15. Bericht der Kommission zur Ermittlung
des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten
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Zehntes Kapitel
Gesamtdarstellung Personal
- Für eine Gesamtdarstellung Personal ist die Betrachtung der Personalaufwendungen und der Planstellen und Sonstigen Stellen um eine Betrachtung insbesondere der Freien Mitarbeiter sowie der Mitarbeiterkapazitäten bei Gemeinschaftssendungen, -einrichtungen und -aufgaben (GSEA) und Beteiligungen zu ergänzen; dabei ist bei den GSEA zu unterscheiden zwischen denjenigen GSEA, bei denen ausschließlich ARD-Anstalten zusammenarbeiten und GSEA mit Beteiligung der ARD und des ZDF (z.B. GEZ, Kinderkanal, Phoenix) oder Dritter.
- Die jährlichen Steigerungsraten der gesamten Aufwendungen für Personal, Freie Mitarbeiter und Mitarbeiter in GSEA (hier ausschließlich von ARD-Anstalten) sollen im Planungszeitraum 2005-2008 im Durchschnitt 0,3 % bei ARD und ZDF sowie 2,4 % bei Deutschlandradio betragen. Die Steigerungsraten haben sich gegenüber dem Ergebnis des 14. Berichts bei ARD und ZDF deutlich verringert, worin auch die eingegangenen Selbstbindungen der Anstalten zum Ausdruck kommen.
- Der beim Deutschlandradio im Vergleich zu ARD und ZDF deutlich höhere Anstieg der Personalaufwendungen beruht ganz wesentlich auf dem stark abgesenkten Personalbestand des Jahres 2004, der dazu führte, dass die Personalkosten 2004 im Ist gegenüber dem Vorjahr konstant geblieben sind. Ausgehend von dem niedrigen Wert des Jahres 2004 ergibt sich im Jahr 2005 ein verhältnismäßig hoher Personalkostenanstieg, der den Durchschnittswert der gesamten Gebührenperiode beeinflusst. Gegenüber den angesetzten Beträgen im 14. Bericht plant das Deutschlandradio eine Reduzierung der Personalaufwendungen um 3,5 %.
Tz. 432
Die Rundfunkanstalten setzen zur Erbringung ihrer jeweiligen Leistungen verschiedene Personengruppen
(fest angestellte Mitarbeiter, eigene Mitarbeiter mit Zeitverträgen, Aushilfen, Freie Mitarbeiter
und Mitarbeiter in GSEA und bei Beteiligungsunternehmen) u.a. abhängig vom jeweiligen
Geschäftsmodell in unterschiedlicher Zusammensetzung ein. Die dadurch verursachten Aufwendungen
sind nicht allein dem Personalaufwand, sondern auch dem Programm- oder Sachaufwand
zuzuordnen. Die Kommission hat die Fülle von Kriterien und Einflussfaktoren zum Anlass genommen,
bereits in den letzten Berichten eine Gesamtbetrachtung Personal zu beginnen, die im vorliegenden
15. Bericht erweitert wird. Die Kommission fordert die Anstalten auf, die Harmonisierung
ihrer Darstellungen zur Personalwirtschaft fortzusetzen, um die Transparenz weiter zu verbessern
und weitergehende Analysen zu ermöglichen.
Der Gesamtdarstellung Personal im folgenden Abschnitt schließen sich konkrete Analysen der
Aufwendungen und der Personalstärke für ARD, ZDF und Deutschlandradio sowie ein Vergleich der
Anmeldungen zum 15. gegenüber den anerkannten Beträgen im 14. Bericht an.
1. Strukturelle Grundlagen
Tz. 433
Die teilweise erheblichen Unterschiede im Leistungsspektrum der Rundfunkanstalten und teilweise
unterschiedliche Geschäftsmodelle auch zur Erstellung ähnlicher Leistungen wirken sich auf die
Struktur der Aufwandsarten und die Zusammensetzung des Aufwands für den "Produktionsfaktor Arbeit" aus. Die dadurch entstehenden Aufwendungen des Bestands- und Entwicklungsbedarfs
werden in verschiedenen Aufwandsarten abgebildet. Das folgende Schaubild verdeutlicht die komplexe
Struktur von Leistungsquellen und Leistungsarten:
|
Leistungsquellen (Bestand und Entwicklung) |
Aufwandsart bei den Anstalten | Leistungsarten | Anstalten | |
|---|---|---|---|---|
| Befristet und unbefristet fest angestellte Mitarbeiter (Stellenplan) | Personalaufwand | Nationaler Hörfunk | DLR | |
| Eigene Mitarbeiter auf Stellen außerhalb des Stellenplans (Sonstige Stellen), Aushilfen | Regionaler Hörfunk (Landesprogramme) |
ARD | ||
| Freie Mitarbeiter | Programmaufwand | Regionales Fernsehen (3. Programme) |
ARD | |
| Mitarbeiter in GSEA |
Programmaufwand und/oder Sachaufwandd |
Nationales Fernsehen (Erstes bzw. zweites Programm) |
ARD ZDF |
|
| Mitarbeiter in Beteiligungsunternehmen (Produktionsunternehmen, Outsourcing u.a. - soweit sie für die Anstalten tätig sind) | ||||
| Bezogene Leistungen von Dritten (enthalten auch Personalaufwendungen) | Gemeinschaftsprogramme (Kinderkanal, Phoenix, ARTE, 3sat) Fernsehen | ARD ZDF |
Die links genannten Leistungsquellen erzeugen je nach Anstalt in unterschiedlicher Zusammensetzung – auch innerhalb der ARD und innerhalb einer Anstalt - die rechts genannten Leistungen der Rundfunkanstalten.
