14. Bericht der Kommission zur Ermittlung
des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten
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Elftes Kapitel
Prüfungsschwerpunkte zur Wirtschaftlichkeit
4. Verwaltungskosten
- Die Gesamtbetrachtung der Verwaltungskosten weist für die ARDAnstalten für den Zeitraum 1998-2002 einen prozentualen Kostenanteil an den Gesamtkosten von durchschnittlich 5,8 %, für das ZDF einen Anteil von 4,8 % und für das Deutschlandradio 8,7 % aus.
- Die Kosten der Verwaltung (Teil A und C) der ARD-Anstalten von 1998-2002 ohne Marketing betragen im Vergleich zu den Gesamtkosten (Bestands- und Entwicklungskosten) im Jahresdurchschnitt 4,2 %. Zum Durchschnittswert im Jahre 2001 haben auch Kostensenkungen bei den kleineren Anstalten beigetragen. Den besten Wert erreichte der WDR mit 3,4 %. Beim ZDF lag der Anteil der Verwaltungskosten an den Gesamtkosten trotz einer Kostensteigerung von 22,1 % im Jahr 2000 bei 3,5 %, da der Gesamtaufwand ebenfalls gestiegen ist. Das Deutschlandradio verzeichnet im Zeitraum 1998-2002 einen durchschnittlichen Verwaltungskostenanteil von 5,5 %. Rationalisierungs- und Einsparpotentiale sind weiter zu identifizieren und zu nutzen. Neue Aufgaben oder Umstrukturierungen infolge neuer Anforderungen innerhalb der Anstalten sind möglichst kostenneutral aufzufangen.
- Die Kommission ist grundsätzlich der Auffassung, dass auch öffentlich- rechtliche Rundfunkanstalten Marketing betreiben müssen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist allerdings gebührenfinanziert und unterliegt nicht im gleichen Maße dem Wettbewerb wie private Anbieter. Die Verantwortung gegenüber den Gebührenzahlern rechtfertigt nicht die Ausweitung von Kosten, die letztlich der Imageverbesserung oder "Alleinstellungsmerkmalen" einzelner Anstalten dienen. Die Kommission erwartet deshalb von den Anstalten, Grundzüge für ein kooperatives Marketing zu entwickeln, das sich an den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit orientiert und durch übergeordnete Kriterien die Konkurrenzsitution der öffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten untereinander mit den daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen begrenzt.
4.1 Verwaltungskosten insgesamt
Tz. 512
Die Definition der Verwaltungskosten ist gegenüber dem 13. Bericht
(Tz. 401) unverändert geblieben. Die Kosten sind in die Teile A, B und C
aufgegliedert. Die Anstalten haben das Zahlenmaterial mit den Erläuterungen
entsprechend dieser Gliederung zur Verfügung gestellt.
Tz. 513
Die Teile A und C beinhalten die Kosten für Intendanz, Justitiariat, Verwaltungsdirektion,
Finanzverwaltung, Personal, Honorare und Lizenzen,
Organisation und Datenverarbeitung, die Verwaltung der Außenstellen
(außer Auslandsstudios) sowie die Kosten für die Allgemeine Verwaltung.
Sie werden gemeinsam betrachtet.
Tz. 514
Der Teil B, Marketingaufwendungen, beinhaltet die Positionen Pressestelle,
Öffentlichkeitsarbeit/Zentrales Marketing, Medienforschung,
Öffentlichkeitsarbeit/Programmmarketing und das Marketing der Rundfunkgebührenstelle
der Anstalten. Marketingkosten sind Teil der Verwaltungskosten,
werden aber wegen ihrer wachsenden Bedeutung und zur
Erhöhung der Transparenz unter Tzn. 543 ff. gesondert dargestellt.
Tz. 515
Die Verwaltungskosten insgesamt (Teile A, B und C) haben die
folgenden Anteile an den Gesamtkosten:
| Jahr | BR | HR | MDR | NDR | RB | RBB | SR | SWR | WDR | ARD | ZDF | DLR |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1998 | 5,4 | 4,7 | 4,6 | 6,4 | 6,8 | 5,7 | 8,0 | 6,4 | 5,5 | 5,7 | 4,6 | 8,8 |
| 1999 | 5,9 | 4,8 | 4,4 | 6,1 | 6,8 | 6,1 | 7,7 | 6,6 | 5,1 | 5,7 | 4,5 | 7,6 |
| 2000 | 5,8 | 4,8 | 5,2 | 6,1 | 6,9 | 6,0 | 7,9 | 6,1 | 5,3 | 5,7 | 4,9 | 8,4 |
| 2001 | 6,3 | 5,0 | 4,6 | 6,5 | 8,3 | 6,1 | 7,3 | 6,4 | 5,1 | 5,8 | 5,0 | 8,8 |
| 2002 | 5,9 | 4,9 | 4,6 | 6,4 | 8,1 | 6,4 | 8,0 | 6,6 | 5,0 | 5,8 | 4,9 | 8,7 |
| Gesamt | 5,9 | 4,9 | 4,7 | 6,3 | 7,4 | 6,1 | 7,8 | 6,4 | 5,2 | 5,8 | 4,8 | 8,7 |
Ingesamt ergibt sich für die ARD-Anstalten ein prozentualer Verwaltungskostenanteil an den Gesamtkosten von durchschnittlich 5,8 %, für das ZDF von 4,8 % und für das Deutschlandradio von 8,7 %.
Im folgenden werden die Verwaltungskosten zum einen für die Teile A und C, zum anderen für den Marketingbereich (Teil B) im Einzelnen betrachtet.
