ergebnis kostengünstigsten Lösung fortzuführen.
Vor dem Hintergrund der finanziellen Belastung durch die tatsächliche Entwicklung der Inanspruchnahme
von Altersteilzeitvereinbarungen hält es die Kommission für richtig, dass Anstalten die
Tarifverträge zur Altersteilzeit gekündigt haben.
Tz. 577
Zulagen bzw. Zuschläge für Dienste zu ungünstigen Zeiten werden nur noch für Nachtarbeiten
und Arbeiten an Sonn- und Feiertagen gewährt. Dabei sehen einzelne Anstalten (RB, RBB, beim
NDR pauschale Abgeltung in VG 3) diese Zuschläge für höhere Vergütungsgruppen noch vor.
Die Kommission empfiehlt den Anstalten eine Lösung, die sich an der kostengünstigsten Einzellösung
orientiert.
Tz. 578
Nebentätigkeiten von Mitarbeitern der Anstalten sind i.d.R. tarifvertraglich geregelt. Nicht alle
Anstalten erfassen die genehmigten Nebentätigkeiten systematisch und haben damit eine Übersicht
über Anzahl und Umfang der Genehmigungen und zugleich über mögliche Rückwirkungen
auf die Hauptbeschäftigung.
Die Kommission hält die Erfassung genehmigungs- oder anzeigepflichtiger Nebentätigkeiten
und die regelmäßige Auswertung von deren Inanspruchnahme bei allen Anstalten für geboten.
3.1.5 Personalplanung
Tz. 579
Alle Anstalten verfügen nach eigenen Angaben über Personalplanungsinstrumente, die mittel-
bis langfristige Zeiträume umfassen. Dabei wird das Potenzial des internen Arbeitsmarkts
in unterschiedlicher Form erschlossen (z.B. durch interne Stellenausschreibungen, Erfassung von
Veränderungswünschen, Entwicklungsgespräche mit Mitarbeitern). Allerdings erfolgt die Erfassung
und Nutzung von Mitarbeiterpotenzialen nicht in allen Anstalten flächendeckend. Einzelne
Anstalten sehen hier Verbesserungsmöglichkeiten und beabsichtigen die Vernetzung vorhandener
Daten.
Die Kommission empfiehlt, die Erfahrungen aus systematischer Erfassung und vernetzter Nutzung
der Daten zum Mitarbeiterpotenzial anstaltsübergreifend auszutauschen.
Tz. 580
Ebenso erfolgt nicht bei allen Anstalten eine systematische Fehlzeitenanalyse, um Maßnahmen
zur Reduzierung von Fehlzeiten einleiten zu können.
Die Kommission erachtet die systematische Fehlzeitenanalyse zur Erfassung individueller Einwirkungserfordernisse
wie zur Identifizierung allgemeinen Handlungsbedarfs als unverzichtbaren
Baustein wirtschaftlichen Personalmanagements.
3.1.6 Auslagerung von Aufgaben bzw. Vergabe an Dritte
Tz. 581
Bis auf das Deutschlandradio, das mit dem ZDF kooperiert, bevorzugen die Anstalten für ihre Gehalts-
und Honorarabrechnungen hauseigene Lösungen. Einige Anstalten haben zur Effizienzsteigerung
und Hebung von Synergieeffekten die Abrechnungsstellen für feste und freie Mitarbeiter
zusammengeführt.
Rationalisierungspotenzial könnte namentlich für kleinere Anstalten in der Kooperation mit anderen
bei der Abrechung von Gehältern und Honoraren liegen, während bei größeren Anstalten
zusätzliche Skaleneffekte kaum zu erwarten sein dürften.
Tz. 582
Reisebüroaufgaben lassen die Anstalten inzwischen extern wahrnehmen, jedoch in unterschiedlichem
Umfang. So nimmt etwa das ZDF Kernfunktionen aus Kostengründen weiterhin selbst
wahr. Der WDR beabsichtigt, die Bearbeitung von Dienstreisen auf ein vernetztes digitales Verfahren
umzustellen.
Das Vorhaben des WDR verspricht eine Straffung des Verfahrens und könnte für andere Anstalten
beispielgebend sein.
Tz. 583
Reisekostenabrechungen nehmen die Anstalten hingegen weitgehend im eigenen Hause wahr.
Nur der WDR hat seine Reisekostenabrechnungen einem privaten Dienstleister übertragen; das
Deutschlandradio lässt seine Reisekostenabrechnungen vom ZDF erledigen.
Bis auf den SR, der die Bestimmungen für Angestellte und Arbeiter des Öffentlichen Dienstes anwendet
und deshalb nur noch in sehr begrenztem Umfang Beihilfen gewährt, haben die Anstalten
die Beihilfebearbeitung an Dritte vergeben.
Für die Unterhaltung und Bewirtschaftung der Betriebsstätten bedienen sich die Anstalten in
unterschiedlichem Umfang Dritter, nur WDR und Deutschlandradio haben diese Aufgaben vollständig
an Tochterunternehmen abgegeben. Einige Anstalten prüfen derzeit eine Fremdvergabe
weiterer Teilaufgaben.
Bis auf RB unterhalten alle Anstalten Kasino- bzw. Kantinenbetriebe, die sie i.d.R. verpachtet
haben. Veränderungen sind nur beim SWR geplant, dort sollen zwei Kantinen zusammengelegt
werden.
Die Kommission sieht in den dargestellten unterschiedlichen Formen von Aufgabenwahrnehmung
Anlass für den anstaltsübergreifenden Erfahrungsaustausch (Best Practice) und anstaltsbezogene
Überprüfungen anhand der kostengünstigsten Lösung (Benchmarking), inwieweit jeweils Rationalisierungspotenzial
in der Kooperation mehrerer Anstalten bzw. in der Fremdvergabe besteht.
3.1.7 Weitere Maßnahmen in der Personalwirtschaft
Tz. 584
Alle Anstalten praktizieren im Interesse der Effizienzverbesserung ein Controlling in der Personalwirtschaft,
einige planen den weiteren Ausbau bzw. die Verfeinerung ihrer Instrumente, z.B.
hinsichtlich der Personalbedarfsplanung.
Die Anstalten haben des weiteren ausgeführt, dass sie der Einführung übergreifender Personalentwicklungs-
und Fortbildungsinstrumente einen hohen Stellenwert einräumen und deshalb
zur Erschließung von Kostensenkungspotenzialen die Fortbildungseinrichtungen SRT und ZFP zur
ARD/ZDF Medienakademie zusammengeführt haben.
Die ARD-Anstalten haben erklärt, dass sie den eingeleiteten Prozess zur Weiterentwicklung ihrer
Organisations- und Arbeitsstrukturen in den nächsten Jahren konsequent fortsetzen und weiter
ausbauen.
Tz. 585
Die vorstehende Zusammenstellung der mitgeteilten Instrumente und Maßnahmen zeigt, dass die
Anstalten zur Modernisierung ihrer Personalwirtschaft auf wesentlichen Feldern tätig sind, Untersuchungen
angestellt und in unterschiedlichem Umfang vielfältige Maßnahmen zur Erhöhung ihrer
Flexibilität, zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und zur Kostendämpfung ergriffen bzw. bereits
realisiert haben. Die Darstellung macht zugleich aber auch deutlich, dass die Anstalten noch nicht
alle Rationalisierungspotenziale ausgeschöpft haben.
Vor allem die ARD-Anstalten und das ZDF bleiben aufgefordert, insbesondere unter Orientierung
an bei einzelnen Anstalten bereits vorliegenden Erfahrungen bisher noch nicht realisiertes Rationalisierungs-
und Einsparpotenzial frühzeitig zu mobilisieren und finanzbedarfsmindernd einzusetzen.