Tz. 434
Diese Gesamtdarstellung Personal umfasst die in der Übersicht genannten Produktionsquellen mit
Ausnahme der von Dritten bezogenen Leistungen. Entsprechend werden im Folgenden sowohl die
Personalaufwendungen in der handels- und haushaltsrechtlichen Definition für fest angestellte
Mitarbeiter und Mitarbeiter mit Zeitverträgen und Aushilfen bei den Anstalten und die Aufwendungen
für Freie Mitarbeiter (Honorare u.a.) sowie Mitarbeiter bei GSEA (jeweils zuzüglich Mehrarbeit,
Zuschläge, Personalnebenkosten und Ausbildungsvergütungen) berücksichtigt. Die Altersversorgung
wird hier nur nachrichtlich erwähnt; sie wird in Bd. 1, Tzn. 63 ff. umfassend gesondert
dargestellt. Aufwendungen für Mitarbeiter in Beteiligungsunternehmen werden ebenfalls erläutert,
auch wenn sie nicht ausschließlich oder gar überwiegend nicht für die öffentlich-rechtlichen
Rundfunkanstalten tätig sind.
Die in den bezogenen Leistungen enthaltenen (unmittelbaren und mittelbaren) Aufwendungen
für den "Produktionsfaktor Arbeit" werden nicht einbezogen. Die Veränderung von Aufwandssegmenten,
z.B. durch Verringerung des Personalaufwands bei gleichzeitiger Verstärkung des Sachaufwands
durch Outsourcing-Maßnahmen wird in den Tzn. 628 ff. dargestellt.
Entsprechend der Betrachtung der Personalaufwendungen sind bei der Darstellung der Personalkapazitäten
sowohl die Mitarbeiter auf Planstellen als auch die Mitarbeiter, die außerhalb des
Stellenplans bei den Anstalten oder GSEA fest oder auf Zeit beschäftigt werden, berücksichtigt.
Mitarbeiter bei Beteiligungsunternehmen sind zwar in die Gesamtdarstellung Personal, nicht aber
in die Personalkapazitäten der Anstalten einzubeziehen, da sie teilweise in erheblichem Umfang
außer für die Anstalten auch für Dritte tätig sind.
Tz. 435
Die Fertigungstiefe bei Planung, Produktion und Ausstrahlung des jeweiligen Programms unterscheidet
sich signifikant bei Hörfunk und Fernsehen, beim Fernsehen zwischen ARD und ZDF (vgl.
Bd. 1, Tzn. 37 ff.) und innerhalb der ARD.
Bei einer geringen Fertigungstiefe verzichtet eine Rundfunkanstalt weitgehend auf überwiegend
selbsterstellte Produktionen und setzt stattdessen in erster Linie von Dritten erstellte Produkte (z.B.
Spielfilme, Auftragsproduktionen oder Sportübertragungen) im Programm ein. Bei einer hohen
Fertigungstiefe werden Programme überwiegend selbst produziert. Die Frage "make or buy" mit
seinen möglichen Varianten wird nach Erläuterungen der Anstalten weitgehend im Einzelfall auch
abhängig vom Programmspektrum und auf Grundlage der bestehenden Verhältnisse entschieden.
Bei einem hohen Anteil an von Dritten bezogenen Produktionen (Fremdproduktionen) fallen die
Personalkosten bei den Zulieferern an. Die bezogenen Programme verursachen Programmaufwand
einschließlich der darin enthaltenen Personalkosten bei den Zulieferern.
Tz. 436
Der Personalkostenanteil einer Rundfunkanstalt mit einem hohen Anteil an Fremdproduktionen ist
bezogen auf die Gesamtkosten geringer als bei einer Rundfunkanstalt mit einem hohen Anteil an
Eigenproduktionen. Diese beschäftigt dagegen eine große Anzahl an Mitarbeitern zur Erstellung
von Programm. Ein hoher Anteil an Eigenproduktionen am Gesamtaufwand geht grundsätzlich mit
einem hohen Personalkostenanteil bezogen auf den Gesamtaufwand einher.
Der relative Anteil der Personalaufwendungen oder der Honoraraufwendungen allein lässt in der
Regel keine unmittelbaren Rückschlüsse insbesondere auf die Wirtschaftlichkeit einer Rundfunkanstalt
zu. Dies gilt auch für einen möglichen Vergleich zwischen ARD, ZDF und Deutschlandradio.