4.2 Verwaltungskosten (Teil A und C)
Tz. 516
In die Positionen A und C der Verwaltungskosten wurden die Aufwendungen
für die Altersversorgung eingerechnet. Diese Aufwendungen
verursachen systembedingt für Rückstellungen und Tarifreformen Mehrund
Minderaufwendungen.
| Jahr | BR | HR | MDR | NDR | ORB | RB | RBB | SR | SWR | WDR | ARD | ZDF | DLR |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1998 | 32,2 | 17,4 | 22,9 | 38,8 | 6,7 | 6,1 | 6,1 | 9,4 | 48,6 | 44,2 | 232,4 | 50,3 | 10,2 |
| 1999 | 34,1 | 19,1 | 24,9 | 40,1 | 7,1 | 6,2 | 6,2 | 10,1 | 47,7 | 42,0 | 237,5 | 51,2 | 8,6 |
| 2000 | 32,9 | 18,4 | 25,3 | 39,4 | 7,8 | 5,9 | 6,1 | 10,5 | 41,8 | 42,1 | 230,2 | 62,5 | 9,0 |
| 2001 | 35,8 | 17,2 | 25,0 | 41,2 | 7,1 | 5,2 | 6,0 | 11,3 | 44,3 | 42,8 | 235,9 | 59,8 | 9,4 |
| 2002 | 34,6 | 18,1 | 24,6 | 40,6 | 7,1 | 5,4 | 6,1 | 11,4 | 45,7 | 44,1 | 237,7 | 61,9 | 8,9 |
| Jahr | BR | HR | MDR | NDR | ORB | RB | SR | SFB | SWR | WDR | ARD Gesamt |
ZDF | DLR |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1998 | 4,0 | 4,1 | 3,6 | 4,7 | 4,0 | 5,8 | 5,6 | 5,0 | 4,9 | 3,8 | 4,3 | 3,4 | 6,4 |
| 1999 | 4,1 | 4,2 | 3,4 | 4,4 | 4,0 | 5,8 | 5,2 | 4,8 | 4,9 | 3,5 | 4,2 | 3,3 | 5,3 |
| 2000 | 3,9 | 4,3 | 3,9 | 4,4 | 4,4 | 5,9 | 5,1 | 5,0 | 4,4 | 3,4 | 4,1 | 3,7 | 5,3 |
| 2001 | 4,4 | 4,1 | 3,6 | 4,4 | 4,2 | 5,2 | 4,7 | 5,4 | 4,5 | 3,4 | 4,1 | 3,5 | 5,4 |
| 2002 | 4,0 | 3,9 | 3,6 | 4,3 | 4,0 | 6,0 | 5,1 | 5,3 | 4,7 | 3,4 | 4,1 | 3,4 | 5,0 |
Tz. 517
Der Anteil der Kosten der Verwaltung bei den ARD-Anstalten liegt im
Betrachtungszeitraum 1998-2002 bei 4,2 % der Gesamtkosten. Die Entwicklung
dieser Kosten bei den ARD-Anstalten verläuft unterschiedlich.
Das ZDF erreicht im Durchschnitt der letzten fünf Jahre einen Anteil von
3,5 % an den Gesamtkosten. Das Deutschlandradio verringert die Kosten
für die Verwaltung im Jahr 2002 um 0,4 %, liegt aber weiterhin im
Durchschnitt der Jahre 1998-2002 mit 5,5 % noch hoch.
| 1998 (in Mio. EUR) |
1999 (in Mio. EUR) |
Veränderung zum Vorjahr (in %) | 2000 (in Mio. EUR) |
Veränderung zum Vorjahr (in %) | 2001 (in Mio. EUR) |
Veränderung zum Vorjahr (in %) | 2002 (in Mio. EUR) |
Veränderung zum Vorjahr (in %) | Ø jährliche Veränderung (in %) | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| BR | 32,2 | 34,1 | 5,9 | 32,9 | - 3,5 | 35,8 | 8,8 | 34,6 | - 3,4 | 1,8 |
| HR | 17,4 | 19,1 | 9,8 | 18,4 | - 3,7 | 17,2 | - 6,5 | 18,1 | 5,2 | 1,0 |
| MDR | 22,9 | 24,9 | 8,7 | 25,3 | 1,6 | 25,0 | - 1,2 | 24,6 | - 1,6 | 1,8 |
| NDR | 38,8 | 40,1 | 3,4 | 39,4 | - 1,7 | 41,2 | 4,6 | 40,6 | - 1,5 | 1,1 |
| RB | 6,1 | 6,2 | 1,6 | 5,9 | - 4,8 | 5,2 | - 11,9 | 5,4 | 3,8 | - 3,0 |
| RBB1 | 16,1 | 17,2 | 6,8 | 18,3 | 6,4 | 18,4 | 0,5 | 18,5 | 0,5 | 3,5 |
| SR | 6,1 | 6,2 | 1,6 | 6,1 | - 1,6 | 6,0 | - 1,6 | 6,1 | 1,7 | 0,0 |
| SWR | 48,6 | 47,7 | - 1,9 | 41,8 | - 12,4 | 44,3 | 6,0 | 45,7 | 3,2 | - 1,5 |
| WDR | 44,2 | 42,0 | - 5,0 | 42,1 | 0,2 | 42,8 | 1,7 | 44,1 | 3,0 | - 0,1 |
| ARD | 232,4 | 237,5 | 2,2 | 230,2 | - 3,1 | 235,9 | 2,5 | 237,7 | 0,8 | 0,6 |
| ZDF | 50,3 | 51,2 | 1,8 | 62,5 | 22,1 | 59,8 | - 4,3 | 61,9 | 3,5 | 5,3 |
| DLR | 10,2 | 8,6 | - 15,7 | 9,0 | 4,7 | 9,4 | 4,4 | 8,9 | - 5,3 | - 3,4 |
1 Die Zahlen des RBB setzen sich aus ORB und SFB zusammen
4.2.1 Darstellung der Anstalten
ARD-Anstalten
Tz. 518
Die Zeitreihenanalyse für die Jahre 1998-2002 erlaubt eine differenzierte
Betrachtung der Entwicklung der Verwaltungskosten. Bemerkenswert
war der Kostenrückgang der ARD-Anstalten im Jahr 2000 mit - 3,1 %,
an dem der SWR mit einem Ergebnis von - 12,4 % einen erheblichen
Anteil hatte. Allerdings folgte im Jahr 2001 wieder ein Kostenanstieg
von + 2,5 %.