3.2 Verwaltungskosten
- Die Verwaltungskostenquote aller Anstalten weist im Vergleich zum 15. Bericht keine Auffälligkeiten auf.
- Im Bereich Honorare und Lizenzen haben die Anstalten Umstrukturierungsprozesse eingeleitet, um den durch die neuen Nutzungsarten wie Online, Multi-Media-Dienste und neue Programme gestiegenen Mehraufwand an Personal zu kompensieren. Die eingeleiteten Maßnahmen müssen fortgeführt werden.
3.2.1 Anteil der Verwaltungskosten an den Gesamtaufwendungen
Tz. 586
Die Kommission hat im 15. Bericht festgestellt, dass bei den Verwaltungskosten die Bemühungen
der Anstalten um mehr Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit erkennbar sind. Deshalb werden die
Verwaltungskosten nicht mehr im Einzelnen betrachtet, sofern keine deutlichen Aufwandssteigerungen
auftreten. Für die Verwaltungskosten wird keine mittelfristige Planung erstellt, deshalb ist
nur eine jährliche Betrachtung der Ist-Zahlen möglich.
| Jahr | ARD | ZDF | DRadio |
|---|---|---|---|
| 2001 | 4,1 | 3,5 | 5,4 |
| 2002 | 4,1 | 3,4 | 5,0 |
| 2003 | 3,9 | 3,6 | 4,7 |
| 2004 | 3,8 | 3,3 | 4,6 |
| 2005 | 3,9 | 3,3 | 4,6 |
| 2006 | 3,7 | 3,0 | 4,6 |
| Durchschnitt 2001-2006 16. Bericht | 3,9 | 3,4 | |
| Durchschnitt 2001-2005 15. Bericht | 3,9 | 3,4 | 4,9 |
Tz. 587
Der Durchschnitt der Verwaltungskostenquote der Anstalten weist im Jahr 2006 im Vergleich zum
15. Bericht keine größeren Auffälligkeiten aus. Die ARD weist im Hinblick auf die Quotenermittlung
darauf hin, dass bei den Verwaltungskosten strukturelle Unterschiede zwischen Hörfunk und Fernsehen
bestehen (vgl. dazu auch 15. Bericht, Band 2, Tz. 608).
3.2.2 Anstaltsübergreifendes Benchmark Honorare und Lizenzen
Tz. 588
Im Bereich Honorare und Lizenzen wurden bereits zum 14. Bericht in einer vergleichenden Untersuchung
zwischen BR, NDR und WDR Möglichkeiten der Kostenreduzierung überprüft. Die Kommission
empfahl den Anstalten, die Untersuchung unter Einbeziehung aller Anstalten fortzusetzen;
diese lag zum 15. Bericht vor.
Die Anstalten führten aus, dass neben den laufenden Optimierungen der EDV-gestützten internen
Verfahren das Thema "Datenbank für Rechteverwaltung" stark in den Vordergrund gerückt sei.
Grund hierfür seien einerseits die durch digitale Produktionsmethoden und veränderte Sehgewohnheiten
sich deutlich abzeichnende Kleinteiligkeit und Schnelligkeit der Schnittfolge in Produktionen.
Eine Folge davon sei eine immer komplexere Rechteprüfung und Rechteinformation. Hierzu
kämen ständig neue Programmnutzungen, die sich aus den digitalen Möglichkeiten ergäben und
deren verstärkte Kontrolle, Prüfung und Dokumentation. Hierbei komme den Bereichen Honorare
und Lizenzen sowie Dokumentation und Archive eine Schlüsselfunktion zu. Sie führen aus, dass der
Arbeitsaufwand weiter zunehmen werde, nicht zuletzt auch durch Rechteklärungen und Honorarverträge
im Online-Bereich.
Die Anstalten gehen nicht davon aus, dass es in den nächsten Jahren in diesen Bereichen zu einem
weiteren Personalabbau kommen könne. Sie seien bestrebt, mit dem vorhandenem Personalbestand
und entsprechenden Rationalisierungsmaßnahmen die anfallenden zukünftigen Aufgaben zu
bewältigen.
Das ZDF hat bereits im 15. Bericht auf die höheren Personalkosten durch die gestiegenen Anforderungen
im Bereich Honorare und Lizenzen hingewiesen. Diesem leichten Anstieg bei den Personalkosten
stehen gesunkene Sachfremdkosten gegenüber. Ein weiteres Ansteigen der Personalkosten
soll durch strukturelle Veränderungen verhindert werden, eine Aussage zu den erwarteten Synergieeffekten
könne jedoch noch nicht getroffen werden.
3.2.3 Bewertung durch die Kommission
Tz. 589
Die Aussage der Kommission im 15. Bericht, die Bemühungen der Anstalten um mehr Wirtschaftlichkeit
bei den Verwaltungskosten seien erkennbar, bestätigt sich auch für den 16. Bericht.
Die Kommission erwartet von den Anstalten im Bereich Honorare und Lizenzen die technischen und
strukturellen Veränderungen weiterzuentwickeln, um die Möglichkeiten von Wirtschaftlichkeit und
Sparsamkeit besser auszuschöpfen.
Bei der Einzelbetrachtung der Abteilungen Honorare und Lizenzen zeigt sich,
dass der Kostenanstieg - insbesondere aus den Jahren 2003 und 2004 - durch organisatorische und strukturelle Veränderungen
aufgehalten werden konnte. Die Kommission hält es angesichts der immer komplexer
werdenden Aufgaben in diesem Bereich für notwendig, die EDV-gestützten internen Verfahren
weiterzuentwickeln wie auch die Organisationsabläufe zur Verhinderung eines personellen Mehrbedarfs
zu optimieren. Sie erwartet hierzu den Bericht der Anstalten bis Dezember 2008.
3.3 Marketingaufwendungen und Sonstige Kommunikationsaufwendungen
- Alle Anstalten der ARD, ZDF und Deutschlandradio haben bestätigt, dass die Zuordnung der Marketing- und Sonstigen Kommunikationsaufwendungen gemäß Leitfaden zur Abfrage der Marketing- und Kommunikationsaufwendungen erfolgte und keine Marketingleistungen im Programmaufwand und bei den Tochtergesellschaften enthalten seien.
- Für den Zeitraum 2005-2012 verzeichnet die ARD eine Absenkung der Kosten für die Sachaufwendungen Marketing von 2 Mio. Euro, die Personalaufwendungen erhöhen sich um 6,5 Mio. Euro. Die Sonstigen Kommunikationsaufwendungen steigen in diesem Zeitraum inkl. Personalkosten um 14,7 Mio. Euro. Bei den Werbegesellschaften und Gegengeschäften erhöhen sich die Kosten gegenüber der Anmeldung zum 15. Bericht um insgesamt 18,1 Mio. Euro, dies ist ein jährlicher Anstieg von 2,7 %. In der Gesamtsumme erhöhen sich die Marketingaufwendungen und Sonstigen Kommunikationsaufwendungen der ARD im Zeitraum 2005-2012 allerdings nur um 0,6 % jährlich. Es ist festzustellen, dass die im 15. Bericht angekündigten Einsparungen bei den Sachaufwendungen des Marketing- und Kommunikationsaufwands durch Erhöhung anderer Positionen reduziert werden.
- Das ZDF hat eine Vergleichbarkeit bei der Zuordnung der Aufwendungen mit der ARD hergestellt. Zudem wurde den Anregungen des Rechnungshofs Rheinland-Pfalz aus der Prüfung des ZDF hinsichtlich der Kostenzuordnung entsprochen. Die Marketingaufwendungen und Sonstigen Kommunikationsaufwendungen gehen für den Zeitraum 2005-2012 insgesamt etwas zurück.