Eine Bewertung eines niedrigen oder hohen Personalkostenanteils oder Anteils der Honoraraufwendungen
jeweils bezogen auf den Gesamtaufwand muss die Struktur und Fertigungstiefe sowie
weitere Kriterien und Einflussfaktoren der Leistungserbringung berücksichtigen, z.B., dass die
Anstalten sich in ihren Programmaufgaben und hinsichtlich der Art der Leistungserstellung unterscheiden.
Außerdem kann über die Entscheidung "make or buy" die Personalaufwandsquote gezielt gesteuert
werden, wodurch sich eigene Personalaufwendungen durch die Vergabe von Fremdproduktionen
oder auch durch Outsourcingmaßnahmen grundsätzlich verringern, ohne dass dies zwangsläufig
zu einer Verringerung der Gesamtaufwendungen und zu einem positiven Einfluss auf die
Wirtschaftlichkeit führen muss.
Tz. 437
Bei einer Betrachtung des Zeitablaufes sind außerdem Aufgabenmehrungen oder Aufgabenentlastungen
bei Outsourcing- und Insourcingmaßnahmen zu berücksichigen. Auch dürften die Rationalisierungsmöglichkeiten
bei Hörfunk und Fernsehen (z.B. Digitalisierung) sowie bei unterschiedlichen
Produktions- und Leistungsstrukturen differieren.
Tz. 438
Einflussfaktoren auf die Personalkostenquote sind nach den Erläuterungen der Anstalten beispielsweise:
-
Eigenproduzierte große Showsendungen, Aktualitätsprogramme (Nachrichten, aktuelle Magazine)
und regionale Berichterstattung sind in der Regel personalintensiv.
-
Personalintensive Nachrichten- und Berichterstattungsaktivitäten sind bei einzelnen Anstalten
(im wesentlichen NDR) und beim Hauptstadtstudio der ARD gebündelt.
-
Einzelne Anstalten (z.B. MDR, künftig möglicherweise auch RB) haben ihre Produktionsbetriebe weitgehend oder ganz ausgelagert.
-
Die Struktur des Hörfunks: Programme werden im Wesentlichen durch fest angestellte und
Freie Mitarbeiter in den Räumlichkeiten der Anstalten und mit deren Betriebsmitteln produziert.
Der Ankauf größerer, sendefertiger Programmbestandteile, die vollständig von Auftragsproduzenten
hergestellt werden, ist - anders als beim Fernsehen - beim Hörfunk nur bedingt möglich und finanziell unerheblich.
-
Teure Sport- und Filmrechte verursachen hohe Gesamtaufwendungen im nationalen Fernsehprogramm.
Diese hohen Rechtekosten finden sich weder bei den Gemeinschaftsprogrammen noch bei den Dritten Fernsehprogrammen noch im Hörfunk.
-
Das ZDF deckt als Einzelanstalt mehrere Gemeinschaftsprogramme jeweils hälftig ab, hat ein
Hauptstadtstudio eingerichtet, betreibt In- und Auslandsstudios und berichtet über Olympische
Spiele und Weltmeisterschaften. Die vergleichbaren Aktivitäten bei der ARD verteilen
sich dort auf mehrere Einzelanstalten mit einer insgesamt deutlich größeren Personalbasis.
Entsprechendes gilt für den Hörfunk teilweise auch bei einem Vergleich des Deutschlandradios mit der ARD.
-
Die Berichterstattung von ARD und ZDF über Sport-Großereignisse wird von den Dritten Programmen der ARD ohne eigenen Personalaufwand übernommen.
-
Fast alle ARD-Anstalten betreiben und unterhalten ein Sendernetz für das Erste Programm
des Fernsehens und den Hörfunk, auch Deutschlandradio verfügt über eigene Sender mit
eigenem Personal. Das ZDF und die Dritten Programme strahlen demgegenüber auf von der Telekom angemieteten Sendern aus.
-
Der am Sendestandort zur Verfügung stehende medienspezifische Arbeits- und Produzentenmarkt
wirkt sich auf die Notwendigkeit und Möglichkeit von Eigenproduktionen durch Arbeitnehmer der Rundfunkanstalten aus.
Tz. 439
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Fertigungstiefe sowie die Geschäftsfeldaktivitäten
einer Rundfunkanstalt in hohem Maße den Anteil der Personalkosten am Gesamtaufwand beeinflussen.
Ein niedriger bzw. hoher Personalkostenanteil allein kann nicht als Hinweis auf Effizienz bzw. Ineffizienz interpretiert werden. Die Kommission stellt die Anteile des Personalaufwands am
Gesamtaufwand dennoch dar, da sie einen Einstieg in eine weitergehende Analyse zur Wirtschaftlichkeit
auf breiterer Basis ermöglichen. Die Kommission hat die Rundfunkanstalten um die Erstellung
der dafür erforderlichen Grundlagen, insbesondere um Zahlenmaterial zur Strukturanalyse
gebeten.