Tz. 519
Der Anstieg der Verwaltungskosten des RBB (SFB und ORB werden
zusammen betrachtet) resultiert aus den überproportional hohen
Kosten aus den Jahren 1998 und 2000.
Tz. 520
Die Anstalten stellen fest, dass die Kosten der Verwaltung seit 1998 jährlich
um durchschnittlich 0,6 % gemessen an den Gesamtkosten angestiegen
sind. Da dieser prozentuale Anteil unter der allgemeinen Preissteigerung
liegt, wird daraus auf Rationalisierungserfolge geschlossen.
Tz. 521
Der Personalaufwand der ARD-Anstalten für die Verwaltung liegt bei rd.
70 %. Die Anstalten argumentieren, bei einem regelmäßigen Anstieg
der Tarif- und Stufensteigerungen sei die durchschnittliche Steigerungsrate
von 0,6 % jährlich nur über einen intensiven IT-Einsatz zu erzielen.
Tz. 522
Die Kosten für die Altersversorgung sind deutlich angestiegen. Darauf
entfielen im Jahr 2001 insgesamt 2,9 Mio. EUR. Dies ist bei einem Anstieg
von 5,7 Mio. EUR für die gesamten Verwaltungskosten ein Anteil von über
50 %. Insbesondere beim BR stiegen die Kosten für die Zuführung zur
gesamten Altersversorgung im Jahr 2001 um insgesamt + 8,3 %; daraus
ergibt sich der hohe Anstieg der Verwaltungskosten um 8,8 %.
Tz. 523
Wie bereits zum 13. Bericht weist der WDR mit 4,2 Mio. EUR im Jahr 2001
und 4,0 Mio. EUR 2002 die höchsten Kosten für die Intendanz aus. Der
WDR begründet seine Aufwendungen mit der größeren Anzahl an Gremienmitgliedern,
dem zusätzlichen Schulrundfunkausschuss und dem
ARD-Vorsitz 2001 und 2002. Beachtenswert ist auch die Höhe der Kosten
für die Intendanz des MDR; die Kostenerhöhung in den Jahren 2001
und 2002 wurde durch Einstellung von zwei neuen Mitarbeitern verursacht.
Tz. 524
Die Kosten für das Justitiariat sind in den Jahren 2001 und 2002 beim
SWR, gefolgt vom WDR, am höchsten. Der WDR begründet dies mit
der Nachbesetzung von Planstellen und dem ARD-Vorsitz. Der MDR hat
für das Justitiariat höhere Kosten als der NDR und ist damit gleichauf
mit dem BR.
Tz. 525
Die Aufwendungen für Organisation und Datenverarbeitung sind nach
Angabe der Anstalten als diskontinuierlich einzustufen. Die Arbeitsgruppe
"Informatik" der ARD-Anstalten, an deren Ergebnissen auch ZDF und
Deutschlandradio partizipieren, hat zur bisherigen und weiteren Entwicklung
der IT-Kosten wie auch der dazugehörenden Beratung und
Schulung grundsätzliche und strategische Ergebnisse erarbeitet. Daraus
ist eine anstaltsübergreifende Strategie für alle IT-Themen zur Erreichung
von größtmöglichen Synergieeffekten und Wirtschaftlichkeitspotentialen
entstanden.
So werden nach Auffassung der Anstalten z. B. durch
- IT-Einkaufspools attraktive Konditionen mit DV-Unternehmen für alle IT-Anforderungen der Anstalten erreicht mit Rabatten zum Teil bis zu 44,5 %;
- die gemeinsame Nutzung von IT-Resourcen, wie z. B. der GEZ und des IVZ (vgl. 13. Bericht, Tz. 406), wirtschaftlich als auch synergetisch hohe Nutzungsgrade erreicht;
- gemeinsame Nutzung oder multilaterale Kooperationen bei Anwendungssystemen, bei Archivdatenbanken und der Presse- und Fernsehdokumentation optimale Ergebnisse erzielt;
- die gemeinsame Nutzung einiger Anstalten für die Honorarabwicklung, die Rechteverwaltung, die digitalen Archive und die Verkehrsnachrichten Synergieeffekte erzielt. In diesen Bereichen sollen mittelfristig alle Anstalten übergreifend bedient werden.
Tz. 526
Die Kosten für die Position Honorare und Lizenzen sind bei fast allen
Anstalten im Zeitraum 1998-2001 angestiegen. Für das Jahr 2002 ist
seit 1998 erstmals ein leichter Rückgang um insgesamt 0,6 Mio. EUR zu
verzeichnen.