- Das Deutschlandradio meldet für den Zeitraum 2009-2012 leicht rückläufige Kosten bei den Sonstigen Kommunikationsaufwendungen an und plant kostenbewusste Personalaufwendungen. Von den erneut angemeldeten Sondermitteln in Höhe von 12 Mio. Euro für die Fortführung der Frequenzbewerbung für den Zeitraum 2009-2012 erkennt die Kommission 6 Mio. Euro für die Jahre 2009-2010 an.
- Bei ARTE erhöhen sich die Marketingaufwendungen und Sonstigen Kommunikationsaufwendungen durch einen Gesellschafterbeschluss für Werbemaßnahmen des neuen Programms im Jahr 2006 um 0,5 Mio. Euro. Für die Planung 2009-2012 ergeben sich keine signifikanten Veränderungen.
Tz. 590
Die Kommission hat die Anstalten im 15. Bericht aufgefordert zu überprüfen, ob die Marketingund
Sonstigen Kommunikationsaufwendungen gemäß dem zum 15. Bericht erstellten neuen Leitfaden
zugeordnet und erfasst worden sind. Alle Anstalten der ARD sowie ZDF und Deutschlandradio
haben mitgeteilt, dass die Zuordnung dieser Kosten gemäß Leitfaden zur Abfrage der Marketingund
Kommunikationsaufwendungen nun lückenlos erfolge und keine Marketingleistungen im
Programmaufwand und bei den Tochtergesellschaften enthalten seien.
Tz. 591
Im 15. Bericht hat die Kommission die Anstalten ebenfalls aufgefordert, eine ausgereifte, transparente
und nachvollziehbare Konzeption zur Beurteilung des kooperativen Marketings vorzulegen,
die auf Kooperation, Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit ausgerichtet und in der Umsetzung belegbar
ist. Die entsprechenden Aussagen dazu sind in der nachfolgenden Darstellung der Anstalten aufgeführt worden. Für den 16. Bericht wurden auch das ZDF und das Deutschlandradio gebeten,
eine eigene Stellungnahme zu Kosten und Nutzen ihrer Marketingaktivitäten abzugeben.
Tz. 592
Seit dem 15. Bericht erfassen alle Anstalten die Aufwendungen nach einem abgestimmten Leitfaden.
Tz. 593
Die Aufwendungen für Marketing und Sonstige Kommunikation bei den Entwicklungsprojekten
werden - soweit vorhanden - bei den Projekten direkt ausgewiesen und fließen nicht in diese Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
mit ein.
Tz. 594
Im Bericht werden die Marketing- und die Sonstigen Kommunikationsaufwendungen gemäß den
Anmeldungen der Anstalten zum 16. Bericht im Vergleich zu den Feststellungen des 15. Berichts
dargestellt. Bei ARTE liegen für den 16. Bericht erstmals mittelfristige Daten vor, deshalb werden
nur die Veränderungen zwischen 2005-2008 und den Planzahlen 2009 und 2012 dargestellt. Der
Personalaufwand (inkl. Altersversorgung) für die Marketing- und die Sonstigen Kommunikationsaufwendungen
wie auch der Aufwand der Werbegesellschaften und Gegengeschäfte werden
nachrichtlich aufgeführt.
3.3.1 Darstellungen der Anstalten
Tz. 595
ARD
Für den Zeitraum 2005-2008 wurde im 15. Bericht der Anteil der Marketing- und der Sonstigen
Kommunikationsaufwendungen inkl. anteiliger Personalkosten mit 375,7 Mio. Euro bzw. mit 1,6 %
am Gesamtaufwand ausgewiesen.
| 15. Bericht 2005-2008 |
16. Bericht 2005-2008 |
Abweichung 15. Bericht |
16. Bericht Plan 2009-20128 |
Veränderung zum 15. Bericht |
|
|---|---|---|---|---|---|
| Marketingaufwendungen | 239,5 | 229,4 | - 10,2 | 237,5 | - 2,0 |
| in % zum Gesamtaufwand (Selbstbindung) | 1,0 | 1,0 | 0,9 | ||
| Sonst. Kommunikationsaufwendungen | 74,6 | 79,6 | 5,0 | 85,6 | 11,0 |
| Summe | 314,1 | 309,0 | - 5,1 | 323,1 | 9,0 |
| in % zum Gesamtaufwand | 1,3 | 1,3 | 1,3 | ||
| Personalaufwand inkl. AV | 61,6 | 64,5 | 2,9 | 71,8 | 10,2 |
| Gesamtsumme | 375,7 | 373,5 | - 2,2 | 394,9 | 19,2 |
| in % zum Gesamtaufwand | 1,6 | 1,6 | 1,6 | ||
| nachrichtlich: | |||||
| Werbegesellschaften | 74,5 | 83,6 | 9,1 | 91,7 | 17,2 |
| Gegengeschäfte | 10,2 | 11 | 0,8 | 11,1 | 0,9 |
| Summe | 84,7 | 94,6 | 9,9 | 102,8 | 18,1 |
| Gesamtsumme | 460,4 | 468,1 | 7,7 | 497,7 | 37,3 |
| in % zum Gesamtaufwand | 1,9 | 2,0 | 2,0 | ||
| Gesamtaufwand | 23.825,0 | 23.693,0 | 25.402,3 | ||
Die ARD weist im Zeitraum 2005-2008 im Vergleich zum 15. Bericht Kostenreduzierungen bei den Sachaufwendungen Marketing in Höhe von 10,2 Mio. Euro aus. In der Planung über den gesamten Zeitraum 2005 -2012 ergibt sich im Vergleich mit dem 15. Bericht eine Reduzierung von 2,0 Mio. Euro. Dies entspricht einem jährlichen Rückgang von 0,1 %.
Die Personalaufwendungen beim Marketing erhöhen sich im Zeitraum 2005-2008 um 3,1 Mio. Euro, bis 2012 um 6,5 Mio. Euro. Die Anstalten haben die Erhöhung begründet.
Die Abweichung der Sonstigen Kommunikationsaufwendungen für den Zeitraum 2005 -2008 zwischen der Anmeldung zum 15. KEF-Bericht (74,6 Mio. Euro) und der Anmeldung zum 16. KEF-Bericht (79,6 Mio. Euro) beträgt 5 Mio. Euro. Für 2009-2012 erhöhen sich die Sonstigen Kommunikationsaufwendungen um 6 Mio. Euro (85,6 Mio. Euro). Damit ergibt sich über den gesamten Zeitraum 2005-2012 im Vergleich mit dem 15. Bericht eine Erhöhung von 11 Mio. Euro. Diese Erhöhungen sind im Wesentlichen mit Umstrukturierungen sowie mit der Neuerfassung der Sachaufwendungen des Marketings und der Sonstigen Kommunikation der Programmdirektion Erstes Deutsches Fernsehen begründet. Die Veränderungen bei den Personalkosten ergeben sich aus der Fortschreibung der Kosten.
Bei den Aufwendungen der Werbegesellschaften ergibt sich im Zeitraum 2005-2008 eine Erhöhung zwischen der Anmeldung zum 15. KEF-Bericht (74,5 Mio. Euro) und der Anmeldung zum 16. KEFBericht (83,6 Mio. Euro) um 9,1 Mio. Euro. Dieser Anstieg wird mit der zusätzlichen Bewerbung von Hörfunkprogrammen, Wellenpromotion und der Beauftragung eines Callcenters begründet.
Es ist darauf hinzuweisen, dass sich bei RB, MDR, BR und NDR die Aufwendungen um insgesamt 4,1 Mio. Euro. verringert haben.
Bei den Werbegesellschaften und Gegengeschäften erhöhen sich die Aufwendungen von 2009- 2012 um weitere 8,2 Mio. Euro. Dies ergibt für den gesamten Betrachtungszeitraum 2005-2012 eine Erhöhung von 18,1 Mio. Euro.
