16. Bericht der Kommission zur Ermittlung
des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten
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Zweites Kapitel
Leistungsdaten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten
- Gegenüber der Leistungsdokumentation im 15. Bericht ist festzuhalten, dass das Leistungsangebot im Kernbereich - abgesehen von geringen Schwankungen - stagniert. Leistungsausweitungen im Fernsehen gehen vor allem auf die digitalen Spartenprogramme zurück, die inzwischen 30 % des Gesamtangebots ausmachen. Der leichte Rückgang der Leistungen von 2003 zu 2004 im Kernbereich ist im Wesentlichen auf die Fusion von ORB und SFB zurückzuführen, die darüber hinaus noch Auswirkungen auf die Sendeleistung im Jahre 2005 hat.
- Die Gesamtsendeleistung des Ersten Fernsehprogramms der ARD betrug im Jahr 2006 rd. 497.832 Sendeminuten. Der Erstsendeanteil von 63,9 % entspricht dabei der Sendeleistung von rd. 317.948 Erstsendeminuten. Nach Sendeminuten ist "Politik und Gesellschaft" das wichtigste und nach Selbstkosten "Sport" das bedeutendste Ressort. Das ZDF weist im Jahr 2006 eine Sendeleistung von rd. 486.130 Sendeminuten aus. 332.384 Erstsendeminuten entsprechen einem Erstsendeanteil von 68,4 %. Gemessen an den Erstsendeminuten ist der Programmbereich "Aktuelles" der bedeutendste, gemessen an den Selbstkosten erweist sich auch beim ZDF der Programmbereich "Sport" als der wichtigste. Die Gesamtsendeleistung der Dritten Programme der ARD beläuft sich auf rd. 4,04 Mio. Sendeminuten und einem Erstsendeanteil von 34,8 %, das entspricht 1,40 Mio. Erstsendeminuten. Bei den Dritten Programmen ist "Politik und Gesellschaft" sowohl nach Erstsendeminuten als auch nach Selbstkosten mit Abstand das bedeutendste Ressort.
- Auch im Hörfunk stagniert die Leistungsausweitung seit dem Jahr 2000. Im Jahr 2006 veranstalteten die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten insgesamt 65 Hörfunkprogramme. Bei den Hörfunkprogrammen der ARD war "Information und Service" nach Selbstkosten und Sendeminuten die mit Abstand bedeutendste Programmgattung. Dasselbe gilt auch für die zwei vom Deutschlandradio angebotenen Hörfunkprogramme.
- Alle Rundfunkanstalten verfügen zudem über eigene Online-Auftritte. Das Ziel dieser Online-Angebote ist dabei die Stärkung der Zuschauer- bzw. Hörerbindung sowie die Ansprache jüngerer Rundfunknutzer. Im Jahr 2006 verzeichnet ein Großteil der Online-Angebote in vielen Bereichen einen deutlichen Ausbau. Zudem hat neben dem programmbegleitenden Online-Angebot die Bereitstellung der Programme simultan oder über On-Demand-Angebote zugenommen. Parallel dazu zeigt auch die Abfrage der Online-Angebote der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eine stark wachsende Tendenz.
Tz. 27
Vorbemerkung
Die nachstehende Darstellung über die Leistungsdaten der Rundfunkanstalten dokumentiert
Struktur und Entwicklung des vielfältigen Leistungsangebots des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
in Deutschland. Dabei ist es nicht die Aufgabe der Kommission, die Programmangebote zu kommentieren.
Die Kommission fordert jedoch die verantwortlichen Gremien auf, die hier aufgezeigten
Ergebnisse zur Kenntnis zu nehmen und bei zukünftigen Entscheidungen zu berücksichtigen.
Die folgende Leistungsdarstellung stützt sich auf Daten, die der Kommission von den Rundfunkanstalten zur Verfügung gestellt worden sind. Der überwiegende Teil dieser Daten, einschließlich
der Kostendaten, wird auch in den Jahrbüchern der Rundfunkanstalten ausgewiesen und ist somit
öffentlich zugänglich. Allerdings sind die Abgrenzungen und Erhebungsweisen zwischen den Anstalten
nicht notwendig identisch, so dass ein Vergleich der Ergebnisse insoweit eingeschränkt sein
kann.
Der vorliegende Leistungsbericht steht in der Tradition seiner Vorgänger und schreibt die Leistungsdarstellung
des 15. Berichts in bewährter Weise fort. Allerdings wurden einige methodische
Veränderungen vorgenommen, um den Anregungen des 15. KEF-Berichts (vgl. Tz. 330) Rechnung zu
tragen. So ist beispielsweise nicht mehr das Jahr 1992 die fixierte und damit eher statische Vergleichsbasis.