Tz. 527
Bereits zum 13. Bericht hatte der Kommission ein Benchmark der drei
Anstalten BR, NDR und WDR aus dem Jahr 1999 vorgelegen. Grund für
dieses Benchmark waren die im Vergleich hohen Kosten für Honorare
und Lizenzen des WDR, insbesondere im Personalbereich. Die Kommission
empfahl den drei Anstalten, ihre Untersuchungen fortzusetzen und
auf mögliche Einspar- und Synergiepotentiale zu untersuchen. Dieser
Forderung ist die ARD nachgekommen und hat zu diesem Bericht für
den Zeitraum 1999-2001 die Untersuchung vorgelegt.
| 1999 | 2001 | Differenz | Anstieg in % | |
|---|---|---|---|---|
| BR | 3,277 | 3,420 | 0,143 | + 4,4 |
| NDR | 2,420 | 2,833 | 0,413 | + 17,1 |
| WDR | 5,744 | 6,564 | 0,820 | + 14,3 |
| Bezeichnung | BR | NDR | WDR |
|---|---|---|---|
| Personalkapazitäten | |||
| Abteilung Honorare und Lizenzen | 43,5 | 38,8 | 79,5 |
| Abteilung Honorare und Lizenzen | 47,5 | 41,5 | 79,5 |
| Differenz | + 4,0 | + 2,7 | - |
Tz. 528
Der Vergleich macht deutlich, dass der WDR im Jahr 2001 wie schon
1999 mit den höchsten ausgewiesenen Kosten im Vergleich zu den anderen
Anstalten ca. doppelt so viel Personal für die Wahrnehmung der
Aufgaben einer Honorar- und Lizenzabteilung beschäftigt hat. Die
Gründe dafür liegen nach Aussage des WDR in der vergleichsweise hohen
Zahl der abzuschließenden Honorarverträge und der höheren Anzahl
der zu betreuenden freien Mitarbeiter im Vergleich zum BR und
NDR.
Tz. 529
Alle drei Anstalten begründen den Anstieg der Kosten im Wesentlichen
mit zusätzlichem Personalbedarf für die Betreuung der freien Mitarbeiter,
die in den Bereichen Honorare und Lizenzen stark angestiegen sei,
und mit zusätzlichen Kosten für Online-Angelegenheiten und DV-Projekte,
die für diese Bereiche eingesetzt würden.
Die drei Anstalten BR, NDR und WDR stellen in ihrem Ausblick für die kommenden Jahre fest, dass die Arbeit und Komplexität der Honorarund Lizenzabteilung zunehmen wird. Um hier Planstellenzuwächse zu vermeiden, sind alle Möglichkeiten der IT-Unterstützung und der Verbesserung der Ablauforganisation, wie die Nutzung der beleglosen Honorarabteilung, zu prüfen.
Tz. 530
Der Intendant des WDR hatte die Revision seiner Anstalt bereits im Jahr
2001 gebeten, eine Untersuchung auf weitere Einspar- und Synergiepotentiale
für die Honorar- und Lizenzabteilung des WDR durchzuführen.
In ihrem vorliegenden Prüfungsbericht hat die Revision Maßnahmen zur
Verbesserung und Optimierung der Ablauf- und Aufbauorganisation im
Bereich Honorare und Lizenzen vorgeschlagen, die auch zu nennenswerten
Einsparpotentialen führen können. Hierzu sind allerdings teilweise
EDV-technische Voraussetzungen erforderlich, die noch beim WDR
umgesetzt werden müssen.
ZDF
Tz. 531
Beim ZDF beläuft sich der Kostenteil der Personalkosten mit Altersversorgung
auf ca. 70 % an den Verwaltungskosten und ist mit den ARDAnstalten
vergleichbar. Die Steigerung der Verwaltungskosten des ZDF
im Jahr 2000 um real + 22,1 % wurde mit umfassenden Kosten im Bereich
Organisation und Datenverarbeitung begründet. Die Kosten für
die Umstellung auf SAP/R3 beliefen sich auf 5 Mio. EUR, hinzu kam die
Einrichtung von "Cost- und Service-Centern" und die Anpassung der
gesamten Organisation.
Die geringeren Kosten 2001 ergaben sich insbesondere durch den Rückgang der Kosten für Organisation und Datenverarbeitung.
Tz. 532
Die Kosten der Intendanz und des Justitiariats haben sich nicht signifikant
verändert. In den Kosten für die Finanzverwaltung sind mit ca.
25 % Kosten für die SAP-Systembetreuung und die Kosten für Personalund
Honorarabrechnung enthalten.
Tz. 533
Der Kostenanstieg im Jahr 2002 ergibt sich aus der Kostenzunahme der
Position Honorare und Lizenzen, verursacht durch den gestiegenen
Recherche- und Rechtesicherungsaufwand für die neuen Programme.
Deutschlandradio
Tz. 534
Die Verwaltungskosten des Deutschlandradios belaufen sich für den Zeitraum
1998-2002 auf durchschnittlich 5,5 %. Der leichte Anstieg der Verwaltungskosten
im Jahr 2001 auf 5,4 % gemessen am Anteil von 5,3 %
im Vorjahr wird mit zusätzlichen Kosten für die Altersversorgung begründet.
Tz. 535
Der Rückgang der Verwaltungskosten auf 5,0 % im Jahr 2002 wird nach
Aussage des Deutschlandradios durch eine Neuregelung der Kostenrechnung
beeinflusst. So wurden z.B. Beratungskosten zur Bau-Sanierung,
Umzugskosten, Trennungsentschädigungen oder die Umbewertung der
Rückstellungen Altersversorgung etc. aus der Betrachtung der Verwaltungskosten
herausgenommen und durch Umlagen an andere Kostenstellen
verrechnet.
4.2.2 Bewertung durch die Kommission
Tz. 536
Der Verwaltungskostenanteil (Teil A und C) der ARD-Anstalten in den
Jahren 2001 und 2002 in Höhe von 4,2 % an den Gesamtkosten konnte
auch deshalb erreicht werden, weil einige kleinere Anstalten ihre Kosten
überproportional senken konnten. Dies weist auf Rationalisierungspotentiale
auch bei den anderen Anstalten hin. Beim RBB wird abzuwarten
sein, ob sich die mittelfristig erwarteten Synergieeffekte aus der Fusion
(ORB/SFB) kostensenkend auf die Verwaltungskosten auswirken. Durch
die Fusion gelang dem SWR im Jahr 2000 eine Senkung der Verwaltungskosten
um 12,4 %. Den Erläuterungen der ARD-Anstalten ist zu
entnehmen, dass höhere Kosten auch durch Aufgabenausweitungen
entstanden sind.