Die ARD weist bei einer Quotenbildung in Relation zum Gesamtaufwand auf strukturelle Unterschiede zwischen Hörfunk und Fernsehen hin: Zum einen müssten aufgrund der Struktur des Hörfunks entsprechend regional differenzierte Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen durchgeführt werden. Darüber hinaus würden beim Fernsehen die Aufwendungen für Marketing und Sonstige Kommunikation in Relation zu vergleichsweise hohen Gesamtaufwendungen (insbesondere Programmkosten für Film- und Sportrechte) gesetzt. Dies habe zur Folge, dass die Quote im Fernsehen tendenziell niedriger sei. Anders verhalte es sich beim Hörfunk. Die Gesamtaufwendungen für den Hörfunk seien vergleichsweise deutlich niedriger, woraus eine entsprechend höhere Quote resultiere.
Tz. 596
ZDF
Für den Zeitraum 2005-2008 wurden im 15. Bericht der Anteil der Marketing- und der Sonstigen
Kommunikationsaufwendungen inkl. anteiliger Personalkosten mit 142,1 Mio. Euro bzw. mit 1,8 %
am Gesamtaufwand ausgewiesen.
| 15. Bericht 2005-2008 |
16. Bericht 2005-2008 |
Abweichung 15. Bericht |
16. Bericht Plan 2009-20128 |
Veränderung zum 15. Bericht |
|
|---|---|---|---|---|---|
| Marketingaufwendungen | 66,8 | 60,0 | - 6,8 | 64,3 | - 2,5 |
| in % zum Gesamtaufwand (Selbstbindung) | 0,9 | 0,9 | 0,8 | ||
| Sonst. Kommunikationsaufwendungen | 34,8 | 25,7 | - 9,1 | 29,9 | - 4,9 |
| Summe | 101,6 | 85,7 | - 15,9 | 94,2 | - 7,4 |
| in % zum Gesamtaufwand | 1,3 | 1,1 | 1,2 | ||
| Personalaufwand inkl. AV | 40,5 | 36,7 | - 3,8 | 40,5 | 0,0 |
| Gesamtsumme | 142,1 | 122,4 | - 19,7 | 134,7 | - 7,4 |
| in % zum Gesamtaufwand | 1,8 | 1,6 | 1,7 | ||
| Gesamtaufwand | 7.692,1 | 7.569,8 | 8.132,5 |
Das ZDF hat bei der Definition der Selbstbindung für das Marketing in der Anmeldung zum 16. Bericht eine Vergleichbarkeit mit der ARD hergestellt und entsprechend die Aufwendungen für Trailer nicht mehr berücksichtigt. Weiterhin wurden die Anregungen des Rechnungshofes Rheinland-Pfalz aufgegriffen, Marketingaufwendungen, die aus kostenrechnerischen Gründen anderen Bereichen des Hauses zugeordnet worden sind, direkt den Marketingaufwendungen zuzurechnen. Dies bezog sich insbesondere auf die Vorsteuern.
Die Marketing- und Sonstigen Kommunikationsaufwendungen für den Zeitraum 2005-2008 gehen inkl. Personalkosten um 19,7 Mio. Euro zurück. Für 2009-2012 ergibt sich eine Verringerung von 7,4 Mio. Euro, die Planung bewegt sich auf dem Niveau von 1,2 % zum Gesamtaufwand.
Werden die Personalkosten gesondert betrachtet, gehen sie im Zeitraum 2005-2008 um 3,8 Mio. Euro zurück. In der Planung für die Jahre 2009-2012 bleibt die Höhe dieser Aufwendungen gegenüber der vorherigen Gebührenperiode (15. Bericht) unverändert.
Tz. 597
Deutschlandradio
Im 15. Bericht wurde für den Zeitraum 2005-2008 der Anteil an den Marketing- und Sonstigen Kommunikationsaufwendungen
inkl. anteiliger Personalaufwendungen mit 40,3 Mio. Euro bzw. 4,9 %
am Gesamtaufwand ausgewiesen.
In dieser Summe waren auch die von der Kommission im 14. Bericht genehmigten Sondermittel für
die Öffentlichkeitsarbeit (Frequenzbewerbung) im Umfang von 12,0 Mio. Euro
enthalten.
In der Anmeldung zum 16. Bericht hat das Deutschlandradio erneut Sondermittel für die zusätzliche
Frequenzbewerbung in Höhe von 12 Mio. Euro für den Zeitraum 2009-2012 beantragt. Als Begründung
verweist Deutschlandradio auf seinen gesetzlichen Auftrag, die Bekanntheit des nationalen
Hörfunks und seiner beiden Programme nachhaltig zu steigern und über die wachsenden Empfangsmöglichkeiten
zu informieren. Die staatsvertragliche Regelung vom 1. April 2005, dass ARD
und ZDF das Deutschlandradio beim Image- und Programmmarketing durch entsprechende Spots
in den Fernsehprogrammen zur breiteren Bekanntmachung des Sendernetzausbaus unterstützen,
würde erst seit dem 1. Juli 2007 vom ZDF und ab dem 1. Oktober 2007 von der ARD erfüllt.
| 15. Bericht 2005-2008 |
16. Bericht 2005-2008 |
Abweichung 15. Bericht |
16. Bericht Plan 2009-20128 |
Veränderung zum 15. Bericht |
|
|---|---|---|---|---|---|
| Marketingaufwendungen | 13,9 | 13,9 | 0,0 | 13,5 | - 0,4 |
| in % zum Gesamtaufwand (Selbstbindung) | 1,7 | 1,7 | 1,5 | ||
| Sonst. Kommunikationsaufwendungen | 11,1 | 11,3 | 0,2 | 11,8 | 0,7 |
| Summe | 25,0 | 25,2 | 0,2 | 25,3 | 0,3 |
| in % zum Gesamtaufwand | 3,0 | 3,1 | 2,8 | ||
| Summe Personalaufwendungen für Marketing- und Sonstige Kommunikation |
3,3 | 3,1 | - 0,3 | 3,3 | - 0,1 |
| Gesamtsumme | 28,3 | 28,3 | - 0,1 | 28,6 | 0,3 |
| in % zum Gesamtaufwand | 3,4 | 3,4 | 3,0 | ||
| zusätzliche Sondermittel für Marketing* | 11,2 | 10,9 | 12,0 | ||
| Sondermittel Personalaufwand Marketing und Sonstige Kommunikation |
0,8 | 0,8 | 0,0 | 0,0 | |
| Summe Sondermittel | 12,0 | 11,7 | 12,0 | ||
| in % zum Gesamtaufwand | 1,4 | 1,4 | 1,3 | ||
| Gesamtsumme inkl. Sondermittel | 40,3 | 40,0 | 40,6 | 0,3 | |
| in % zum Gesamtaufwand | 4,9 | 4,9 | 4,5 | ||
| Gesamtaufwand | 828,3 | 821,2 | 903,6 |
* genehmigte Sondermittel für den Zeitraum 2005-2008; angemeldete Sondermittel für den Zeitraum 2009-2012
Die Marketing- und Sonstigen Kommunikationsaufwendungen beim Deutschlandradio belaufen sich inkl. Personalaufwendungen im Zeitraum 2005-2008 auf 28,3 Mio. Euro. und betragen 3,4 % des Gesamtaufwands. Mit den genehmigten Sondermitteln weist das Deutschlandradio für den genannten Zeitraum 4,9 % des Gesamtaufwands aus. Für die Jahre 2009-2012 hat das Deutschlandradio erneut Sondermittel in Höhe von 12,0 Mio. Euro angemeldet; der Gesamtaufwand für Marketing und Sonstige Kommunikation inkl. Personalkosten würde damit 4,5 % des Gesamtaufwandes betragen. Ohne diese Sondermittel erreicht die Planung von Deutschlandradio für 2009-2012 eine Quote von insgesamt 3 % am Gesamtaufwand.