Die Dokumentation von Veränderungen wird zukünftig für eine Sechsjahresdifferenz
ermittelt. Demnach ist für diesen Leistungsbericht das Jahr 2001 die Vergleichsbasis. Darüber hinaus
werden zur Illustration die Zeitreihen für eine Dekade abgebildet. Hierfür sprechen sowohl praktische
als auch theoretische Gründe. Die vergangenen Berichte haben gezeigt, dass der langfristige
Trend des vielfältigen Ausbaus des öffentlich-rechtlichen Fernsehangebots zum Erliegen gekommen
ist (vgl. 14. Bericht ,Tz. 24 und 15. Bericht, Tz. 331). Durch die Kürzung der Zeitreihe können eher
kurzfristige Faktoren stärker berücksichtigt werden. Alle Daten sind aber weiterhin vorhanden und
werden gepflegt, die langfristige Perspektive geht damit keinesfalls verloren.
Beibehalten werden auch in diesem Bericht die Prioritätensetzungen im öffentlich-rechtlichen
Rundfunk auf der Berechnungsbasis der Erstsendeminuten und der von den Anstalten gelieferten
Kostendaten. Bereits im 15. Bericht wurde darauf verwiesen, dass "die Erhebungen der Kommission
gezeigt haben, dass die Kostenrechnungssysteme der Anstalten zum Teil eine sehr unterschiedliche
Schlüsselung von Gemeinkosten vornehmen, die die reale Ressourcenwidmung nicht adäquat wiedergeben.
Die Kommission ist sich bewusst, dass die Aussagekraft der von den Anstalten zugelieferten
Kostendaten problematisch und die Vergleichbarkeit der ausgewiesenen Selbstkosten selbst
innerhalb der ARD nicht gegeben ist." (vgl. 15. Bericht, Tz. 330). Die ARD-Anstalten haben auf die
Kritikpunkte reagiert und diverse Maßnahmen zu einer weitergehenden Vereinheitlichung umgesetzt.
Dieser Prozess sollte fortgeführt werden.
1. Fernsehen
Das Leistungsangebot des öffentlich-rechtlichen Fernsehens
Abbildung 1.1: Sendeminutenentwicklung
Abbildung 1.2: Zusammensetzung 2006
Tz. 28
Das quantitative Gesamtangebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist seit dem Jahr 2001 weitgehend
konstant. Insgesamt strahlten die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im Jahr 2006
rd. 9,83 Mio. Sendeminuten in 21 Programmen aus. Die Einschnitte für die Jahre 2004 und 2005 im
Kernbereich - insbesondere bei den Dritten Programmen - sind im Wesentlichen auf die Fusion von SFB und ORB zurückzuführen. Der größte Sendeminutenanteil entfällt weiterhin auf die Dritten
Programme (41,1 %), die digitalen Spartenprogramme machen 30 % des Gesamtangebots aus.
Abbildung 2.1: Entwicklung der Sendeleistung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nach Angebotsformen
Gesamtsendeminutenentwicklung in %
Tz. 29
ARD und ZDF veranstalten fünf analoge Spartenkanäle. Dazu gehören: 3sat (seit 1984), ARTE (seit
1992), Kinderkanal und Phoenix (beide seit 1997) sowie BR-alpha (seit 1998). Nur bei dem Bildungskanal
BR-alpha handelt es sich um ein anstaltsindividuelles Projekt des Bayerischen Rundfunks, alle
anderen Spartenkanäle werden von ARD und ZDF gemeinsam betrieben.
Der gemeinsame Betrieb von Spartenkanälen hat die Erfassung von Leistungsdaten nicht begünstigt.
So ist beispielsweise eine aggregierte Darstellung von Selbstkosten nicht möglich, weshalb sich
die Daten vorrangig auf die Sendeleistung beziehen. Für 2006 belief sich die gesamte Sendeleistung der analogen Spartenkanäle auf 1,84 Mio. Sendeminuten. Die Gesamtsendezeit liegt damit rd. 6,0 %
über der Sendezeit aus dem Jahre 2001.