Tz. 537
Der Kostenanstieg der großen ARD-Anstalten 2001 und 2002 stellt sich
wie folgt dar: BR + 5,4 %, NDR + 3,1 %, SWR + 4,6 %, WDR + 2,35 %.
Rechnerisch hat der BR mit seiner Kostenerhöhung um + 8,8 % im Jahr
2001 aufgrund höherer Aufwendungen für die Altersversorgung (vgl.
Tz. 522) bei der Gesamtbetrachtung dadurch die Kostensenkungen
anderer Anstalten in dem Jahr aufgezehrt.
Tz. 538
Die Kommission geht davon aus, dass die Anstalten weitere Rationalisierungspotentiale
nutzen werden.
Tz. 539
Beim ZDF sind die Verwaltungskosten in den Jahren 2001 und 2002 im
Verhältnis zu den Gesamtkosten gleich geblieben. Ein Anstieg des Verwaltungskostenanteils
von 3,5 % konnte nur deshalb vermieden werden,
weil der Gesamtaufwand angestiegen ist, so dass sich der Anstieg der
Verwaltungskosten im Jahr 2000 um 22,1 % (vgl. Tab. 59) in der Verhältniszahl
nicht niedergeschlagen hat. Daneben zeigt sich auch beim
ZDF die Tendenz, erzielte Rationalisierungseffekte für die Ausweitung
der Leistungen heranzuziehen.
Tz. 540
Beim Deutschlandradio hat sich die Kostenentwicklung seit 1998 von
6,4 % auf 5,4 % im Jahr 2001 verringert. 2002 ist dieser Wert auf 5,0 %
gefallen, weil das Deutschlandradio Kosten durch eine neue Zuordnung
von Regelaufwendungen in andere Bereiche verlagert hat. Die Kommission
bittet das Deutschlandradio, bei den Regelaufwendungen eine
Harmonisierung mit den ARD-Anstalten vorzunehmen. Die Doppelbelastung durch die Existenz von Parallelstrukturen ist nach Auffassung der
Kommission im Interesse von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit nicht
mehr zeitgemäß.
Tz. 541
Möglichkeiten weiterer Kosteneinsparungen sieht die Kommission u.a.
in folgenden Bereichen.
Honorare und Lizenzen
Die Situation und die Kostensteigerungen bei der Position Honorare und Lizenzen wurde durch die vergleichende Untersuchung zwischen BR, NDR und WDR ausführlich dargestellt. Die Kommission begrüßt die Bemühungen der Anstalten, Ursachen für Kostensteigerungen transparent zu machen. Sie kann allerdings nicht darüber hinwegsehen, dass tatsächlich die Kosten im Honorar- und Lizenzbereich bei den drei großen Anstalten BR, NDR und insbesondere beim WDR im Zeitraum von 1998-2001 um insgesamt 2,9 Mio. EUR angestiegen sind. Es ist für die Kommission nachvollziehbar, dass die Beschäftigung immer mehr freier Mitarbeiter und die Steigerung des Lizenzumfangs die Aufwendungen erhöhen. Allerdings stellt sie auch fest, dass sich Programmausweitungen in allen Kostenbereichen widerspiegeln und dadurch einmal geschaffene Rationalisierungspotentiale aufgezehrt werden. Die Kommission kann deshalb in diesem Punkt, der 1998 und 2002 eingehend untersucht wurde, noch keinen wirksamen Beitrag zu Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit erkennen.
Auch von den anderen Anstalten erwartet die Kommission, den Bereich Honorare und Lizenzen auf Kosteneinsparungen hin zu untersuchen. Der Prüfbericht der HA Revision des WDR sollte dazu herangezogen werden.
Organisation und Datenverarbeitung
Der von der AG Informatik dargestellte Weg, im Rahmen von Koordination und Kooperation aller Anstalten eine hohe Effizienz sowohl in der technischen Entwicklung der Anstalten wie auch in der Wirtschaftlichkeit zu erreichen, ist fortzusetzen. Es wird empfohlen, den Weg der weiteren Bündelung der Aufgaben im Bereich Information und Kommunikation, Bedarf und gemeinsamer Weiterentwicklung von Standards einzusetzen. Die Kommission erwartet zu den Anmeldungen zum 15. Bericht eine Darstellung über die weiteren durchgeführten Entwicklungsschritte.
Intendanz und Justitiariat
Die Kosten der Intendanz sind, wie bereits im 13. Bericht erwähnt, nach wie vor hoch. Den höchsten Kostenanteil weist weiterhin der WDR aus. Beachtenswert ist auch die Höhe der Kosten für die Intendanz des MDR, die gemessen an den Gesamtkosten beim MDR überdurchschnittlich sind. Beim SWR fallen die höchsten Kosten beim Justitiariat an. Auffällig sind auch die vergleichsweise hohen Kosten für das Justitiariat beim MDR. Der MDR weist in dieser Position höhere Kosten aus als z.B. der NDR und liegt mit dem BR gleichauf. Bei beiden Positionen sind Kosteneinsparungen vorzunehmen; es ist nach den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu handeln.
4.3 Marketingaufwendungen
4.3.1 Darstellung der Anstalten
Tz. 542
Die Kommission stellte im 13. Bericht Unterschiede in der Kostenzuordnung
bei den Marketingkosten fest (vgl. 13. Bericht, Tz. 410). Um einen
besseren Vergleich zu ermöglichen, wurden den Anstalten für die neue
Abfrage überarbeitete einheitliche Zuordnungskriterien vorgegeben. Dadurch
haben sich Abweichungen zu Tab. 51 im 13. Bericht (Tz. 408)
ergeben. Nach Auffassung der Anstalten hat sich aufgrund der Vorgaben
die Transparenz zur Beurteilung der Marketingaufwendungen gegenüber
der Darstellung für den 13. Bericht deutlich verbessert.