Durch die geänderte Ausweisungsart der Sondermittel (keine Untergliederung mehr in Sach- und Personalkosten) ergibt sich in der neuen Gebührenperiode eine Verschiebung zwischen den Personalaufwendungen und den Marketing- und Sonstigen Kommunikationsaufwendungen.
Tz. 598
ARTE
Im 15. Bericht wurden die Marketing- und Sonstigen Kommunikationsaufwendungen für das Jahr
2005 erstmals dargestellt und sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar. Ab dem 16. Bericht liegt
auch für ARTE die mittelfristige Wirtschaftsplanung vor.
| 15. Bericht 2005 |
16. Bericht 2005-2008 |
16. Bericht Plan 2009-2012 |
Veränderung zu 2005-2008 |
|
|---|---|---|---|---|
| Marketingaufwendungen | 2,1 | 9,0 | 9,1 | 0,05 |
| in % zum Gesamtaufwand | 1,4 | 1,6 | 1,4 | |
| Sonstige Kommunikationsaufwendungen | 0,9 | 3,7 | 3,9 | 0,2 |
| in % zum Gesamtaufwand | 0,6 | 0,6 | 0,6 | |
| Gesamtsumme | 3,0 | 12,7 | 12,9 | + 0,2 |
| in % zum Gesamtaufwand | 2,0 | 2,2 | 2,1 | |
| Gesamtaufwand | 148,7 | 568,1 | 626,7 |
Die Betrachtung zeigt einen Anstieg der Marketingaufwendungen im Zeitraum 2005-2008 gegenüber dem Jahr 2005. Grund hierfür ist ein Beschluss der Gesellschafterversammlung von ARTE, wonach die Marketingaufwendungen im Jahr 2006 um 500 T Euro zur Bewerbung des neuen Programmschemas erhöht wurden. In der Fortschreibung der Planung bis 2012 ergeben sich sowohl für die Marketing- als auch für die Sonstigen Kommunikationsaufwendungen keine wesentlichen Veränderungen.
Tz. 599
Grundzüge für ein kooperatives Marketing
Die Kommission bat im 15. Bericht, Band 2, Tz. 622, zur Beurteilung des kooperativen Marketings
um eine ausgereifte, transparente und nachvollziehbare, zwischen den Anstalten abgestimmte
Konzeption, die auf Kooperation, Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit ausgerichtet und in der Umsetzung
belegbar ist.
Nachdem im 15. Bericht von den Anstalten die Grundzüge für ein kooperatives Marketing generell
beschrieben worden sind, haben die Anstalten zum 16. Bericht an Beispielen dargelegt, wie sie
kooperatives Marketing umsetzen.
Tz. 600
Kosten-Nutzen-Analyse
Im 15. Bericht wurden die Marketingziele und die Kosten-Nutzen-Analyse der ARD mit den damit
verbundenen Messmethoden dargestellt.
Den entsprechenden Bericht erstellte das ZDF für den 16. Bericht und bezog sich in seinen Ausführungen
auch auf die Analyse des Rechnungshofes Rheinland-Pfalz, der für die Jahre 2002-2004 die
Marketingaktivitäten des ZDF eingehend untersuchte und das System der Erfolgskontrolle beschrieb.
Tz. 601
Beim Deutschlandradio wurden in den Jahren 1998-2000 ausführliche Kommunikationspläne entwickelt,
die als Grundlagen der Marketingarbeit der Anstalt dienen. Diese Pläne werden in der Praxis
kontinuierlich fortentwickelt.
Nach einer im Jahr 2004 durchgeführten umfassenden Evaluation der Kommunikationsarbeit des
Deutschlandradios durch das Institut für Kommunikations- und Medienwirtschaft der Universität
Leipzig erfolgte eine Bestandsaufnahme und Bewertung der Kommunikationsinstrumente des nationalen
Hörfunks. Das Gutachten bilanzierte eine vielseitige und differenzierte Kommunikation, die
auf verschiedenen Ebenen wirkt.
3.3.2 Bewertung durch die Kommission
Tz. 602
Alle Anstalten der ARD sowie ZDF und Deutschlandradio haben auf Anfrage der Kommission mitgeteilt,
dass die Zuordnung der Marketing- und der Sonstigen Kommunikationsaufwendungen gemäß
dem Leitfaden zur Abfrage der Marketing- und Kommunikationsaufwendungen erfolgt und keine
Marketingleistungen mehr im Programmaufwand enthalten seien.
Tz. 603
Zu dem Hinweis der ARD auf die strukturellen Unterschiede zwischen Hörfunk und Fernsehen erwartet
die Kommission eine fundierte Untersuchung zum nächsten Bericht.
Tz. 604
Bei den Anstalten der ARD ergeben sich beim Aufwand für Marketing und Kommunikation aufgrund
struktureller Anpassungen veränderte Kostenrechnungen.
Bei den Aufwendungen für die Werbegesellschaften der ARD ergibt sich im Zeitraum 2005-2012 ein
jährlicher Zuwachs von 2,7 % oder 18,1 Mio. Euro. Auch wenn darauf hinzuweisen ist, dass Gegengeschäfte
nicht ausgabenwirksam sind, bleibt festzustellen, dass die im 15. Bericht angekündigten
Kosteneinsparungen bei den Werbegesellschaften und Gegengeschäften in Höhe von 2,9 Mio. Euro
nicht realisiert wurden.
Die Gesamtsumme der Marketingaufwendungen und Sonstigen Kommunikationsaufwendungen
der ARD erhöhen sich im Zeitraum 2005-2012 jährlich um 0,6 %.
Tz. 605
Beim ZDF gehen die Marketing- und Sonstigen Kommunikationsaufwendungen mit - 7,4 Mio. Euro
für den Zeitraum 2009-2012 gegenüber der Vorperiode (15. Bericht) leicht zurück. Durch die neuen
Kostenzuordnungen, die das ZDF auf Anregungen der Kommission und des Rechnungshofs Rheinland-
Pfalz vorgenommen hat, ist eine bessere Vergleichbarkeit mit den anderen Anstalten gegeben.
Tz. 606
Beim Deutschlandradio entwickeln sich die Aufwendungen für Sonstige Kommunikation gegenüber
den Planungen zum 15. Bericht leicht rückläufig; die Personalaufwendungen sind kostenbewusst
geplant.
Wie für die laufende Gebührenperiode hat das Deutschlandradio auch für den Zeitraum 2009-2012
Sondermittel für Werbemaßnahmen im Frequenzbereich in Höhe von 12 Mio. Euro beantragt. Die
staatsvertragliche Regelung mit dem Inkrafttreten zum 1. April 2005 zur gegenseitigen Bewerbung
von ARD/ZDF und Deutschlandradio wird seit dem 1. Juli 2007 vom ZDF und ab dem 1. Oktober
2007 von der ARD umgesetzt.
Das Konzept der Werbung sah wegen der Vielzahl der Frequenzen des Deutschlandradios (ca.
300) vor, dass ARD und ZDF durch Werbespots die allgemeine Bekanntmachung dieses nationalen
Hörfunksenders und seiner Programminhalte leistet und das Deutschlandradio dann in der jeweiligen
Region die Frequenzbewerbung vornimmt. Durch die eingetretenen Verzögerungen bei ZDF
und ARD erkennt die Kommission die Finanzierung der Weiterführung dieser staatsvertraglichen
Regelung bis 2010 mit 6 Mio. Euro an.