Abbildung 2.2: Entwicklung der Sendeleistung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nach Angebotsformen
Gesamtsendeminutenentwicklung in %
Tz. 30
Darüber hinaus sind ARD und ZDF staatsvertraglich ermächtigt, jeweils drei digitale Fernsehprogramme
zu veranstalten, die nach der jüngsten Novellierung des Rundfunkstaatsvertrags ihren
Schwerpunkt in Kultur, Bildung und Information haben sollen. Die Kommission geht davon aus,
dass die Anstalten ihre Bemühungen zur Leistungsdokumentation auch in diesem Angebotssegment
weiter intensivieren werden, um die Erfüllung dieser staatsvertraglichen Verpflichtung
dokumentieren zu können. Dazu gehört auch eine Zuordnung der durch die einzelnen Angebote
ausgelösten Kosten, die gegenwärtig noch nicht vorliegt. Das Digitalangebot der ARD und des ZDF
setzt sich aus jeweils drei Spartenprogrammen EinsPlus, EinsExtra und EinsFestival bzw. ZDFinfokanal, ZDFdokukanal und ZDFtheaterkanal zusammen, von denen mit Ausnahme des ZDFtheaterkanals
alle zu einem 24-stündigen Programm ausgebaut wurden. Folgerichtig erhöhte sich auch die
Gesamtsendeleistung der digitalen Spartenprogramme auf 2,96 Mio. Sendeminuten (2006) und
liegt nunmehr 18,2 % über der Sendezeit aus dem Jahre 2001.
Tz. 31
Nach dem Ausbau aller Programmangebote im "Kernbereich" des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
zu 24-Stunden-Vollprogrammen im Jahr 2000 ist die gesamte Sendeleistung (Zahl der Gesamtsendeminuten)
weitgehend konstant. Der Rückgang der Jahre 2004 und 2005 lässt sich im Wesentlichen
auf die Fusion von SFB und ORB zurückführen. Ohne die Fusion lässt sich die im 14. und 15. Bericht
festgestellte Stagnation der Gesamtsendeminutenentwicklung erneut bestätigen. Der Erstsendeanteil
ist durch eine ähnliche Entwicklung gekennzeichnet. Seit 2000 schwankt der Anteil der
Erstsendeminuten zwischen 40 % und 41 %. Damit erweist sich auch die relative Betrachtung der
Erstsendeminutenentwicklung als nahezu konstant. Eine direkte Auswirkung der abweichenden Gebührenentscheidung
der Länder auf den quantitativen Umfang des Programms der öffentlich-rechtlichen
Rundfunkanstalten ist daher in der Summe nicht zu erkennen, wobei sich jedoch unterschiedliche
Entwicklungen bei ARD und ZDF zeigen (siehe zu den Erstsendeminuten auch Tzn. 33 ff.).
Abbildung 3: Entwicklung der Sendeleistung im "Kernbereich" des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
Tz. 32
Die Entwicklung der Erstsendeleistung im Kernbereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat
sich im Erhebungszeitraum 1997-2006 insgesamt leicht (4,4 %) erhöht. Sowohl die beiden Hauptprogramme
(ARD 4,2 % und ZDF 15,2 %) als auch die Dritten Programme (2,1 %) befinden sich
über dem Niveau von 1997. Während das ZDF in den letzten Jahren eine nahezu konstante Entwicklung
mit den typischen Abweichungen in Sportjahren zeigt, lässt die Erstsendeminutenentwicklung
für das Erste Programm und die Dritten Programme gegenwärtig keinen Trend erkennen.
Eine zusätzliche Betrachtung der Veränderungsraten bestätigt diese Ergebnisse. Während sich das
Erste Programm und die Dritten Programme für 2006 bei Wachstumsraten nahe Null bewegen,
weist das ZDF einen Ausbau der Erstsendeleistung auf. In der Summe kann daher nicht von einer
nachhaltigen Veränderung der Erstsendeminutenentwicklung ausgegangen werden. Das ZDF weist
allerdings auf Änderungen in der Struktur der Erstsendeleistungen hin. Ausweitungen hätten sich
im Wesentlichen bei kostengünstigen Nachmittagsprogrammen ergeben.
Abbildung 4: Entwicklung der Sendeleistung im "Kernbereich" des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (1997=100)
Erstsendeminutenentwicklung im Kernbereich in %
Tz. 33
Für die beiden Hauptprogramme von ARD und ZDF zeigen die Erstsendeanteile im Jahr 2006 geringfügige
Abweichungen. Während der Erstsendeanteil der ARD bei 63,9 % liegt, weist das ZDF
einen Erstsendeanteil von 68,4 % aus. Die ARD befindet sich unter und das ZDF über dem Anteilsniveau
aus dem Jahre 2001.