Tz. 543
Bei den Kosten für das Marketing werden die Aufwendungen für Personal
ohne Altersversorgung dargestellt. Die Anstalten haben zugesagt,
dass für den 15. Bericht die Kosten inkl. Altersversorgung ausgewiesen
werden. Nachrichtlich werden auch die Kosten der Werbegesellschaften
angegeben sowie der prozentuale Anteil der Marketingkosten im Verhältnis
zum Gesamtaufwand.
Tz. 544
Die geplanten Aufwendungen für Marketingaufwendungen der ARD-Anstalten
für die Jahre 2001-2008 lauten:
| Marketingaufwendungen der ARD-Anstalten | 2001-2004 (in Mio. EUR) | 2005-2008 (in Mio. EUR) | 2001-2008 (in Mio. EUR) |
|---|---|---|---|
| Sachaufwand | 353,02 | 351,20 | 704,22 |
| nachrichtlich: Personalaufwand | 53,38 | 58,79 | 112,17 |
| nachrichtlich: Werbegesellschaften | 96,53 | 99,38 | 195,91 |
Die Entwicklung der Marketingkosten im Zeitraum 2001-2004 bezogen
auf die Gesamtkosten sieht wie folgt aus:
| 2001 (Ist) Aufwand inkl. Personal (in Mio. EUR) |
in % der Gesamtaufwendungen | 2002 (Ist) Aufwand inkl. Personal (in Mio. EUR) |
in % der Gesamtaufwendungen | 2003 (Plan) Aufwand inkl. Personal (in Mio. EUR) |
in % der Gesamtaufwendungen | 2004 (Vorschau) Aufwand inkl. Personal (in Mio. EUR) |
in % der Gesamtaufwendungen | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| BR | 16,2 | 1,9 | 16,6 | 1,8 | 17,1 | 1,9 | 17,2 | 1,9 |
| HR | 3,8 | 0,9 | 4,5 | 1,0 | 4,5 | 1,0 | 4,5 | 1,0 |
| MDR | 7,0 | 1,0 | 7,0 | 1,1 | 7,6 | 1,2 | 7,8 | 1,1 |
| NDR | 21,4 | 2,2 | 20,8 | 2,2 | 18,3 | 1,8 | 18,2 | 1,8 |
| RB | 3,2 | 3,1 | 1,9 | 2,1 | 2,2 | 2,4 | 1,7 | 1,9 |
| RBB | 6,0 | 1,5 | 6,7 | 1,7 | 10,4 | 2,7 | 8,0 | 1,9 |
| SR | 3,3 | 2,6 | 3,4 | 2,9 | 3,1 | 2,8 | 3,0 | 2,6 |
| SWR | 19,5 | 1,9 | 19,6 | 1,9 | 18,6 | 1,8 | 18,9 | 1,7 |
| WDR | 21,4 | 1,7 | 20,5 | 1,6 | 21,6 | 1,7 | 21,1 | 1,6 |
| ARD | 101,8 | 1,7 | 101,0 | 1,7 | 103,3 | 1,8 | 100,3 | 1,6 |
| nachrichtlich: Werbegesellschaften | 23,1 | 24,5 | 24,5 | 24,4 | ||||
| ZDF | 29,7 | 1,5 | 29,2 | 1,6 | 27,5 | 1,5 | 27,5 | 1,4 |
| DLR | 6,0 | 3,4 | 6,7 | 3,7 | 7,0 | 3,7 | 7,3 | 3,8 |
Tz. 546
Bei der Betrachtung der einzelnen Anstalten wird deutlich, dass die Anstalten
in Abhängigkeit von Größe und Wettbewerbssituation in höchst
unterschiedlichem Ausmaß Marketingaktivitäten planen. Einzelne Marketingaktionen,
die von den Anstalten individuell entschieden werden, sind
die Ursache für einen zeitlich begrenzten Anstieg der Marketingaufwendungen.