Tz. 607
Grundzüge für ein kooperatives Marketing
Die von den Anstalten vorgelegten Beispiele von gemeinsamen Marketingmaßnahmen zeigen die
Bereitschaft der Anstalten, projektbezogen erfolgreich zusammenzuarbeiten. Die Kommission ist
der Auffassung, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in der Zukunft stärker ihren
Auftrag, den sie gemeinsam umzusetzen haben, in die Öffentlichkeit rücken müssen. Deshalb ist
es gerade bei Marketingmaßnahmen außerordentlich wichtig, anstaltsübergreifend und abgestimmt
zu agieren. Es sind weitere Anstrengungen zu unternehmen, um auf der Grundlage der
Kooperationserfahrungen eine tragfähige, inhaltliche und umsetzbare Konzeption zwischen ARD,
ZDF, Deutschlandradio und auch ARTE zu entwickeln. Die Kommission erwartet hierzu einen ersten
Bericht bis Oktober 2008.
Tz. 608
Kosten-Nutzen-Analyse
Der Bericht des ZDF über die Marketingziele und die Erfolgskontrollen ist für die Kommission nachvollziehbar.
Das Deutschlandradio hat in seinem Beitrag die Marketinggrundlagen und die sich daraus
ergebenden Ziele beschrieben und deren Nutzung beispielhaft dargestellt. Die Kommission regt
an, dass das Deutschlandradio ebenfalls sog. Erfolgskontrollen durchführt. Sie hält es auch bei den
Marketingzielen wie bei der dazugehörenden Kosten-Nutzen-Analyse für außerordentlich wichtig,
dass ein Erfahrungsaustausch zwischen den Anstalten stattfindet und somit zum Nutzen der Anstalten
Synergien erzeugt werden können. Sie erwartet hierzu eine Stellungnahme zum 17. Bericht.
3.4 Outsourcing
- Die Kommission verzichtet aufgrund der nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung der Outsourcingmaßnahmen zum Gebäudemanagement des WDR auf weitere detaillierte Fortschreibungen.
- Die Fortschreibung der Outsourcingmaßnahmen des MDR und SWR wurde mit den Prognosen zur Wirtschaftlichkeit für den Planungszeitraum 2005-2012 aktualisiert.
-
Zur Sicherstellung der Transparenz in der wirtschaftlichen und sparsamen Führung von Beteiligungen
erwartet die Kommission die Erarbeitung und Erstellung von Richtlinien
- für die Durchführung des Fremdvergleichs bei ausgelagerten Unternehmen,
- zur effizienten und zeitnahen Steuerung der outgesourcten Unternehmen oder Unternehmensteile.
- Die Outsourcingmaßnahme Bremedia Produktion GmbH von RB begann erst im Jahr 2006 und wurde für den Zeitraum 2006-2012 ebenfalls aktualisiert und der Entwicklung angepasst. RB meldet weitere Outsourcingmaßnahmen an, die am 1. April 2007 begonnen wurden.
Tz. 609
Die Kommission betrachtet die Ergebnisse und wirtschaftlichen Prognosen der Outsourcingmaßnahmen
bei den Rundfunkanstalten und überprüft anhand der Fortschreibungen die Wirtschaftlichkeit
der Maßnahmen. Die Kommission stützt sich hierbei, soweit nicht andere Informationen vorliegen,
auf die Angaben der Rundfunkanstalten.
Tz. 610
Das ZDF und das Deutschlandradio haben zum 16. Bericht
keine neuen Outsourcingmaßnahmen angemeldet. Die Maßnahme des WDR, Gebäudemanagement, zeigte bereits zum 15. Bericht eine
hohe Wirtschaftlichkeit und wird aufgrund der nachhaltigen positiven Entwicklung im 16. Bericht
nicht mehr betrachtet (vgl. 15. Bericht, Band 2, Tz. 635).
3.4.1 Darstellungen der Anstalten
| 15. Bericht 2005-2008 |
16. Bericht 2005-2008 |
Veränderung 15. Bericht |
Einsparprognose 2009-2012 |
|
|---|---|---|---|---|
| MDR | 7.895,0 | 5.091,0 | - 2.804,0 | 7.974,0 |
| SWR | 1.050,0 | 222,0 | - 828,0 | 228,0 |
| RB* | - 1.016,5 | - 99,0 | 917,5 | 1.222,0 |
* RB: Bremedia Produktion GmbH ab 2006
Tz. 611
SWR
Der SWR hatte zum 15. Bericht Einsparungen für den Zeitraum 2005-2008 von 1.050 T Euro durch
die MARAN FILM GmbH angemeldet. Zum 16. Bericht wurde eine geringere Wirtschaftlichkeit angemeldet
und mitgeteilt, dass infolge der zurzeit stattfindenden Restrukturierung der MARAN FILM
GmbH die Planung der Jahre 2005-2008 auch auf den Zeitraum 2009-2012 übertragen werden soll.
| Mehrerträge | Minderaufwand | Mehraufwand | Effekt | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Programmaufwand | Personalaufwand | Sachaufwand | Programmaufwand | Sachaufwand | Einsparung | ||
| 2002*-2006 | - 297 | 4.350 | 4.100 | 5.000 | - 9.000 | - 3.750 | 403 |
| 2007-2012 | 161 | 6.570 | 4.920 | 5.760 | - 12.825 | - 4.080 | 506 |
| Summe | - 136 | 10.920 | 9.020 | 10.760 | - 21.825 | - 7.830 | 909 |
* Die Zahlen sind aus den Jahresabschlüssen der MARAN FILM GmbH abgeleitet; entsprechend dem Gesellschaftsanteil sind hier 51% des Ergebnisses aufgenommen.
Zur wirtschaftlichen Entwicklung der MARAN FILM GmbH führt der SWR aus, dass das Geschäftsjahr 2006 nicht zufriedenstellend verlaufen sei. Als Grund werden u.a. die schwierige Marktentwicklung, insbesondere der Rückgang des Auftragsvolumens der Fernsehprogrammveranstalter und die verstärkte Konzernbindung bei Auftragsvergaben genannt. Vor diesem Hintergrund hätten die Gesellschafter beschlossen, die Sparte Auftragsproduktionen vorläufig stillzulegen. Die MARAN FILM GmbH wird ab 2008 ausschließlich mit der Stoffentwicklung und Produktion für neun SWR-Eigenproduktionen betraut. Im Jahr 2007 würden die bisher laufenden Aktivitäten planmäßig erfüllt. Im Laufe des Jahres 2007 erfolgt der Abbau von Personal- und Sachkapazitäten. Ab 2008 bestehe die begründete Sicherheit, dass beim SWR ein Einspareffekt von 57 T Euro bewirkt und der auch für die Folgejahre als Minimalziel geplant wird.
Tz. 612
Radio Bremen
Outsourcingmaßnahme "Bremedia Produktion GmbH"
Die ausgelagerte "Bremedia Produktion GmbH" hat die operative Geschäftstätigkeit am 1. April
2006 aufgenommen. Diese umfasst die Planung, Produktion und wirtschaftliche Führung der kompletten
Hörfunk- und Fernsehproduktion von Radio Bremen. Die Bremedia Produktion GmbH ist
eine Beteiligungsgesellschaft, an der Radio Bremen mit 49 % und die Bavaria Film GmbH mit 51 %
beteiligt sind.