Tz. 34
Neben der Gesamtbetrachtung der Erstsendeminuten sind auch die Erstsendeminutenanteile in der
Prime-Time von besonderer Bedeutung. Der Erstsendeminutenanteil in der Prime-Time für die ARD
hat sich erneut geringfügig verringert, während die Entwicklung beim ZDF - abgesehen von geringen
Schwankungen - nahezu konstant verläuft. Die ARD befindet sich mit einem Wert von 87,2 %
rund 5 %-Punkte unter dem Niveau von 2001. Das ZDF dagegen liegt mit 84,9 % nur 1 %-Punkt
unter dem Niveau von 2001. ARD und ZDF weisen darauf hin, dass in der Prime-Time nach 2004 durchaus Reduzierungen der Erstsendeminuten vorgenommen wurden, die aber z.T. durch die
Besonderheit des Sportjahres 2006 konterkariert wurden.
Abbildung 5: Entwicklung der Erstsendeminutenanteile
Tz. 35
Die Prioritätensetzung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf der Basis der Erstsendeminuten und
der von den Anstalten gelieferten Kostendaten soll im Sinne des 14. und 15. Berichts fortgeführt
werden, auch wenn diese Darstellungen die reale Ressourcenwidmung aufgrund der Kostenrechnungssysteme
der Anstalten nicht adäquat wiedergeben (vgl. 14. Bericht, Tz. 455 ff.). Ziel ist, die
Prioritätensetzung als Zusammenhang von Kosten und Sendeleistung zu begreifen.
Im Bereich des Ersten Fernsehprogramms der ARD bleibt gemessen an der Sendeleistung nach der
2003 vorgenommenen Zusammenfassung der Ressorts "Politik und Gesellschaft", "ARD-Aktuell"
sowie der Informations- und Infotainment-Angebote des Vormittags- und Vorabendprogramms die
aggregierte Form von "Politik und Gesellschaft" auch im Jahre 2006 das bedeutendste Ressort. Dem
Ressort "Sport" kommt ebenfalls eine besondere Bedeutung zu, da bei durchschnittlicher Sendeleistung
die mit Abstand höchsten Kosten anfallen. Insofern ist Sport das bedeutendste Ressort gemessen
an den Selbstkosten. Die anderen Ressorts lassen sich in zwei klar voneinander getrennte Prioritätengruppen
unterteilen. So gehören die Ressorts "Familie", "Kultur und Wissenschaft", "Spot/Überleitung",
"Religion" und "Musik" zur ersten Gruppe und die Ressorts "Unterhaltung", "Spielfilm" und
"Fernsehspiel" zur zweiten Gruppe, bei denen für eine vergleichbare Erstsendeleistung wesentlich
höhere Kosten anfallen. Interessanterweise zeigt sich für "Politik und Gesellschaft" eine nahezu identische
Relation zwischen Kosten und Erstsendeleistung wie für die Ressorts der ersten Gruppe - nur
auf einem höheren Aggregationsniveau. Gemessen an der finanziellen Prioritätensetzung haben daher
Ressorts wie "Sport", aber auch "Unterhaltung" und "Fernsehspiel", aufgrund der eingesetzten
finanziellen Ressourcen per Erstsendeminute eine herausragende Bedeutung.
Abbildung 6: Prioritätensetzung beim Ersten Fernsehprogramm der ARD
Tz. 36
Für das ZDF kann, unter Berücksichtigung der Selbstkosten und der Erstsendeminuten, den Programmbereichen
"Aktuelles" und "Politik" die größte an der Sendeleistung gemessene Bedeutung
zugewiesen werden. Des Weiteren sind aber auch die sehr hohen finanziellen Aufwendungen für
den Programmbereich "Sport" auffällig. Als kostenaufwendiger Programmbereich stellt sich auch
der Bereich "Fernsehspiel" dar, der bei wenigen Erstsendeminuten erhebliche finanzielle Aufwendungen
verursacht. Alle anderen Programmbereiche zeigen keine wesentlichen Besonderheiten
und unterliegen den üblichen Veränderungen.
Abbildung 7: Prioritätensetzung beim Zweiten Deutschen Fernsehen
Tz. 37
Im Bereich der Dritten Fernsehprogramme bestimmt das Ressort "Politik und Gesellschaft" sowohl
unter Berücksichtigung der Selbstkosten als auch unter Hinzuziehung der Erstsendeminuten die
Prioritätensetzung im Leistungsangebot. Erst mit beträchtlichem Abstand folgen die Ressorts "Unterhaltung",
"Kultur und Wissenschaft", "Familie" und "Sport". Den restlichen Ressorts kommt nur
eine untergeordnete Bedeutung zu, obgleich die Selbstkosten für das Fernsehspiel gemessen an der
geringen Anzahl der Erstsendeminuten nicht zu vernachlässigen sind.
Abbildung 8.1: Prioritätensetzung bei den Dritten Programmen der ARD
Abbildung 8.2: Detailübersicht zu Abbildung 8.1 (Rahmen)