| BR | HR | MDR | NDR | RB | RBB | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2001 | 2002 | 2001 | 2002 | 2001 | 2002 | 2001 | 2002 | 2001 | 2002 | 2001 | 2002 | |
| Marketing: | ||||||||||||
| 1. Pressestelle | 0,311 | 0,311 | 1,467 | 1,531 | 1,730 | 1,690 | 0,734 | 0,632 | 0,204 | 0,192 | 2,070 | 1,570 |
| 2. Öffentlichkeitsarbeit/ Zentrales Marketing | 4,629 | 4,604 | 0,519 | 0,651 | 1,166 | 1,168 | 5,305 | 4,633 | 0,103 | 0,054 | 0,562 | 0,573 |
| 3. Medienforschung | 0,400 | 0,448 | 0,355 | 0,443 | 0,287 | 0,217 | 1,767 | 1,768 | 0,232 | 0,148 | 0,475 | 0,325 |
| 4. Öffentlichkeitsarbeit/ Programmmarketing | 9,292 | 9,785 | 0,780 | 1,171 | 2,623 | 2,576 | 10,649 | 10,150 | 2,150 | 1,119 | 1,475 | 2,833 |
| 5. Marketing Rundfunkgebührenstellen | 0,162 | 0,083 | 0 | 0 | 0 | 0 | 1,107 | 1,697 | 0,059 | 0 | 0,037 | 0,035 |
| (nachrichtlich: Personalaufwand ohne AV) | 1,418 | 1,358 | 0,706 | 0,753 | 1,176 | 1,333 | 1,788 | 1,907 | 0,479 | 0,376 | 1,418 | 1,317 |
| (nachrichtlich: Werbegesellschaften) | 2,214 | 2,445 | 2,740 | 2,368 | 2,863 | 4,314 | 0,544 | 0,630 | 0,391 | 0,423 | 4,612 | 4,554 |
| Summe | 14,794 | 15,231 | 3,122 | 3,796 | 5,806 | 5,651 | 19,562 | 18,880 | 2,748 | 1,514 | 4,619 | 5,336 |
| SR | SWR | WDR | ARD | ZDF | DLR | |||||||
| 2001 | 2002 | 2001 | 2002 | 2001 | 2002 | 2001 | 2002 | 2001 | 2002 | 2001 | 2002 | |
| Marketing: | ||||||||||||
| 1. Pressestelle | 0,558 | 0,570 | 2,495 | 2,036 | 2,954 | 2,422 | 12,523 | 10,954 | 0 | 0 | 0,167 | 0,190 |
| 2. Öffentlichkeitsarbeit/ Zentrales Marketing | 0,917 | 1,002 | 1,946 | 2,199 | 1,222 | 1,531 | 16,369 | 16,416 | 19,816 | 17,759 | 0,055 | 0,065 |
| 3. Medienforschung | 0,252 | 0,281 | 3,256 | 2,727 | 1,026 | 2,346 | 8,050 | 8,703 | 3,630 | 3,842 | 0,239 | 0,225 |
| 4. Öffentlichkeitsarbeit/ Programmmarketing | 1,048 | 1,051 | 9,472 | 10,135 | 11,454 | 10,147 | 48,943 | 48,967 | 0 | 0 | 4,888 | 5,549 |
| 5. Marketing Rundfunkgebührenstellen | 0,096 | 0,080 | 0,139 | 0,486 | 1,523 | 0,653 | 3,124 | 3,034 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| (nachrichtlich: Personalaufwand ohne AV) | 0,424 | 0,416 | 2,165 | 2,060 | 3,223 | 3,431 | 12,797 | 12,952 | 6,280 | 7,592 | 0,671 | 0,663 |
| (nachrichtlich: Werbegesellschaften) | 0,410 | 0,297 | 5,010 | 5,729 | 4,337 | 3,786 | 23,121 | 24,546 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Summe | 2,871 | 2,984 | 17,308 | 17,583 | 18,180 | 17,099 | 89,009 | 88,074 | 23,446 | 21,601 | 5,349 | 6,029 |
Tz. 547
Die Marketingaufwendungen sind in den Jahren 1998-2001 kontinuierlich
angestiegen (vgl. 13. Bericht, Tz. 410). Bei ARD und ZDF gehen die
geplanten Kosten im Jahr 2004 leicht zurück. Nach Aussage der Anstalten
wird hiermit dokumentiert, dass die Budgets begrenzt werden.
Tz. 548
Die Anstalten vertreten die Auffassung, dass die Konkurrenzsituation
um die Marktanteile Marketingaufwendungen erforderlich macht. So
werden von allen Anstalten regelmäßig u.a. Imagekampagnen, Bewerbung
von Hörfunk-Programmen, Bewerbung von Sendeplätzen und
Corporate-Identity-Prozesse durchgeführt.
Tz. 549
Aus der Darstellung der einzelnen Anstalten und deren Erläuterungen
ergeben sich folgende Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen:
Tz. 550
ARD
Bei den Aufwendungen für die Werbegesellschaften ist die Steigerung im Jahr 2002 signifikant. Insbesondere für die Jahre 2001 und 2002 sind die Kosten beim MDR mit 1,45 Mio. EUR (51 %) und beim SWR mit 0,72 Mio. EUR (11 %) stark angestiegen. Der MDR führt hierzu aus, dass der erhebliche Mehraufwand zum einen durch das neue Corporate Design, zum anderen durch eine Anzeigenkampagne zur Imagepflege der werbetragenden Hörfunkprogramme entstanden ist.
Tz. 551
Die Personalaufwendungen bei den ARD-Anstalten für Marketing entwickeln
sich mit einer jährlichen Steigerungsrate von durchschnittlich
2,4 %. Für den Zeitraum 2001-2008 planen die Anstalten nach eigenen
Aussagen eine Steigerungsrate in Höhe von 2,1 % jährlich und bewegen
sich damit im Rahmen der im 14. Bericht zugrunde gelegten Steigerungsraten
für Personalaufwendungen.
Tz. 552
Deutliche Steigerungen der Aufwendungen waren im Jahr 2001 beim
NDR, bei RB und beim SR eingetreten. Sie sind überwiegend auf Corporate
Design-/Corporate Identity-Prozesse zurückzuführen. SFB und ORB
sind bereits als RBB aufgeführt und planen für 2003 und 2004 eine Erhöhung
der Marketingaufwendungen infolge der Fusion der Anstalten.
Die Mehraufwendungen ergeben sich durch die Neuentwicklung für
das Logo und Aufwendungen für die Einführung eines gemeinsamen
Regionalprogramms im Fernsehen.
Tz. 553
Im Jahr 2001 weist RB die höchsten Marketingaufwendungen mit 3,15 %
am Gesamtaufwand aus. Gründe hierfür liegen in der Zusammenlegung
von zwei Hörfunkprogrammen, in der Gestaltung eines mit dem NDR
kooperierenden Kultur- und Informationsprogramms und in der Übernahme
des Programms "Funkhaus Europa" in Kooperation mit dem
WDR. Dieser inhaltliche Redesign-Prozess wurde durch entsprechende
Marketingaufwendungen bekannt gemacht. Erst im Jahr 2004 fallen bei
RB die Kosten wieder auf unter 2 %.