Zum 15. Bericht hatte Radio Bremen Einsparungen durch diese Maßnahme für den Zeitraum 2006-
2010 von 371 T Euro prognostiziert.
| Mehrerträge | Minderaufwand | Mehraufwand | Effekt | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Personalaufwand | Sachaufwand | Programmaufwand | Sachaufwand | Einsparung | ||
| 2006 | 2.391 | 6.008 | 509 | - 6.194 | - 2.651 | 63 |
| 2007 | 3.253 | 8.557 | 2.665 | - 12.200 | - 2.349 | - 74 |
| 2008* | 2.253 | 8.833 | 4.698 | - 12.353 | - 3.518 | - 88 |
| 2009 | 2.253 | 9.183 | 4.794 | - 12.518 | - 3.589 | 123 |
| 2010 | 2.253 | 9.331 | 4.891 | - 12.481 | - 3.661 | 333 |
| 2011 | 2.253 | 9.415 | 5.012 | - 12.604 | - 3.734 | 343 |
| 2012 | 2.253 | 9.580 | 5.135 | - 12.735 | - 3.808 | 423 |
| Summe | 16.909 | 60.907 | 27.704 | - 81.086 | - 23.311 | 1.123 |
* Die Reduzierung der Mehrerträge ab 2008 begründet sich mit der Vermietung der technischen Anlagen, die ab 2008 durch die RB Media GmbH (100%ige Tochter von Radio Bremen) an die Bremedia GmbH erfolgt. RB fließen dann Mittel über das Beteiligungsergebnis/die Finanzmittelrechnung zu.
Tz. 613
Überleitungsvertrag
Bei dieser Outsourcingmaßnahme handelt es sich um einen Betriebsübergang gem. § 613a BGB. Ein
entsprechender Überleitungsvertrag hat den Übergang der Arbeitsverhältnisse auf das neue Beteiligungsunternehmen
geregelt. Die Altersversorgungsansprüche bzw. laufende Altersversorgungen
der ausgegründeten Mitarbeiter/innen trägt Radio Bremen. Die Quote der Altersversorgung beläuft
sich auf ca. 4,7 % des Gehaltes dieser Personengruppe.
Tz. 614
Wirtschaftlichkeit
Nach Darstellung von Radio Bremen werden im Zeitraum 2006-2012 aus der Outsourcingmaßnahme
positive Einspareffekte in Höhe von 1.123 T Euro erwartet. Das Ist-Ergebnis des Jahres 2006 übertraf
die Planung um 485 T Euro.
Nach Aussage von Radio Bremen werden die einzelnen Produktionsgewerke von Bremedia Produktion
GmbH zu marktüblichen Preisen eingekauft, die auch gegenüber Dritten ihre Gültigkeit
besitzen. Auch hier schließt Radio Bremen eine Quersubventionierung aus.
Die Bremedia Produktion GmbH finanziert sich über den Verkauf von Produktionsleistungen. Im
Drittgeschäft sind in der Mittelfristigen Finanzplanung ab dem Geschäftsjahr 2008/2009 zwei zusätzliche
Produktionen mit einem Gesamtvolumen von 2,4 Mio. Euro vorgesehen.
Die Belastung aus der Mehrwertsteuer bezifferte Radio Bremen bei der Planung der Maßnahme
mit 10 %. Die Bremedia Produktion GmbH kann im Verhältnis zu den Gesamtkosten 3 % Vorsteuer
geltend machen. Somit verbleibt eine Nettomehrbelastung aus Vor- und Umsatzsteuer von 7 % bei
der Anstalt. Auf der Basis der zum 1. Januar 2007 gültigen Umsatzsteuer von 19 % ergibt sich ein
Nettoeffekt von 2,95 %.
Ein wesentlicher Grund für die Ausgliederung der Produktion war, dass das Tarifgefüge bei Radio
Bremen über dem des freien Marktes liegt. Bei der Bremedia Produktion GmbH können wieder zu
besetzende Stellen zu wesentlich günstigeren Tarifen besetzt werden. Der daraus resultierende
Vorteil soll an Radio Bremen über die Produktionen weitergegeben werden.
Die Unterschiede in der Fortschreibung der unterschiedlichen Tarife betragen nach 17 Jahren
Betriebszugehörigkeit zwischen Radio Bremen und der Bremedia Produktion GmbH 28,6 %. Hinzu
kommen die Anteile zur Altersversorgung sowie die Differenz der erhöhten Jahresarbeitszeit bei
Neueinstellungen.
Tz. 615
RB: Neue Outsourcingmaßnahmen der Geschäftsfelder Information- und Kommunikationstechnik,
Allgemeine Verwaltung und Systemplanung/-service Fernsehen und Hörfunk
Im Zusammenhang mit der Ausgründung der "Bremedia Produktion GmbH" hat Radio Bremen
zum 1. April 2007 weitere Unternehmensteile outgesourct. Informations- und Datenverarbeitung,
Kommunikations- und Netzwerktechnik und Fernmelde- und Anlagetechnik wurden in den
Geschäftsbereich "Informations- und Kommunikationstechnik" der Radio Bremen Media GmbH
(100%ige Tochter von Radio Bremen) ausgegründet. Allgemeine Verwaltung, Einkauf & Logistik
und die Versorgungstechnik wurden in den Geschäftsbereich "Gebäudemanagement" der Radio
Bremen Media GmbH ausgegründet. Die Systemplanung/-service Fernsehen und Hörfunk ging in die
Bremedia Produktion GmbH über.
Nach Darstellung im Wirtschaftlichkeitsnachweis (Checkliste) erfolgte die Ausgründung unter den
Gesichtspunkten der Bündelung und Zusammenführung von Leistungen, damit diese den Mietern
(Dritten) des neuen Standortes "Medienzentrum" angeboten werden können.
Die Überleitung des Personals erfolgte zu den gleichen Bedingungen wie bei der Bremedia Produktion
GmbH. Für die Ausgründung sind keine speziellen Investitionsvorhaben vorgenommen
worden. Im Ergebnis prognostiziert Radio Bremen in seiner Wirtschaftlichkeitsberechnung für den
Zeitraum 2007-2012 Einsparungen in Höhe von insgesamt 0,9 Mio. Euro.
Tz. 616
MDR
Der MDR hatte gem. 15. Bericht für seine Outsourcing-Maßnahmen Einsparungen im Zeitraum
2005-2008 von 7,9 Mio. Euro prognostiziert. In der Anmeldung zum 16. Bericht ergab sich eine geringere
Einsparung von 5,1 Mio. Euro für diesen Zeitraum. Ab dem Jahr 2007 wurden die Planwerte
fortgeschrieben sowie die Mehrwertsteueranhebung von 16 % auf 19 % berücksichtigt.
| Mehrerträge | Minderaufwand | Mehraufwand | Effekt | ||
|---|---|---|---|---|---|
| Personalaufwand | Sachaufwand | Programmaufwand | Einsparung | ||
| 2005 | 572 | 5.909 | 9.083 | -15.701 | - 137 |
| 2006 | 538 | 6.413 | 9.035 | - 16.086 | - 100 |
| 2007 | 2.242 | 6.877 | 11.741 | - 18.073 | 2.787 |
| 2008 | 1.912 | 7.073 | 11.766 | - 18.210 | 2.541 |
| 209 | 1.597 | 7.310 | 11.809 | - 18.388 | 2.328 |
| 2010 | 1.274 | 7.551 | 11.853 | - 18.569 | 2.109 |
| 2011 | 943 | 7.794 | 11.898 | - 18.751 | 1.884 |
| 2012 | 606 | 8.039 | 11.943 | - 18.935 | 1.653 |
| Summe | 9.684 | 56.966 | 89.128 | - 142.713 | 13.065 |
Die eingetretene Verschlechterung des Wirtschaftlichkeitseffekts in den Jahren 2005 und 2006 ergibt sich durch höhere Renditen aus Wertpapieranlagen für diese Jahre - Opportunitätskosten - (im Jahr 2005: 1.737 T Euro statt geplanter 688 T Euro, im Jahr 2006: 1.806 T Euro statt geplanter 1.022 T Euro).
Tz. 617
Entwicklung der personalgestellten Mitarbeiter
Der Abbau der personalgestellten Mitarbeiter erfolgte schneller als dies im 14. Bericht prognostiziert
wurde. Die Rückführung der Stellen auf 207 bis zum Jahr 2008 wurde mit 206 Stellen bereits
im Jahr 2006 erreicht. Dadurch kann der Stellenplan des MDR reduziert werden.
Tz. 618
Entwicklung der Drittumsätze bei MDR-Ausgliederungen
Der MDR hat in den Jahren 1996-1999 eine Reihe von Ausgliederungen vorgenommen. Ziel war die
Konzentration auf das Kerngeschäft und den Ausbau der Medienstandorte Sachsen, Sachsen-Anhalt
und Thüringen. Gleichzeitig sollte die Wirtschaftlichkeit erhöht und das Drittgeschäft gestärkt
werden.
Tz. 619
| Gesellschaft | 2000 | 2006 |
|---|---|---|
| Media City Atelier GmbH (MCA) | 7,9 | 14,0 |
| DREFA Media Service GmbH | 9,9 | 34,5 |
| MCS Sachsen | 5,4 | 7,2 |
| MCS Sachsen-Anhalt | 0,7 | 3,8 |
| MCS Thüringen | 3,0 | 4,5 |
| Media Mobil GmbH | 4,6 | 10,6 |
| Durchschnitt | 5,3 | 12,4 |
Die Drittumsätze der outgesourcten Unternehmensteile haben sich seit dem Jahr 2000 bis zum 31. Dezember 2006 von 5,3 % auf 12,4 %, also um insgesamt 7,2 %-Punkte (gerundet) entwickelt.
3.4.2 Bewertung durch die Kommission
Tz. 620
SWR: MARAN FILM GmbH
Diese Outsourcingmaßnahme zeigt, dass die wirtschaftlichen Erwartungen, über Drittgeschäfte
eine höhere Auslastung zu erreichen und damit auch zusätzliche Erträge zu erzielen, im Markt nur
schwer realisierbar sind. Die Maßnahmen des SWR zur Gegensteuerung haben möglicherweise weitere
Verluste vermieden. Der Effekt der Outsourcingmaßnahme ist aber deutlich reduziert.
Tz. 621
RB: Bremedia Produktion GmbH
Die im 15. Bericht angesprochene Problematik des Überleitungsvertrages für die RB-Mitarbeiter
sowie die evtl. negativen Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung konnten gemindert werden.
Die Fremdumsätze der Bremedia Produktion GmbH entwickeln sich gemäß der aktuellen Planungen.
Es bleibt abzuwarten, ob die getroffenen Maßnahmen der Bremedia Produktion GmbH zu
den mittelfristigen Ertragsteigerungen führen werden.
Tz. 622
RB: Neue Outsourcingmaßnahmen der Geschäftsfelder Information- und Kommunikationstechnik,
Allgemeine Verwaltung und Systemplanung/-service Fernsehen und Hörfunk
Diese "kleinen" Outsourcingmaßnahmen von RB zeigen, dass kleine Anstalten alle Möglichkeiten
von Einsparungen nutzen, um mit den anteiligen Gebühren auszukommen und somit den Finanzausgleich
zwischen den größeren und kleineren Anstalten zu reduzieren. Wie bei den anderen
betrachteten Outsourcingmaßnahmen will man durch Outsourcing langfristig vor allem über
Personalkosteneinsparungen eine größere Wirtschaftlichkeit und Kostenvorteile erreichen.
Tz. 623
Outsourcingmaßnahmen des MDR
Die Kommission beurteilt in eigener Unabhängigkeit die Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit der
Rundfunkanstalten und somit auch der Outsourcingmaßnahmen auf der Basis der Anmeldungen
durch die Rundfunkanstalten. Soweit Prüfberichte von zuständigen Rechnungshöfen oder von
Wirtschaftsprüfern bei Beteiligungen zur Verfügung stehen, werden diese in die Beurteilung der
Kommission einbezogen.
Die zu berechnenden Personalanteile der Tochterunternehmen steigen an und damit auch der
Programmaufwand des MDR, der sich gegenüber dem 14. und 15. Bericht erhöht hat. Nach den
Feststellungen des Rechnungshofs für den Zeitraum 1999-2005 werden von den der Kommission
als Wirtschaftlichkeitseffekt in der Folge der Auslagerung als tatsächlich wegfallend genannten 27
Stellen nur insgesamt 13 Stellen als Reduzierung durch Auslagerung ausgewiesen. Die anderen Stellen
wurden aufgrund unternehmerischer Entscheidungen innerhalb des MDR in anderen Bereichen
und für andere Aufgaben verwendet.
Die Anmeldung der Outsourcingmaßnahmen des MDR an die Kommission erfolgte als Gesamtbetrachtung
und wurde entsprechend bewertet. Die Einsparungen aller Outsourcingmaßnahmen
belaufen sich nach Angaben und Planung des MDR von 2005-2012 auf ca. 13 Mio. Euro. Der MDR
gibt an, dass die Abweichung der im 15. Bericht vorgelegten Planzahlen in Höhe von - 2,8 Mio. Euro
im Wesentlichen durch die bereits erwähnten höheren entgangenen Zinserträge (Opportunitätskosten)
entstanden seien und in den Jahren 2009-2012 kompensiert werden.
Der Rechnungshofbericht zu den Kapitalmaßnahmen für Beteiligungen des MDR (Outsourcings)
wurde nach Veröffentlichung von der Kommission in die Beurteilung der Outsourcingmaßnahmen
einbezogen. Die Kapitalmaßnahmen wurden durch die Beteiligungsholding DREFA aus eigenen
Mitteln erbracht. Insofern wird dadurch die Wirtschaftlichkeit der gesamten Outsourcingmaßnahme
in gleicher Höhe reduziert, ist aber noch im positiven Bereich geblieben. Die Kapitalerhöhung
selbst unterliegt zukünftig der Mindestrenditebetrachtung der Kommission.
Zu den Fragen der "Randnutzung" bzw. "zulässigen Betätigungsumfang einer Rundfunkanstalt"
(hier: MDR) gibt es weiterhin divergierende Auffassungen zwischen dem MDR und dem prüfenden
Rechnungshof. Soweit Kapazitäten für die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrags
vorgehalten wurden und diese durch Aufträge von Dritten wirtschaftlich besser ausgelastet werden
können, ist diese Randnutzung zur Kostenreduzierung sinnvoll.
Auf der Grundlage der vorhergehenden Erkenntnisse hat die Kommission den MDR um detaillierte
Auskünfte ersucht, die der MDR bereitwillig erteilte. Zur zukünftigen transparenten Ableitung von
Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit outgesourcter Unternehmen sowie auch im Hinblick auf die
Erfüllung der Anforderungen der Europäischen Kommission zur wirtschaftlichen Tätigkeit öffentlich-
rechtlicher Rundfunkanstalten erwartet die Kommission bis zum Beginn der neuen Gebührenperiode
die Festlegung einheitlicher Kriterien zum marktwirtschaftlichen Verhalten und Steuerung
aller outgesourcten Gesellschaften.
Dazu zählt die Kommission insbesondere:
- Jährliche Rentabilitäts- und Liquiditätsplanung in detaillierter Form für jede ausgelagerte Gesellschaft
und permanenter Soll-Ist-Vergleich auf Basis der Planungsrechnung. Bei veränderten
Prämissen sind die Planzahlen entsprechend dem Grundsatz der Wesentlichkeit anzupassen.
Diese Unterlagen sind den Anmeldungen zum 17. Bericht beizulegen.
- Erarbeiten von Richtlinien für die Durchführung des Fremdvergleichs in den Finanzbeziehungen
zwischen Rundfunkanstalten und ihren outgesourcten Unternehmen (Marktpreise) in
Abstimmung mit allen Anstalten der ARD, des ZDF und des Deutschlandradios.
- Effiziente zeitnahe und aktive Steuerung der ausgelagerten Unternehmen durch ein Beteiligungscontrolling mit einer entsprechenden Richtlinie.