Tz. 554
Der SR mit Anteilen von 2,65 % im Jahr 2001 und von 2,9 % im Jahr
2002 am Gesamtaufwand startete im Jahr 2001 eine groß angelegte
Werbekampagne gegenüber der privaten Konkurrenz zur Steigerung
des Bekanntheitsgrades des SR 2-Programms und der werbetragenden
Wellen SR 1 und SR 3. Damit wurde auch ein Imagewechsel bei der
Saarlandwelle verfolgt. Auffällig ist, dass der SR auch 2003 und 2004
auf diesem über dem ARD-Durchschnitt liegenden Niveau verbleibt. Bei
allen Anstalten ist das Programmmarketing die wesentliche Komponente.
Tz. 555
ZDF
Beim ZDF sind die Aktivitäten für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit in einer Hauptabteilung, der HA Kommunikation, zusammengefasst. Wie die ARD-Anstalten ist auch das ZDF der Ansicht, dass Kommunikations- Maßnahmen eine immer größere Rolle im Wettbewerb um Zuschauer und Werbeeinnahmen spielen.
Die ansteigenden Kosten der Marketingaufwendungen im Jahr 2001 auf 1,7 % der Gesamtkosten (2000: 1,4 %) wurden im Wesentlichen durch das umfassende ZDF-Redesign (neues Logo, neue Farbe) und durch die Imagekampagne "Mit dem 2ten sieht man besser" verursacht. (Das ZDF merkt an, dass nach nur zwei Monaten Laufzeit diese Imagekampagne 45 % der Bevölkerung bekannt war.) Darüber hinaus wurde die Pressestelle in Berlin verstärkt und das Online-Service-Angebot für Schülerzeitungen "Schülerzeitungen im Pressetreff" ins Leben gerufen. Im Jahr 2002 gehen beim ZDF die Marketingkosten bei gleichzeitig ansteigenden Personalkosten leicht zurück, die Anstalt kommt auf einen prozentualen Anteil von 1,6 %.
Tz. 556
Deutschlandradio
Die Marketingkosten des Deutschlandradios im Jahr 2002 haben sich gegenüber dem Jahr 2001 um 11 % erhöht. Damit weist das im Jahr 2002 mit 3,7 % an den Gesamtkosten den höchsten Kostenanteil unter allen Anstalten aus. Bei gleichzeitigem leichten Rückgang der Personalkosten haben sich die Sachkosten im Wesentlichen in der Position Öffentlichkeitsarbeit/ Programmmarketing erhöht. Als Gründe für die Aufwandserhöhung wurden u.a. genannt: Ausbau des Hörerservice, Aufstockung der Aufwendungen bei Veranstaltungsservice und Intranetredaktion, Auflagensteigerung bei Programmheft und Hörspielbroschüre, Online-Kampagne sowie eine zusätzliche Frequenzkampagne. Im Programmmarketing werden die angehobenen Mittel für die gezielte Bewerbung einzelner Programmprojekte bereitgestellt. Nach Aussage des Deutschlandradios ergeben sich die erhöhten Aufwendungen aus dem nicht auf eine Region beschränkten nationalen Auftrag.
4.3.2 Bewertung durch die Kommission
Tz. 557
Die Kommission hat in ihrem 13. Bericht (Tzn. 407 ff.) die Anstalten aufgefordert,
durch einheitliche Zuordnungskriterien eine bessere Vergleichbarkeit
bei den Marketingkosten herzustellen. Dies wurde von den
Anstalten umgesetzt. Der Kommission liegen noch keine nachvollziehbaren
Erkenntnisse über Marketingziele und Ergebnisse von Kosten-
Nutzen-Analysen für die Marketingbereiche der Anstalten vor. Die Kommission
bittet um eine Darstellung zur Anmeldung zum 15. Bericht.
Tz. 558
Die Kommission stellt fest, dass die vom BR gegenüber dem Bayerischen
Obersten Rechnungshof im Jahr 2000 formulierte Kostenbegrenzung bei
den Aufwendungen für das Marketing auf max. 15,3 Mio. EUR pro Jahr
nicht entsprechend feststellbar war. Der BR erreicht nach der Planung
für das Jahr 2004 einen Aufwand von 17,2 Mio. EUR. Ein Vergleich konnte
nicht erfolgen, da z.B. die Kosten der Werbung für BR-Online und die
Erstellung des Geschäftsberichts dort einbezogen waren, ohne diese Anteile
zu benennen.
Nach Auffassung der Anstalten ist der moderate Anstieg der Marketingkosten Ausdruck einer von knappen Finanzmittel geprägten Planung. Andererseits argumentieren sie, in einer Konkurrenzsituation die Marktanteile und Quoten durch gezielte Marketingaktionen und Kampagnen absichern zu müssen. Für die Kommission stellt sich die Frage, ob Steigerungsraten bei den Marketingaufwendungen noch angemessen sind oder ob diese nicht auch gesenkt werden können.
Die Kommission ist grundsätzlich der Auffassung, dass auch öffentlichrechtliche Rundfunkanstalten Marketing betreiben müssen. Der öffentlich- rechtliche Rundfunk ist allerdings gebührenfinanziert und unterliegt nicht in gleichem Maße dem Wettbewerb wie private Anbieter. Die Verantwortung gegenüber den Gebührenzahlern rechtfertigt nicht die Ausweitung von Kosten, die letztlich der Imageverbesserung oder "Alleinstellungsmerkmalen" einzelner Anstalten dienen.
Die Kommission erwartet deshalb von den Anstalten, dass sie Grundzüge für ein kooperatives Marketing entwickeln, die sich an den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit orientieren und durch übergeordnete Kriterien die Konkurrenzsituation der öffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten untereinander mit den daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen begrenzen.
